Fashion Days Zurich Backstage: Das Warten auf den grossen Auftritt

Man sollte meinen, dass es vor einer Modenschau hektisch zu und her geht. Doch weit gefehlt: Die Models an den Mercedes-Benz Fashion Days in Zürich sind extrem entspannt. Zeit gibt es im Überfluss - jedenfalls bis kurz vor der Show. SI online hat hinter die Kulissen geschaut und Topmodels wie Anja Leuenberger, Rebecca Mir und Luisa Hartema beim süssen Nichtstun beobachtet.

Es ist ein langer Tag für Anja Leuenberger - und der besteht aus warten, warten und nochmals warten. Sie sitzt auf einem Stuhl und blättert in einer Zeitschrift. Doch das ist sich das Model von vielen anderen Shows gewohnt. Erst kürzlich lief Anja für Nina Ricci in Tokio, seit Mittwoch stehen die Mercedes-Benz Fashion Days auf ihrem Programm. Seit neun Uhr ist die 19-Jährige schon im Zürcher Schiffbau, absolviert die Probe auf dem Laufsteg, sitzt eine Stunde in der Maske und muss zur Anprobe. Davor, danach und dazwischen hat sie unheimlich viel Zeit: «Die vertreibe ich mir mit Lesen, Kaffeetrinken und Lernen. Ich bin nämlich an meinem Führerschein und muss Theorie büffeln», erzählt sie hinter der Bühne. «Die vier Tage sind gut fürs Konto, sofern man nicht anfängt, den Lohn auf die Präsenzzeit umzurechnen», lacht die Aargauerin.

Lejla Hodzic winkt ebenfalls ab, als es um das Thema Gage geht. Sie schiebt ihr Tablett in Richtung Essensausgabe und wirft einen Blick auf das Abendessen der Kantine im Schiffbau. «Reich werden kann man nicht, aber es ist ein Job mit grossem Spassfaktor. Fast schon so wie ein Klassentreffen», sagt das Topmodel aus dem Thurgau. Selbst mit ihren Kolleginnen aus Deutschland kommt sie gut aus. «Man nimmt sich gegenseitig wahr und ist lieb zueinander. Schliesslich wollen wir Schweizer uns ja nicht im schlechten Licht präsentieren», sagt sie. Im Gegensatz zu Anja ist ihr Tag nicht ganz so lang: «Ich wurde erst auf kurz vor Mittag herbestellt und konnte ausschlafen.» Wer denkt, dass sie am Eröffnungsabend die Nacht zum Tag gemacht hat, irrt: «Ich bin kurz nach der Show gegangen, schliesslich will ich nicht gleich am Anfang meine ganze Energie verpulvern», sagt sie pflichtbewusst. Sie würde eine lange Nacht bereuen und am Morgen danach hätte sie nur schlechte Laune, fügt sie an und wendet sich der wartenden Frau hinter der Theke zu. Es gibt Couscous, Fleischspiesse oder Tortellini. Man schaue schon darauf, was man isst und auch untereinander sei die Wahl der Mahlzeiten immer wieder ein Thema. «Viele meiner Kolleginnen verzichten auf Früchte, weil die angeblich Blähungen verursachen.» Doch sei es wichtig, vor einer Show zu essen. «Sonst hält man ja nicht durch. Ausserdem legt die Schweiz da im Vergleich zu anderen Ländern viel Wert drauf», sagt sie abschliessend.

Während sich Lejla für den zweiten Abend der Fashion Days stärkt, sitzt Rebecca Mir in der Maske. Gleich zwei Friseure machen sich an ihren langen Haaren zu schaffen. Jana Scheel, Eventmanagerin von Paul Mitchell erzählt, der Trend gehe in diesem Jahr zu schlichten Frisuren. «Simpel lautet die Devise. Die Designer legen Wert darauf, dass die Frisur wie selbstgemacht aussieht.» Das Haar sollte möglichst wenig Volumen haben und bloss nicht zu gestylt aussehen. «Doch genau dieser Look dauert», weiss die gelernte Friseurin.

Von Rebeccas Frisur ist noch nicht viel zu sehen. Während der Stylist ihr die Haare mit einem Spray bearbeitet und der Countdown zur Show läuft, ist die Zweiplatzierte von «Germany's next Topmodel» erstaunlich gelassen. «Je mehr Leute zuschauen, desto weniger nervös bin ich. Also genau umgekehrt wie das bei Anderen der Fall ist.» Vor Stürzen oder Pannen hat sie keine Angst: «Das ist doch Wurst. Wenn man hinfällt, steht man einfach wieder auf», sagt die 20-jährige Deutsche selbstbewusst. Bislang ist bei ihr immer alles rund gelaufen - mit einer Ausnahme: «An der Berlin Fashion Week ist mir mit jedem Schritt der knielange Rock hochgerutscht. In so einem Moment darf man sich einfach nichts anmerken lassen», lacht sie. Ausserdem könne so etwas immer passieren. Da hilft schlussendlich nur eines: Lächeln und sich bloss nicht ablenken lassen.

Luisa Hartema sitzt drei Stühle weiter. Als sie die Haare gemacht bekommt, wirkt sie zwar ruhig, innerlich jedoch sieht es in der «Germany's next Topmodel»-Gewinnerin anders aus: «Ich habe grosse Ansprüche an mich selbst und weiss, da draussen kennen mich viele Leute.» Daher mache sie der blosse Gedanke daran, auszurutschen oder hinzufallen, noch immer nervös. Doch die Stimmung der Fashion Days trägt an sich zur Gelassenheit bei. «Da die Show an einem einzigen Ort ist, ist das Gewusel auch nicht so gross.» Ausserdem sei in der Schweiz immer alles wahnsinnig gut organisiert. «Damit auch ja nichts schiefgeht», sagt Anja Leuenberger. «Mein Team und ich sind einfach eingespielt», fügt Jana Scheel hinzu. Doch passieren könne und tut auch immer was. «Bei der Opening Night klemmte bei einem Kleid der Reissverschluss. Drei Leute versuchten, ihn zu schliessen. Das war Stress pur und das Model kam ganz schön ins Schwitzen. Ihr Make-Up war anschliessend ruiniert. Und das so kurz vor der Show», erzählt sie. Genau für solch unvorhergesehenen Dinge brauche es die Pufferzeiten, die Models zu Magazinen, Laptop oder eben Lehrbuch greifen lassen.

 

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