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Gedanken zu Weihnachten

Abt Urban Federer: «Schenken wir uns Wertschätzung»

Wir sollten uns an Heiligabend nicht zu sehr unter Druck setzen, 
sagt Urban Federer. Der Abt des Klosters Einsiedeln SZ über 
das Geheimnis, wie Weihnachten seinen Zauber entfalten kann.

Urban Federer in der Klosterkirche Einsiedeln

Es werde Licht: Im «Oberen Chor» der 
Klosterkirche Einsiedeln SZ zündet Urban Federer, 50, 
die Kerzen 
des Adventskranzes an. 
«Es ist mein Lieblingsraum in der Kirche.»

Joseph Khakshouri

Der Zauber von Weihnachten zieht uns wieder in seinen Bann. Es ist unglaublich, was dieses Fest bewirken kann: Menschen, die sich das ganze Jahr 
über kaum sehen, feiern miteinander, Eltern haben Zeit für die Kinder, Jugendliche denken für ein paar Stunden nicht an den Ausgang, alle sind in festlicher Stimmung und wollen eine Harmonie leben, die wir im Alltag so kaum kennen.

Der Wunsch nach perfek
ten Weihnachten ist oft so gross, dass es bis zur Schmerzgrenze geht. Denn Weihnachten kann nicht alles zudecken, auch nicht die Spannungen in der Familie. Welch Kraftaufwand an Heiligabend! So zu tun, als sei alles in bester Ordnung.

Maria und Josef standen vor einem Scherbenhaufen

Dabei war für Maria und Josef Weihnachten alles andere als einfach. Die junge Familie stand persönlich vor einem Scherbenhaufen: Maria, fast noch ein Mädchen, war schwanger – und ihr Mann Josef war nicht der Vater. Das war damals für eine Frau die grösstmögliche Schande.

Weihnachten fordert von uns keinen sinnlosen Kraftakt, denn Jesus wurde in eine schwierige Situation hineingeboren. In seinem Leben folgte die Flucht nach Ägypten, am Ende gar das Kreuz. Aber nicht einmal dieser gewalttätige Tod hat das Werben Gottes um uns Menschen zum Schweigen gebracht. 

Staunen über den Frieden

Engel und Hirten stehen an Weihnachten vor der Krippe zusammen und staunen über den Frieden, der hier herrscht. Und 
an Ostern stehen Menschen wie Maria Magdalena und die Apostel auf und sagen uns: Jesus ist 
der Herr, er lebt – durch alle 
Katastrophen hindurch.

Joseph Khakshouri

«Helfen wir einander!» 
Der Abt im Hauptschiff «seiner» 
Klosterkirche.

Ich wünsche uns allen diese christliche Hoffnung, besonders für Menschen, die keine Hoffnung mehr haben, kein Zuhause, die vor einem Scherbenhaufen stehen. Weihnachten bewegt uns zusammenzustehen. Gerade weil Weihnachten diese Kraft hat, können wir dieses Fest nie für uns 
allein feiern. Teilen wir die Botschaft dieses Kindes, einander anzunehmen und zu helfen. 

Die Kraft des Weihnachtsfests

So oder so braucht Weihnachten uns Menschen: Durch uns sollen scheinbar aussichtslose Probleme angegangen werden. Wir können einander menschliche Nähe schenken. Sie ist der Grund, auf dem wir Bereitschaft zu Frieden und Versöhnung anbieten dürfen. Gerade darum ist es unglaublich, was Weihnachten immer wieder bewirken kann.

Schenken wir uns an diesem Fest gegenseitig, was in unserem Zusammenleben viel zu oft fehlt: Zeichen der Wertschätzung, Geschenke, die sagen, «du bedeutest mir etwas». Und lassen wir auch Menschen daran teilhaben, die auf der Schattenseite des Lebens stehen. Wenn wir diese Botschaft zulassen, kann Weihnachten seinen Zauber entfalten.

Von Urban Federer am 25.12.2018