Al Imfeld Er beriet «Playboy»-Hefner und Martin Luther King

Der Luzerner Al Imfeld war Pfarrer, Kriegsreporter, Berater von Martin Luther King und Hugh Hefner und kennt Afrika wie kein Zweiter.
Al Imfeld Afrika-Experte in Zürich
© Marcel Nöcker

Al Imfeld lebt in Zürich, sein Wohnzimmer ist stets offen für Gäste.

«Kommen Sie nur rein, hier ist alles offen, afrikanisch halt», begrüsst Al Imfeld. Es riecht nach Poulet. Aus der Küche der Altbauwohnung nahe des Zürcher Hauptbahnhofs klappert es, Frauen lachen, eine huscht aus der Tür, eine andere kommt herein. «Ah, hoi, Rosmarie! Machsch en Kafi?» Rosmarie, seine Nachbarin, macht, und Imfeld bittet in die Stube. «Nehmen Sie Platz, hier sass schon Robert Mugabe.» Beim 79-Jährigen gehen seit Jahrzehnten Leute ein und aus: sei es der heutige Diktator Simbabwes, der nigerianische Literatur-Nobelpreisträger Wole Soyinka oder die Prostituierte aus dem Kreis 4. Manchmal sei es fast zu viel.

Seit 30 Jahren arbeitet Imfeld schliesslich an einer «gigantischen Anthologie afrikanischer Gedichte». Erst kürzlich hat er einen Verleger gefunden. Wohl auch dank dem ProLitteris-Preis, der ihm am Sonntag für sein herausragendes berufliches Gesamtwerk verliehen wurde. Herausragend. Das ist auch der Mann, der mittlerweile «humplig» geworden ist. Vier Studienabschlüsse kann Imfeld vorweisen, er ist sowohl katholischer als auch reformierter Pfarrer, war Kriegskorrespondent der «Washington Post» und beriet Hugh Hefner in ethischen Fragen zum «Playboy». Und er gilt als einer der besten Afrika-Kenner überhaupt. «Schreiben Sie unbedingt, dass ich ein Hinterländer bin», sagt er. Gleich nachdem er einige seiner Geschichten erzählt hat. Von afrikanischen Bischöfen, die Kinder zeugten, von Tansaniern, die ihn mir nichts, dir nichts des Landes verwiesen, von Sex und Bschiss und Geld.

Da, wo er herkomme, habe man gelernt zu bestehen. Da, am Napf, wo seine Jugend durch Armut geprägt war. Da, wo Al noch Alois hiess und als ältestes von 13 Kindern den einzig möglichen Weg – ein Theologiestudium – einschlug. Da mache man aus allem etwas. Aber in diesem Afrika, da funktioniere das bis heute nicht. Vielleicht lebt er deshalb heute in der Schweiz: «Ich musste immer wieder zurückkommen und Distanz gewinnen. Wäre ich in Afrika geblieben, wäre ich wahrscheinlich Rassist geworden.» Ausgerechnet er, der in den 60er-Jahren Martin Luther King in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung beriet. Er, der nach einem Jahr ohne Afrikareise nur eins vermisst: Afrika. Die grosse Liebe, deren zwischenmenschliche Form er nur aus Büchern kennt.

Keine Anekdote, die er nicht erzählen könnte, als wäre sie gestern erst passiert. Wie die vom Amulett, das ihm vom Hals baumelt: «Das tragen die Bauern in Mali zum Schutz vor Insekten. Es zeigt den Anfang vom Koran und kleine Zeichnungen von Käfern.» Ein wunderbares Beispiel des doppeldeutigen Lebens sei das. Der Bauer ist zwar islamisch, aber ganz ohne anderen Glauben geht es dann doch nicht. Auch nicht für Imfeld. An Gott glaubt er schon lange nicht mehr: «Keine Religion ist nachvollziehbar, aber ich lasse den Leuten ihren Glauben an einen Gott.» Man müsse einfach über seinen eigenen «choge Horizont» hinauskommen. Al Imfeld ist das gelungen, heute ist er «viel miteinander gemischt und kombiniert und alternierend zusammen». Und ein bisschen müde ist er auch. Man könne nicht immer nur wollen. Irgendwann ist genug. Die Gedichte sollen zu seinem 80. Geburtstag nächsten Januar fertig sein. Danach wäre eigentlich Zeit für einen Besuch bei seinem Ex-Schüler, dem Weltbank-Direktor Gregor Binkert, in Kamerun. «Vielleicht ein letztes Mal. Oder noch einmal in die Slums von Kenia?»

Al Imfeld Afrika-Experte in Zürich
© Marcel Nöcker

Ein Hoch aufs Archiv: «Im Internet findet man nie, was man sucht.»

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