Moritz Leuenberger «Schiffe sind Freunde»

Edle Schiffe, saurer Heringe und Seemanns-Lieder: Am Hafenfest in Hamburg feiern über eine Million Menschen mit - auch Moritz Leuenberger. Der Bundesrat erweist sich als seefest und schaukelt kräftig mit.

Barkassen, Kriegsschiffe, U-Boote und Frachter zwängen sich auf der Elbe aneinander vorbei – und Moritz Leuenberger schaukelt mit. Auf dem Museumsschiff «Rickmer Rickmers» eröffnet er als Ehrengast das Fest zum 820. Geburtstag des Hamburger ­Hafens. «Da stehe ich als Landratte auf einem Hochseeschiff», witzelt der 62-jährige Zürcher.

Und erklärt den deutschen Gastgebern, dass wir Schweizer dennoch die fundamentalen Seefahrtsregeln kenne: «Wir wissen, wie man sich nach dem Wind dreht, kühne Wendemanöver macht – und wie es sich anfühlt, wenn uns die steife Brise der OECD und der EU ins Gesicht bläst.» Gelächter auf dem Hafenareal, wo rund eine halbe ­Million Deutsche der Rede lauschen.

Der SP-Bundesrat mag Schiffe, schon seit seiner Kindheit. Und das hat einen speziellen Grund: Als 14-Jähriger erlitt Moritz eine Knochenmarkentzündung, ein Jahr lang lag er im Kinderspital Basel. «Mein Fernseher war das Fenster zum Rhein. Dort sah ich die Frachter vorbeiziehen, mal schwer be­laden und langsam, mal leer und etwas schneller.» Die Zeit damals sei schwierig gewesen und er nicht der einfachste ­Patient. «So wurden die Schiffe meine Freunde. Sie unterhielten mich.»

Keine Frage also, dass er die aussergewöhnliche Einladung ans Hafenfest annahm. Als Gastland präsentiert sich die Schweiz in Hamburg mit sicheren Werten wie Schoggi, Käse und der Patrouille Suisse. «Die Herzlichkeit der Menschen hier ist unglaublich», freut sich Leuenberger.

«2017 wird die Neat eingeweiht – bis dann bleibe ich sicher noch Verkehrsminister!»

Nichts sei zu spüren von der heraufbeschworenen Verstimmung wegen Steuerstreit und Bankgeheimnis. Trotzdem stichelt er: «In der Schweiz bauen wir Tunnels, in Hamburg gibts Brücken. Viele Brücken und einen Steinbrück!» Die Anspielung auf den forschen deutschen Finanzminister, der aus der Hansestadt stammt, bringt selbst die Einheimischen zum Lachen. Leuenberger strahlt in die Menge, wippt auf Fersen und Zehenspitzen hin und her.

Moritz Leuenberger kommt in Hamburg gut an. Also nutzt er die Gelegenheit und versucht den Deutschen die Neat näherzubringen: «2017 lade ich Sie alle zur Einweihung des längsten Tunnels der Welt ein – bis dann bleibe ich sicher noch Verkehrsminister!» Jetzt schaut er schelmisch in die Runde, der amtsälteste Bundesrat ist sich der Wirkung seiner Worte bewusst. Später, auf dem Rückflug in die Schweiz, meint er: «Ich liebe solche Sprüche. Und lache gern über mich selber.»


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