Er hatte zwei Audienzen beim Monarchen Joseph Deiss erweist Thailands König die letzte Ehre

Morgen Donnerstag werden in Bangkok die Überreste von Bhumibol Adulyadej verbrannt. Der thailändische König verstarb vor einem Jahr im Alter von 88 Jahren. Alt Bundesrat Joseph Deiss vertritt die Schweiz offiziell an den Feierlichkeiten. Er traf den König zweimal in seiner Bundesrats-Karriere. «Er war ein zuvorkommender Mensch, sehr aufmerksam und ruhig», erinnert sich Deiss im Gespräch mi SI online.
Joseph Deiss in Thailand 2004
© Marcel Nöcker

Das Ehepaar Deiss 2004 an einer Audienz bei Thailands verstorbenem König Bhumibol (r.). Links der damalige Premierminister Shinawatra Thaksin.

Thailand steht kurz vor der grössten und teuersten Veranstaltung, die das Land je gesehen hat. Am 13. Oktober 2016 ist Staatsoberhaupt König Bhumibol verstorben. Nach einer einjährigen Trauerzeit beginnen heute Mittwoch fünftägige Feierlichkeiten, um dem vergötterten König die letzte Ehre zu erweisen. Eine Viertelmillion Menschen sollen kommen, rund 90 Millionen Franken soll das Ganze kosten. So die Schätzungen der «Japan Times».

Auf der offiziellen Gästeliste stehen viele Royals aus Europa. So nehmen laut dem thailändischen News-Portal prachachat.net Königin Silvia von Schweden, 73, Königin Maxima von Holland, 46, Königin Mathilde von Belgien, 44, Königin Sophia von Spanien, 78, Kronprinz Frederik von Dänemark, 49, und Kronprinz Haakon von Norwegen, 44, teil.

Deiss traf den König 2000 und 2004

Es folgen Präsidenten, Premierminister und siehe da: Alt Bundesrat Joseph Deiss. Der heute 71-Jährige amtete von 1999 bis 2006 in der Landesregierung. Dass der Bundesrat ihn als offiziellen Vertreter schickt, statt selbst ein Mitglied zu senden, sei keinesfalls ein Zeichen des Desinteresses, so Deiss zu SI online. Im Gegenteil: «Das beweist die engen Beziehungen, die wir mit Thailand haben.» Denn immerhin dürfte der Schweizer Botschafter in Thailand den ganzen Bundesrat an solchen Veranstaltungen offiziell vertreten.

Dass die Wahl auf Deiss fiel, ist kein Zufall. Der ehemalige CVP-Politiker hat König Bhumibol während seiner Amtszeit zweimal getroffen. Einmal im Jahr 2000, als der CVPler dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten vorstand. «Als Aussenminister eine Audienz beim König zu erhalten, war eine grosse Ehre. Üblicherweise trifft er sich nur mit hierarchisch ebenbürtigen Personen. Nur weil ich aus der Schweiz war, empfing er mich trotzdem», so der Freiburger aus Barberêche.

2004 erhielt Deiss seine zweite Audienz. Damals war er Bundespräsident. Die «Schweizer Illustrierte» begleitete den Schweizer Politiker zusammen mit seiner Gattin Elisabeth, 67, auf der Thailand-Reise. Die Gespräche mit König Bhumibol seien immer sehr interessant und lustig gewesen, erinnert sich Deiss. «Er wusste viele Anekdoten aus seiner Jugendzeit in der Schweiz zu erzählen.» Bhumibol Adulyadej, von den Thailändern König Rama IX. genannt, lebte zwischen 1933 und 1951 in Lausanne.

Joseph Deiss in Thailand 2004
© Marcel Nöcker

Während des Besuchs in Thailand 2004 hatte das Ehepaar Deiss auch Zeit für entspannte Momente. Hier auf einer Fahrt im «Langschwanzboot» auf dem Fluss Menam Chao Phraya.

«Der König wollte immer französisch sprechen»

«Bei beiden Treffen fragte ich den König jeweils, in welcher Sprache er sich unterhalten möchte», erzählt Deiss weiter. «Er wählte immer Französisch. Dass ihn seine Entourage teilweise nicht verstand, war ihm dabei egal. Er liebte die Sprache.» Die Erinnerungen des Alt Bundesrates an Bhumibol sind durchwegs positiv. «Der König war mir gegenüber immer sehr bedacht. Er war ein zuvorkommender Mensch, sehr aufmerksam und ruhig.»

Auf die Einäscherung sei er sehr gespannt. Der ehemalige Politiker habe noch nie an einem vergleichbaren Anlass teilgenommen. Nach Bangkok fliegt Deiss dieses Mal alleine. Vor Ort wird er sich mit dem Schweizer Botschafter und mit ehemaligen Amtskollegen treffen.

Und da war doch noch diese Suppe!

Auf eine kleine Anekdote aus der damaligen Geschichte in der «Schweizer Illustrierten» angesprochen, muss Deiss lachen. Tom Yam Kung sei immer noch seine Lieblingssuppe. «Wenn die Garnelensuppe von Thais traditionell gekocht wird, ist sie so scharf, dass einem die Tränen kommen. Mal schauen, ob ich mir auf dieser Reise eine gönnen werde.»

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