1.-August-Wanderung mit dem Bundespräsidenten Alain Berset: «Vive le Fribourg, vive la Suisse!»

Wandern mit dem Bundespräsidenten! Zum 1. August laden Alain Berset und seine Frau Muriel über 200 Leserinnen und Leser der Schweizer Illustrierten und L’illustré in ihre Heimat. Ihre Erkenntnis: «Den Röstigraben gibt es nicht.» 

Diese 1.-August-Wanderung ist für Bundespräsident Alain Berset, 46, eine Herzensangelegenheit. «Am Schwarzsee hatten wir früher unser Schullager. Und als fünfjähriger Bub hab ich hier Skifahren gelernt!»

Heute zeigt der Freiburger aus Belfaux den Leserinnen und Lesern der Schweizer Illustrierten eine der schönsten Ecken seines Heimatkantons: den Bergsee Lac Noir (Schwarzsee), der sich idyllisch in die Freiburger Voralpen im Senseland einbettet. «Quelle coulisse – was für eine Kulisse!», ruft Berset, als er am Morgen zusammen mit seiner Frau Muriel und ihren drei Kindern an der Talstation des Sessellifts über den in der Sonne schimmernden See blickt.

«Unser Fussbad müssen wir uns erst noch verdienen!»

Der Sage nach wusch sich der Riese Gargantua im See die schmutzigen Füsse – deshalb die schwarze Farbe. «Unser Fussbad müssen wir uns erst noch verdienen!», sagt Berset und setzt sich ins Sesselbähnli. 

Die Leserinnen und Leser sind voller Vorfreude

Auf der Bergstation Riggisalp warten über 200 Leserinnen und Leser aus der Deutsch- und Westschweiz gespannt auf den Bundespräsidenten. «Schon nicht alltäglich, dass man einen Bundesrat trifft», sagt eine Dame aus Dietlikon ZH. «Endlich kann ich ihm dann sagen, dass die Krankenkassen zu teuer sind», witzelt ihre Kollegin.

Dann trifft Berset ein, mit elegantem Strohhut, seine Frau Muriel im modischen Wanderrock. «Ich geniesse es, zusammen mit Alain und der ganzen Familie etwas zu unternehmen», sagt sie. Auch wenn sie heute nicht ganz so viel von ihrem Mann hat – denn der wird, kaum auf der Alp angekommen, in Beschlag genommen. 

Hier ein Selfie, da ein herzlicher Händedruck. «Für mich ist Berset ein richtiger Staatsmann», sagt Kuno von Wartburg, 69, aus Oberbuchsiten SO. Sein Innendepartement sei weiss Gott kein einfaches. «Da kann man es ja niemandem recht machen.» Was er an Berset ebenfalls schätze, sei die Nähe zum Volk. «Er hat keine Berührungsängste.» 

Berset gibt sich volksnah 

Nach einer kurzen Begrüssung von Matthias Jungo, Direktor der Kaisereggbahnen, und seinem Tipp, ja genügend Sonnencrème einzuschmieren, macht sich die Wandertruppe auf den Weg. Ruben, 9, ist mit seinen Eltern und seinem jüngeren Bruder aus Degersheim SG angereist. Er möchte vom Bundespräsidenten wissen, ob er am WM-Fussballmatch Schweiz - Brasilien, den Berset in Russland besuchte, dem brasilianischen Starspieler Neymar die Hand schütteln konnte. «Nein, aber ich habe den Schweizer Spielern Glück gewünscht. Das 1  :  1 war dann doch super!», sagt Berset. Ruben nickt. «Spielen Sie denn Fussball?» – «Nein, aber mein Sohn!»

Bis auf eine Wanderin schaffen es alle leicht verschwitzt zum Brunch auf die Alp Oberer Euschels. Der Dame ist die Sohle ihres Wanderschuhs abgefallen. «C’est trop chaud – es ist zu heiss», tröstet Berset die Westschweizerin. Für die anderen gibts bei der Familie Buchs Rösti, Spiegelei, Vacherin-Käse und Freiburger Geissenwurst – offeriert vom Schweizer Bauernverband.

Alain Berset 1. August 2018 SI-Wanderung
© Nicolas Righetti
Der Brunch der Familie Buchs, offeriert vom Schweizer Bauernverband, macht gluschtig und stärkt die Wandergruppe.

Das Sackmesser ist Bersets ständiger Begleiter

Muriel Zeender Berset stellt sich für das Buffet mit den Kindern genauso in die Schlange wie alle anderen Wanderer. Ihr Mann öffnet derweil Bauernverbandsdirektor Jacques Bourgeois ein Bier mit seinem Sackmesser. «Das habe ich immer dabei», sagt Berset und zeigt stolz das Geschenk der jurassischen Firma Swiza, sein Name ist auf der Klinge eingraviert.

«Wir leben in einem friedlichen Land, das ist nicht selbstverständlich», sagt Berset in seiner 1.-August-Rede vor der SI-Wandergemeinde. Und betont, dass die Gründe dafür in der Geschichte liegen: «Nach dem Bürgerkrieg von 1848 ist etwas sehr Schweizerisches passiert: Die Gewinner haben die Verlierer nicht einfach überfahren, sondern sie integriert.» Diese Kompromissbereitschaft und die Fähigkeit, zusammen etwas auf die Beine zu stellen, mache den Erfolg der Schweiz aus. 

Der Bundespräsident ist zu Scherzen aufgelegt

«Vive le Fribourg, vive la Suisse», ruft Berset, die Menge applaudiert. Dann bedankt er sich bei den Lesern für die Geschenke unterwegs – eine Flasche Wein, Pflümli und Appenzeller – und scherzt. «Ich weiss ja nicht, wie ich das interpretieren soll – nächstes Mal bitte noch eine Flasche Wasser.»

Eine ETH-Studentin findet ihn «Très sympa!»

Gestärkt gehen die Wanderer weiter durch den Breccaschlund. Das in der letzten Eiszeit von Gletschern geformte Tal ist wild und lieblich zugleich. «J’aime la Suisse – ich liebe die Schweiz», sagt Sara, 30. Die Kanadierin aus Montreal lebt seit zwei Jahren in Lausanne, wo sie an der ETH studiert. Begeistert ist sie auch vom Schweizer Bundespräsidenten. «Très sympa!» Der kanadische Premierminister Justin Trudeau sei zwar auch volksnah, eine gemeinsame Wanderung sei mit ihm wohl kaum möglich. 

Beim Zvieri – Seisler Brezeln, Käse und Chriesi – auf der Alp Marbach gibts für Berset ein überraschendes Wiedersehen. Mit der Pächterin, Marie-Madeleine «Mado» Kilchenmann, hat er schon als Fünfjähriger zusammen Leichtathletik trainiert. «Ich habe Mado seit einer Ewigkeit nicht mehr gesehen.» 

Kurz bevor die Wandergruppe den Abstieg zum Schwarzsee in Angriff nimmt, stimmt der Alphornchor noch die «ranz de vaches» – die Hymne der Welschen – an. Der Bundespräsident singt laut mit.

Alain Berset 1. August 2018 SI-Wanderung
© Kurt Reichenbach
Tradition: «Meine Heimat bedeutet mir schon extrem viel», sagt Berset und macht sich ein Souvenir der Alphornbläser.

«Den Röstigraben gibt es nicht!»

Angesprochen auf den Röstigraben, die deutsch-französischen Sprachgrenze, die unweit des Schwarzsees liegt, sagt Berset: «Den Röstigraben gibt es nicht!» Das habe er gerade auch an der gut sechsstündigen Wanderung heute erlebt. «Die Leute haben – obwohl sie sich nicht kannten, alle miteinander gesprochen.» Etwas Gemeinsames zu erreichen, verbinde ungemein – und spiegle die Geschichte der Schweiz. 

Bevor die Gruppe im Strandbad Gypsera ankommt, streichelt Berset noch kurz eine Freiburger Kuh. «Meine Heimat bedeutet mir schon extrem viel.» Deshalb feiert er auch am Abend noch in seiner Heimatgemeinde Belfaux den 1. August. 

Dann endlich das verdiente Fussbad im Schwarzsee! Berset krempelt seine Wanderhosen hoch und läuft ins dunkle Wasser. «Schön zu sehen, dass unser Bundespräsident so am Boden geblieben ist», sagt Hanni Etterlin aus Merenschwand AG.

Bevor es für die Leserinnen und Leser in den Twerenbold-Cars nach Hause geht, kommt Berset nochmals kurz in den Bus gestiegen. «Gute Heimreise, adieu!»

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