Stefan Roos und die Sängerfreunde Roosige Aussichten in Appenzell

Stefan Roos und die SängerFreunde siegten am Schweizer Grand Prix der Volksmusik. Das Geheimnis ihres Erfolges? Sie singen sich in die Herzen aller Mütter.

Auf der Wiese vor dem Appenzeller Bauernhof in Bühler AR grasen Kühe. Nur das Bellen eines Sennenhundes durchbricht die Stille. «Boss, ruhig!», ruft Urs Freund aus dem Fenster. Im Haus zieht der Duft von selbst gebackenem Kuchen durch die Räume mit den niedrigen Decken. Urs Freunds Buben Silvan und ­Simon turnen auf dem Kachelofen.

Ein ganz normaler Nachmittag … doch seit Urs Freund mit seiner Jodlerformation Sängerfreunde und Stefan Roos den Schweizer Grand Prix der Volksmusik gewonnen ­haben, ist Schluss mit dem beschaulichen Alltag. Das Telefon von Schlagersänger Roos klingelt im Minutentakt: «Fremde Menschen erzählen mir, dass sie bei unserem Lied weinen müssen, weil sie so gerührt sind.»

Roos komponierte das Stück «Das Herz einer Mutter» und wusste, dass er zum angesehensten Volksmusikwett­bewerb am 25. April nur zusammen mit den Sängerfreunden antreten möchte: also mit den drei Freund-Brüdern Urs, Hansjürg und Peter sowie mit Christian Alder. Im Appenzellischen sind die vier schon lange bekannt, und seit ihrem gemeinsamen Auftritt mit Rapper Bligg bei der Fernsehsendung «Die grössten Schweizer Hits 2007» haben sie Anhänger in der ganzen Schweiz.

Auch Rapper Bligg ist ein Fan der Sängerfreunde: «Diese Jungs muss man einfach mögen. Wir hatten sowohl im Studio als auch auf diversen Schweizer Bühnen grossen Spass miteinander und konnten gegenseitig voneinander profitieren.» Mit dem Grand-Prix-Sieg haben die Volksmusiker nicht gerechnet: 

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«Ich habe mich bei den anderen Teilnehmern fast entschuldigt und tröstete die weinende Yasmine-Mélanie. Der Sieg überrumpelte mich, ich habe ja nicht mal Autogrammkarten drucken lassen», sagt Roos. Genau diese lockere Art führte die fünf Musiker auf den ersten Platz.

«Wir studieren nichts ein und haben keine Bühnenshow. Den Auftritt haben wir nicht einmal zusammen geprobt», sagt Hansjürg. Da kommt es ihnen gerade recht, dass sie sich um die Kleiderwahl keine grossen Gedanken zu machen brauchten – Tracht ist Pflicht.

«Ich musste schon als Kind die Weste meines Bruders nach­tragen, das mache ich auch noch heute», so Peter. Als Beweis zeigt er die Innenseite seiner ­roten Weste, da steht in fast verblasster Schrift der Name seines Bruders Urs. Peter erinnert sich, dass der ältere schon als Kind immer im Stall anzutreffen war und es darum klar war, dass Urs einmal den Hof der Eltern übernehmen würde. «Ich stand früher sowieso lieber in der Küche und half der Mutter beim Kochen», sagt Hansjürg.

«Wir studieren nichts ein und haben keine Bühnenshow»

Die drei Brüder geraten sich fast nie in die Haare, und wenn doch, dann wird dis­kutiert. Heile Welt nicht nur in ihren Liedtexten, sondern auch privat und bei der Arbeit? «Der Neid und die Missgunst in der Szene des volkstümlichen Schlagers ist gross. Es ist ein hart umkämpfter Markt. Im Vorfeld fragten schon vier andere Produzenten bei uns an», sagt Hansjürg.

200 Titel wurden für den Grand Prix eingereicht, zwölf schafften es in den Final, nur vier können die Schweiz am internationalen Grand Prix der Volksmusik in diesem Sommer repräsentieren. Ohne Manager im Rücken gelten die Sängerfreunde und Stefan Roos als Exoten. «Es ist ja nicht unser Beruf, wir müssen ­damit kein Geld verdienen», so Urs. «Wir haben einfach nur Freude an der Musik.»

Darum glaubt man ihnen auch, dass sie es ernst meinen, wenn sie singen: «Wenn du noch eine Mutter hast, sag ihr: ‹Ich hab dich lieb.› Weil es für jeden Menschen nur eine Mutter gibt.» Roos hat sich ganz bewusst für das Thema Mutter entschieden: «Heintje hat es mit seinem Lied ‹Mama› vorgemacht, es ist an der Zeit, wieder einmal allen Müttern Danke zu sagen.»

Dass er gerade mit diesem Titel gewonnen hat, bedeutet Roos viel. Es sei sein erster grosser Auftritt, seit sein Vater vor sieben Jahren an Krebs erkrankte und starb. Damals verabschiedete sich Roos von der Schlagerwelt und kümmerte sich um seinen Vater.

Die Ehefrauen der Jodler sind stolz auf ihre Männer und wollen sie am 29. August an den Final des Grand Prix der Volksmusik nach München begleiten. Einzig Hansjürgs Frau Monika ist sich noch nicht sicher, denn genau zu diesem Zeitpunkt soll ein weiterer kleiner Appenzeller-Freund auf die Welt kommen.


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