Die Rothenbühler Kolumne «So lassen sich seit fünfzig Jahren Oberlehrer fotografieren»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem Kulturminister Alain Berset.
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© Stephane Schmutz / Bundeskanzlei / Keystone

Auf den ersten Bllick äusserst seltsam: Das neue Bundesratsbild in der Kritik. 

Lieber Alain Berset

So kommts heraus, wenn der Kulturminister selber Bildregisseur spielt. Er packt zu viel aufs Mal aufs Bild. Das neue Gruppenbild, das Sie bei zwei Freiburger Künstlern bestellt haben, ist auf den ersten Blick äusserst seltsam, weil da einfach acht Leute beziehungslos in einer Reihe stehen, mit Abstand, wie im Schiessstand. 

Man merkt aber gleich, dass es eher um den Hintergrund geht: ein beiges (schreckliche Farbe!) Wimmelbild, das Schweizer Klischees im Comic-Stil anhäuft. Eigentlich ein No-Go, dieser Hintergrund, der dem Vordergrund die Show stiehlt. 

Doch der magistrale Gag an der Sache besteht ja darin, dass der Hintergrund animiert ist und sich digital bewegt. Wow! So modern ist Bern, auf allen Kanälen präsent! Da spielt es doch gar keine Rolle, dass die Minister vor allem eins signalisieren: Individualismus. Jeder steht für sich. Aber alle lächeln ins Objektiv, was wohl Optimismus verbreiten soll.

So lassen sich seit fünfzig 

Jahren 

Oberlehrer 

fotografieren

Nur der Bundeskanzler macht ein ernstes Gesicht und hat eine rote Krawatte angezogen. Warum tanzt ausgerechnet der Unwichtigste aus der Reihe? Die Männer haben ein Problem mit ihren Händen. Zwei stecken eine Hand in die Tasche, einer verschränkt die Arme, einer reibt sich die Hände. Und Sie machen die Geste, die intellektuell machen soll: mit der Hand ans Kinn greifen. So lassen sich seit fünfzig Jahren auch Oberlehrer und Garagisten abbilden. 

Sie sehen, der wichtigste Zweck des Bildes ist erfüllt: Es wird diskutiert und kritisiert. Aber: Eigentlich müsste der Kulturminister für eine solche Aufgabe die besten Fotografen des Landes anstellen. Und nicht Bastler.

Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler

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