«Das indiskrete Interview» mit Andreas C. Studer «Ich wäre gerne ein pralles Erdbeeri»

Als Fernsehkoch «Studi» hat Andreas C. Studer immer das richtige Rezept parat. Ausser bei Stinkfrüchten - die würde er am liebsten verbieten. Dafür mag er eine Kuh-Dame namens Furka, sein Alter Ego aus Legosteinen und Johanna Spyris Heidi. 
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© Frank Zauritz

Andreas C. Studer, besser bekannt als TV-Koch «Studi». Sein Markenzeichen: die rote Mütze. Privat mag der Berner Oberländer ausgedehnte Reisen und Kühe.

Schweizer Illustrierte: Andreas C. Studer, was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend ändern?
Andreas C. Studer: Ich fliege wahrscheinlich öfter als andere, aber dafür sitze ich täglich auf meinem Drahtesel, hatte noch nie einen Fahrausweis und bin SBB-Fan. Mein Einkauf ist regional und saisonal, da bin ich gerne ein Vorbild.

Welches Gemüse sollte verboten werden? Und was wären Sie für ein Gemüse oder was für eine Frucht?
Verbieten würde ich die Stinkfrucht. Die macht nämlich ihrem Name alle Ehre. Ich wäre gerne ein pralles Erdbeeri, das zu einer süffigen Erdbeer-Margarita verarbeitet wird!

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Vor fünf Jahren hätte ich gesagt um 50 Prozent - jetzt sind es null Prozent, ich bin ganz happy mit meiner Life-Work-Balance und kann auch sehr gut mal Nein sagen.

Wie hätte Ihr Vorname als Mädchen gelautet?
Ich wäre laut meinem Vater ein Theresli geworden!

Als Sie Kind waren: Was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
«Schling dein Essen nicht so runter!» Damals stand für mich der Genuss nicht so im Vordergrund, obwohl meine Mutter eine sensationelle Köchin war.

Wo am Körper tuts Ihnen weh?
Knock on wood - Holz aalange - alles bestens.

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Einen grossen Zen-Garten wie im japanischen Kioto, darin ein Chalet wie das von Liz Taylor in Gstaad.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie Ihren Teller nicht leer essen?
Nein! Warum sollte ich? Als Koch zeige ich damit auch, dass etwas vielleicht nicht nach meinem Gusto war oder ich einfach satt bin. Niemand sollte gezwungen werden, seinen Teller leer zu essen, das ist sehr veraltet.

Was für ein Hintergrundbild hat Ihr Handydisplay?
Eine Braunvieh-Dame namens Furka vor der Eigernordwand. Ein selbst gemachtes Foto aus meinem Kuh-Bildband «Meine Schweizer Kühe».

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Ist mir völlig wurscht, ich höre es ja nicht mehr.

Über welche Tat von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden?
Ob man noch lange davon sprechen wird, wage ich zu bezweifeln. Aber dass ich in der Schweiz und in Deutschland Menschen für das Kochen begeistern konnte, wird hoffentlich noch ein bisschen nachhallen.

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? Und die dümmste?
Die beste: mit 26 Jahren ein Jahr nach Mexiko zu gehen, dort zu arbeiten und so richtig über den Tellerrand zu schauen. Neue Sprache, Kultur, neue Menschen. Davon zehre ich heute noch. Dumme Ideen gab es viele, aber zum Glück keine saudummen.

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu designen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie erschaffen?
Den Fähigkeiten von James Bond, dem Look von James Franco und der Intelligenz von Terrence Tao - mit einem IQ von 230 der intelligenteste Mensch.

Welche Bücher haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
Als Bub habe ich «Heidis Lehr- und Wanderjahre» von Johanna Spyri gelesen und war fasziniert vom Selbstbewusstsein des kleinen Mädchens. Es zog in die weite Welt hinaus - gut, nicht ganz freiwillig -, hat Menschen unterstützt und nie den Bezug zur Heimat verloren. Ein echtes Vorbild.

Welche Pille sollte erfunden werden?
Die gegen Krebs.

Falls Ihr Leben verfilmt wird: Welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?
Ganz bescheiden: Josh Brolin. Den mag ich sehr.

Als Sie 16 Jahre alt waren: Wie sah da Ihr Zimmer aus?
Ein Stapel «Bravo»-Hefte, ein Mini-Fernseher und daneben ein riesiger, klobiger Betamax-Videorecorder. Als Kochstift musste ich bis spät arbeiten, wollte aber keine Filme verpassen. Da habe ich mir mit dem ersten Lohn so eine moderne Maschine gekauft. Heute habe ich eine Sammlung von über 30 (funktionierenden) Beta-Videogeräten und -kameras.

Was hatten Sie als Kind für einen Spitznamen?
Müdi - so nennt mich meine Familie noch heute. Okay, mein Bruder sagt Mude.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Ja, Urseli Schumacher.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Über einen Lego-Studi, den mir mein Exfreund aus Dänemark mitgebracht hat!

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