«Quadroni wurde zum Opfer» Alt Bundesgerichtspräsident Giusep Nay zu Quadroni

Adam Quadroni stieg aus dem Bündner Baukartell aus und liess den Bauskandal auffliegen. Danach verlor er selbst seine Firma - und seine Familie. Die grosse Ungerechtigkeit lässt auch alt Bundesrichter Giusep Nay im Interview mit der «Schweizer Illustrierten» nicht kalt.
Giusep Nay Alt Bundesgerichtspräsident
© Keystone

Alt Bundesgerichtspräsident Giusep Nay, 75, tritt für Adam Quadroni aus dem Ruhestand.

Herr Nay, waren Sie überrascht, als Sie vom Bündner Baukartell erfuhren?
Niemand, der richtig hinschauen wollte, konnte überrascht sein. Mindestens seit 2012 war allgemein bekannt, dass die Wettbewerbskommission (Weko) gegen Baufirmen, insbesondere im Unterengadin, eine Untersuchung wegen unzulässiger Preisabsprachen führte.

Adam Quadroni hat den Skandal auffliegen lassen. Was halten Sie von ihm?
Nur dank ihm konnte das gesetzwidrige Verhalten einer Gruppe von Baumeistern aufgedeckt werden. Quadroni informierte bereits 2009 nicht irgendwelche Dritte oder die Medien, sondern das kantonale Tiefbauamt. Weil der Kanton Graubünden der hauptsächlich betroffene und voraussichtlich wegen zu hoch bezahlter Preise erheblich geschädigte Bauherr ist. Leider geschah das vergeblich, obwohl Quadroni dort die notwendigen Beweise vorgelegt hatte, die dann ein Dritter der Weko unterbreitete.

Quadroni stieg 2006 aus dem Kartell aus, danach schwärzten ihn ehemalige Kollegen an. Er verlor seine Firma, seine Familie.
Er erlitt ein Schicksal, das viele Whistleblower ereilt, ihn aber ganz hart traf. Er wurde das Opfer einer verschworenen Gemeinschaft von Baumeistern, die sich – gewiss aus einer nicht leichten wirtschaftlichen Lage heraus – so zu einem gesetzwidrigen Vorgehen hinreissen liess, bis es kein Zurück mehr gab. Alle schlossen sich dann bewusst oder unbewusst gegen Quadroni zusammen und stempelten ihn zum Schuldigen. Diese grosse Ungerechtigkeit macht mich und viele andere äusserst betroffen. Das lässt mich aus der sonst als alt Bundesrichter gebotenen Reserve ausnahmsweise heraustreten.

Adam Quadroni Whistleblower
© Pascal Mora

Whistleblower: Adam Quadroni aus Ramosch GR hat alles verloren, gibt aber nicht auf. Er lebt isoliert - und erlebte Unfassbares.

Im Juni 2017 wurde Quadroni auf Veranlassung seiner Ehefrau von vermummten Polizisten überfallartig festgenommen.
Seine Ehefrau fand ein Umfeld vor, das es ihr leicht machte, Polizei und Behörden für ihre Zwecke zu instrumentalisieren. Dass der örtliche Polizeichef wie auch der Amtsarzt jedoch nicht rasch erkannten, dass es sich bei Quadroni – den sie persönlich kannten – in keiner Weise um eine gefährliche Person handle, ist unhaltbar.

Der Geschäftsführer des Baumeisterverbandes ist als Regierungskandidat zurückgetreten. Muss der kantonale Polizeichef Walter Schlegel das auch?
Das ist eine Frage der Politik. Um eine lückenlose Aufklärung des Baukartellskandals vorzunehmen, wäre ein Vertreter der Baumeister in der Regierung rechtlich ebenso wenig tragbar gewesen, wie es der Polizeikommandant in Bezug auf den Polizeieinsatz sein kann, soll diese unabhängig und unbefangen erfolgen.

Quadroni war selber Teil des Kartells. Droht ihm nun eine Strafe?
Nein, gegen ihn eröffnete die Weko nie eine Untersuchung, und es bestand auch kein Anlass dazu, da er früh selber ausgestiegen war.

Die ganze Geschichte zu Adam Quadroni lesen Sie hier.

Auch interessant