Berner Ex-Stapi ist tot: Sein bewegtes Leben, die schönsten Bilder Alexander Tschäppät hat seinen Kampf gegen den Krebs verloren

Er nahm kein Blatt vor den Mund, trat dadurch in so manches Fettnäpfchen und liebte seine Heimatstadt mit Haut und Haaren: Nun ist der ehemalige Berner Stadtpräsident Alexander Tschäppät gestorben. Er wurde 66 Jahre alt.

Alexander Tschäppät ist tot. Der Berner hat den Kampf gegen den Krebs - seine Leber war befallen - verloren und ist am Freitag im Alter von 66 Jahren verstorben. Der ehemalige Berner Stadtpräsident hinterlässt zwei erwachsene Kinder aus erster Ehe und seine Partnerin, die acht Jahre ältere Dogdancerin Christine Szakacs.

Tschäppät gehörte zu Bern wie kein anderer. Er liebte, prägte und verehrte seine Heimatstadt. Er war redselig - für den einen oder anderen zu redselig -, er war eloquent und hat, wie er offen gestand, «Fehler gemacht». «Ich gebe zu, ich bin kein Kind von Traurigkeit», so Tschäppät einmal im Gespräch mit «Die Zeit». Bei seinem Abschied vom Stapi-Amt kommentierte Bundesrätin Simonetta Sommaruga, dass es mit ihm «nie langweilig» gewesen sei. Man habe nie gewusst, was nun aus dem Mund des Stapis kommen werde. Was es auch war, Tschäppät habe immer seine eigene Meinung gehabt, so Sommaruga.

«Christoph Blocher Motherfucker»

Tschäppät, am 16. April 1952 in Bern geboren, wurde die Politik sozusagen in die Wiege gelegt. Schon sein Vater Reynold war Politiker, beide studierten Jus und wurden zunächst Fürsprecher. Alexander Tschäppät war 14 Jahre alt, als sein Vater zum Stadtpräsidenten gewählt wurde. Bis zu seinem Tod 1979 hielt Reynold Tschäppät das Amt inne. 2005 war es Sohn Alexander, der in die Fussstapfen seines Vaters trat. Ein Posten, den er liebte, mit dem er sich aber nicht nur Freunde machte - egal ob in den eigenen Reihen seiner Partei, den Sozialdemokraten, oder im rechten Lager. 

In Erinnerung wird bleiben, als Tschäppät nach einem Sieg der Berner Young Boys gegen den FC Zürich in einem Lokal zum Mikrofon griff und mit der Band Mani Porno «Sämi Schmid Motherfucker» und «Christoph Blocher Motherfucker» sang. Als Erklärung sagte er damals zu «20 Minuten»: «Ich war euphorisch, das war nicht böse gemeint. Es war so ein schwerer Match gegen Zürich, als wir gewonnen haben, sind mir kurz die Sicherungen durchgebrannt.» Einen Tag später folgte die Entschuldigung bei den Beteiligten. Das war 2010.

2013 der nächste Ausrutscher. Auch dieses Mal war es nicht böse gemeint.  Er wollte nur witzig sein, als er sich bei einem Auftritt in «Das Zelt» über Italiener lustig machte. 

Seine zwei Schenkelklopfer «Wissen Sie, warum die Italiener so klein sind? Weil ihnen ihre Mütter sagen: Wenn du mal gross bist, musst du arbeiten gehen.» und «Könnt ihr euch das vorstellen? Ein Süditaliener, der zu viel arbeitet?» brachten Tschäppät eine Klage ein. Der Basler Anwalt Carlo Alberto Di Bisceglia sah den Straftatbestand der Rassendiskriminierung als erfüllt. Jurist Tschäppät sah das anders. Er sei alles andere als ein Rassist, habe er sich doch als Politiker immer auch für eine Antirassismusgesetzgebung eingesetzt. Die Regionale Staatsanwaltschaft sowie das Berner Obergericht sahen den Bestand der Ehrverletzung allerdings nicht als erfüllt. Die Sache war vom Tisch.

Die Fehler, die er begangen habe, hätten ihn authentisch gemacht, sagte Tschäppät 2016 zu «Die Zeit». «Und wissen Sie was? Der Bürger verzeiht Fehler. Je länger meine angebliche Sündenliste wurde, desto besser waren meine Wahlergebnisse.» Vor zwei Jahren schliesslich gab er sein Stapi-Amt auf. Ganz verabschiedete er sich zwar nicht von der politischen Bühne - er blieb Nationalrat -, dennoch wurde es ruhiger um ihn. Nun ist er für immer verstummt.

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