77 Bombay Street Die Brüder kehren zu ihren Wurzeln zurück

Kampf am Kühlschrank, Hai-Alarm, Geldbussen. Und trotzdem ist alles «cool und easy». 77 Bombay Street basteln in ihrer alten Heimat Australien an neuen Songs. Die «Schweizer Illustrierte» hat die vier Buchli-Brüder Down Under besucht.

Sie haben gut lachen! Zwei Monate lang sind 77 Bombay Street abgetaucht. In Down Under, am anderen Ende der Welt. Die vier Brüder nehmen ihr neues Album in der australischen Metropole Sydney auf. «Hier herrscht eine lockere Stimmung. Alles ist sehr cool: Land, Leute, Wetter», sagt Sänger Matt Buchli, 32. «Und der Bondi Beach ist wie eine Reality-Show», so Simri-Ramon, 25. Der Jüngste des Quartetts verbringt so viel Zeit wie möglich am oder auf dem Meer. Und das hat es in sich: Nicht selten müssen am weltberühmten Strand Leute wegen der starken Strömung aus dem Wasser gezogen werden, oder Haie tauchen plötzlich auf. «Ich surfe jeweils auf kleineren Wellen, die näher am Strand sind. So hat der Hai vor mir noch ein paar andere Surfer zur Auswahl.»

Den ersten Monat ihres Australien-Aufenthalts verbringen die Brüder jedoch vor allem im kalten klimatisierten Studio, anstatt bei 30 Grad am Sandstrand. Diszipliniert hat sich das Brüder-Quartett zuerst der Arbeit gewidmet, selbst sonntags. «Ich war in dieser Zeit nur zweimal am Strand. Mit dem öffentlichen Verkehr brauchte ich etwa 90 Minuten an den Beach, weil der Bus alle hundert Meter anhält», sagt Esra. 28. Damit sie möglichst nahe beim Tonstudio sind, mieteten sie sich für die ersten Wochen ein Haus ausserhalb von Sydney im Bezirk Annandale. Direkt in der Flugschneise, dafür nur eine Gehminute vom Studio entfernt.

Der Bondi Beach in Sydney ist wie eine Reality-Show


Neun Stunden täglich - von morgens um zehn bis abends um sieben - bastelten sie am neuen Album herum. Jeweils am späteren Mittag gings für ein schnelles Essen in den Imbiss Fat Fish um die Ecke. Im Studio funktionieren die vier wie ganz normale Arbeitskollegen. Nur in den Morgenstunden und am Feierabend sind sie dann wieder ganz Brüder - und auch Individualisten. Esra steht um 7.45 Uhr auf, macht auf dem nahe liegenden Spielplatz ein paar Klimmzüge und Push-ups und isst daheim «ein feines Birchermüesli». Matt joggt oder schwimmt. Joe wiederum hat erst um 9.30 Uhr Tagwache. Ihm reicht ein Red Bull, bevor es ins Studio geht.

Wie bereits in London, wo sie 2013 für ein paar Monate wieder zusammen unter einem Dach lebten, hat auch in Sydney wieder jeder sein eigenes Fach im Kühlschrank. Jeder kauft nur das ein, was er selber braucht. «Als ich krank war, fragte ich Matt ganz schüchtern: ‹Du, Mathias, darf ich ein bisschen Honig von dir haben?›» Esra und Matt lachen.

Die strikte Aufgabenteilung und Selbstverantwortung kann innerhalb einer Familie ungewohnt wirken, aber nur so funktioniert es mit der Harmonie. «Wir müssen sonst schon ständig das ganze Bandleben miteinander diskutieren. Da ist es einfacher, wenn wir privat selbstständig sind», sagt Esra.

So war es auch für alle in Ordnung, dass sich Simri-Ramon dazu entschied, den ersten Monat alleine am Meer zu wohnen. «Mir war wichtig, dass ich in Strandnähe bin. Wenn ich schon mal den Ozean vor der Tür habe, dann will ich ihn auch geniessen.» Anstatt minutenschnell zu Fuss, ging es dafür jeden Tag fast eine halbe Stunde lang auf einer Yamaha 250 durch den australischen Linksverkehr. Seine «Lebensversicherung», den Töffhelm, hat Simri-Ramon extra aus der Schweiz mitgebracht. Daheim gelassen hatte er offenbar seine gute Schweizer Verkehrserziehung. Die australische Quittung dafür: sieben Verkehrsbussen!

Für die letzten paar Tage leben alle wieder gemeinsam unter einem Dach, nahe am Bondi Beach.

Die Foto-Aufnahmen für die «Schweizer Illustrierte» sind mittlerweile im Kasten, die Zeit für Sonnenstunden ist gekommen. Am Abend treffen sie sich zum Barbecue oder besuchen die umliegenden Pubs und Bars. «Hier am Bondi Beach kann Mann sogar in Badehosen in eine Bar gehen, in der Frauen schicke Cocktailkleider tragen und Make-up bis zum Haaransatz», sagt Esra. «Alles ganz easy.»

Über Ostern machten sie einen gemeinsamen Ausflug nach Adelaide, wo sie ihre alte Wohnadresse besuchten. Von 2001 bis 2003 lebten sie mit ihren Eltern und den anderen drei Geschwistern hier in der 77 Bombay Street. «Ich habe noch genau im Kopf, wie das Haus mit den roten Backsteinen damals aussah», sagt Matt. «Australien ist unsere zweite Heimat. Wir haben hier noch Freunde von früher und eine super Zeit», sagt Joe. «We’re winning.»

Doch irgendwann gehen auch zwei Monate vorüber. 77 Bombay Street tauchen bald wieder in der Schweiz auf - mit gebräunter Haut, fröhlicher Lockerheit und brandneuen Songs mit australischem Akzent.

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