Arnold Gjergjaj träumt von Kampf gegen Klitschko Harter Schlag, weiches Herz

Ein Kampf vor 20'000 Zuschauern gegen den Ex-Weltmeister: Der Schweizer Boxer Arnold Gjergjaj steht vor seiner grössten Herausforderung. Nervös macht ihn das nicht. Er betet sogar für seinen Gegner.

Gemächlich schlendert Arnold Gjergjaj durch die blühenden Kirschbäume, Schritt für Schritt, Hand in Hand mit seiner Frau Marta. Das langsame Tempo schlägt Arnold Gjergjaj nicht an, weil er all seine Energie für sein Boxtraining aufspart. Er ist einfach ein ruhiger, gemütlicher Typ, zu dem auch seine leise Stimme und sein sanftes Lächeln gehören.

Den Schalter legt der 31-Jährige aus Pratteln BL nur im Ring um: 29 Kämpfe hat der Schwergewichts-Boxer hinter sich und sie alle gewonnen, davon 21 durch K. o. Nun wartet am 21. Mai in der O2-Arena in London mit dem britischen Ex-Weltmeister David Haye der bisher stärkste Gegner. «Wenn ich morgens aufwache, ist mein erster Gedanke: Wow, bald boxe ich in London», sagt Gjergjaj. «Aber ich habe auch jeden anderen Gegner bisher ernst genommen, egal mit welchem Leistungsausweis.»

Gjergjaj träumt von Kampf gegen Klitschko

Ruhiger als sonst sei er vor einem Kampf, sagt seine Frau Marta, 24. Obwohl Gjergjaj erst im Januar in Pratteln seinen Boxclub Arnold BoxFit eröffnet hat, in dem Marta für alles Administrative zuständig ist, richtet sich das Leben der beiden in diesen Wochen vollständig nach dem Kampf. «Ich bin die ganze Zeit zu Hause und für ihn da», sagt sie, die 2014 nach der Hochzeit aus Ungarn in die Schweiz zog. «Wir reden dann nie übers Boxen. Ich versuche für die freie Zeit neben dem Training etwas Schönes zu organisieren, sodass er abschalten kann.» Gjergjaj schätzt es, dass sein Umfeld ihm so viel abnimmt in dieser Zeit - und freut sich darauf, nach dem Kampf wieder etwas zurückgeben zu können.

Jedes Wochenende fahren die beiden Katholiken zum Wallfahrtsort Mariastein SO, um Ruhe zu finden und in der Gnadenkapelle zu beten. Auch für den Gegner. Denn anders als andere Boxer kann Gjergjaj mit provokativen Sprüchen unter der Gürtellinie dem Kontrahenten gegenüber nichts anfangen. «Ich wünsche niemandem etwas Schlechtes.» Im Gegenteil, seine Mitmenschen liegen ihm sehr am Herzen. Für sein Engagement in der Jugendsozialarbeit wurde er in seiner Gemeinde ausgezeichnet.

Siegt Gjergjaj - zurzeit in der inoffiziellen Weltrangliste die Nummer 23 - gegen Haye, kommt er seinem Traum einen Schritt näher: einem WM-Kampf, am besten gegen Wladimir Klitschko. Es wäre der Höhepunkt einer langen Reise, die mit Armdrücken und Ringen in der Kindheit im Kosovo begann. Die nach dem Krieg im Baselbiet weiterging, wo Gjergjaj mit seinem in den Schulferien verdienten Lohn heimlich seine ersten Boxstunden bezahlte. Und die nun mit dem grössten Boxkampf eines Schweizer Boxers seit «Fritzli» Chervet 1974 ein nächstes Kapitel erhält.

«Buhrufe» stören ihn nicht

Die Woche vor dem Fight verbringt Gjergjaj in London. Pressetermine, öffentliches Training, das Wiegen - eine Aufmerksamkeit und Inszenierung wie bei keinem seiner bisherigen Kämpfe. Auch Martas Familie ist aus Ungarn angereist. Nur sie selbst ist sich noch nicht sicher, ob sie diesen Samstag wirklich in die Arena reingehen und ihrem Mann beim Kämpfen zuschauen kann. Dass von den 20'000 Fans im boxverrückten England wohl nur rund 2000 für ihn jubeln werden, stört Gjergjaj nicht: «Buhrufe oder ein ‹Go on› motivieren mich gleichermassen. Und ich weiss, dass ein Teil meiner Familie dabei ist. Das macht mich stärker.»

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