Unterwegs im Elektro-Buggy Fabian Unteregger bastelt sich ein Auto

Kyburz eRod Fun: Man kann den Schweizer Elektro-Buggy fertig kaufen. Aber machts nicht viel mehr Spass, wenn man ihn wie Komiker Fabian Unteregger als Bausatz selbst zusammenbaut?
Fabian Unteregger
© Geri Born

Bausatz: Welch knifflige Arbeit für Komiker und Arzt Fabian Unteregger! Baue aus 500 Komponenten den Elektro-Buggy Kyburz eRod Fun zusammen.

Kyburz? Der Name dürfte vielen kein Begriff sein. Zu Unrecht: Die 1991 vom diplomierten Elektro-Ingenieur Martin Kyburz, 53, in Freienstein ZH gegründete Kyburz Switzerland AG mit ihren knapp 90 Mitarbeitern produziert die längst unser Strassenbild prägenden dreirädrigen Elektro-Zustellfahrzeuge DXP der Schweizer Post. Oder die ebenfalls beinahe überall anzutreffenden vierrädrigen Senioren-E-Mobile PLUS.

«Wir entwickeln Produkte, die auf die Menschen und die Umwelt einen positiven Einfluss haben», erklärt Martin Kyburz seine Philosophie. Dabei soll auch der Spass nicht zu kurz kommen. Deshalb bietet Kyburz seit kurzem den 120 km/h schnellen Fun-Buggy eRod an. Speziell an dem puristischen Elektro-Zweisitzer: Man kauft ihn entweder für 42 500 Franken als Fertigmodell, oder, dreitausend Franken günstiger, als Bausatz. Darin inbegriffen ist dafür ein einwöchiges Bauseminar, an dem der Kunde das Fahrzeug unter Anleitung des Kyburz-Produktionslinienleiters Andreas Schaffner, 44, selbst zusammenbaut.

Galerie: Fabian Unteregger baut den Elektro-Buggy

In knapp einer Woche ein eigenes und voll funktionstüchtiges E-Auto bauen? Diese Idee fasziniert Komödiant, Arzt und Flugzeug- und Helikopterfan Fabian Unteregger, 41. Und so stellt er sich kurz entschlossen der Herausforderung, den Kyburz eRod mit Chassis-Nummer 66 selbst zusammenzuschrauben. Gespannt warten wir in einer unscheinbaren Industriehalle in Embrach ZH, wohin Kyburz die Produktion seiner Fun-Buggies ausgelagert hat, auf unseren Schrauber. Etwas bange fragt sich Kursleiter Andreas Schaffner, was ihn wohl erwartet: «Das gibt doch keine Slapstick-Nummer?» Bereits bei der Begrüssung wird klar: Fabian Unteregger hat den Komödianten zu Hause gelassen und stellt sich seriös vorbereitet seiner Aufgabe.

Hobby des Chefs

Noch bevor ihm Schaffner die 40 Kapitel der Bauanleitung auf 184 A4-Seiten in die Hand drücken kann, feuert Unteregger seine Fragen ab: «Was für Akkus stecken im eRod?» Schaffners Antwort: «Lithium-Eisen-Phosphat-Batterien». «Warum?», folgt die nächste Frage wie aus der Pistole geschossen. «Weil es dieselben Batterien wie in unseren Post-Töffli sind und wir damit sehr gute Erfahrungen bezüglich Qualität und Robustheit gemacht haben», antwortet Schaffner prompt. «Habt ihr sämtliche Komponenten für den eRod wirklich selbst entwickelt?», bohrt Unteregger weiter. Nun holt Schaffner etwas aus und antwortet lächelnd: «Der e-Rod ist eigentlich das Hobby unseres Chefs. Schon seit 15 Jahren beschäftigt er sich mit der Idee. Zusammen mit Schweizer Design- und Automobilingenieur-Studenten machte er sich dann an die konkrete Ausarbeitung der Pläne. Eigentlich ist der eRod eine Bachelorarbeit – und Martin Kyburz ermöglichte es den Studenten, ihre Pläne in die Realität umzusetzen.»

«Interessant», kommentiert Unteregger beeindruckt. Bevor Schaffner fortfährt: «Natürlich haben wir nicht alles selbst entwickelt. Den Gitterrohrrahmen schon. Aber einige Komponenten stammen aus der Grossserie.» Die Radträger und Bremsen etwa vom Mazda MX-5 der ersten und zweiten Generation, das Bremspedal und der Bremsdruckzylinder von Wilwood und die Sitzschalen von OMP, verrät Schaffner. Doch Fabian Untereggers Wissensdurst ist noch nicht gestillt: «Wie viele Teilchen werde ich nun verbauen?» Lachend antwortet der Kyburz-Produktionslinienleiter: «Exakt 1166 Schrauben und Kleinteile und 395 Meter Kabel.» Erstmals ist Unteregger sprachlos: «Wow!»

Fabian Unteregger Elektro-Buggy
© Geri Born

Herausforderung Auto-Basteln

Endlich gehts an die Arbeit. Andreas Schaffner überreicht seinem Schrauber die Bauanleitung. Unteregger beginnt zu blättern und staunt erneut – über die Menge detaillierter Anweisungen. «Wahnsinn! Da steckt ja eine Menge Arbeit dahinter.» «Stimmt», bestätigt Schaffner trocken. «Wie viele eurer Kunden wollen denn ihren eRod selbst zusammenbauen?», fragt der wissbegierige Unteregger weiter. «Wir haben bislang 65 Autos verkauft. Du baust nun den 66sten. Und 46 eRod-Käufer haben ihn auch hier selbst zusammengeschraubt.» Fabian kanns kaum glauben. «Wirklich? Und das haben auch alle geschafft?» Schaffner gibt lächelnd zu, dass seine Kunden-Schrauber über ganz unterschiedliche Fähigkeiten verfügten. So konnte es einem Vater mit seinen beiden Söhnen, die zu Hause hobbymässig an Töffli herumbasteln, nicht schnell genug gehen. «Ich musste sie in ihrem Eifer öfters einbremsen und auf mehr Sorgfalt hinweisen», sagt der gelernte Töffmechaniker und technische Kaufmann Schaffner. «Ein Anwalt gab dagegen zu, dass er nie zuvor einen Schraubenzieher in der Hand hatte. Dem habe ich dann halt etwas mehr geholfen – so wurden wir trotzdem in einer Woche fertig.»

Unteregger, der mittlerweile den ersten Querlenker an den Gitterrohrrahmen schraubt und sich dabei ganz geschickt anstellt, meint: «Gut, gibts neben den 184 Seiten noch dich und deine zwei helfenden Hände. Kannst du mir hier bitte mal kurz halten?»

Fabian Unteregger kommt flott voran. Man merkt, dass der Komödiant, studierte Lebensmittelwissenschaftler und Arzt eine schnelle Auffassungsgabe und definitiv keine zwei linken Hände hat. «Ich habe früher zwar nie an Mopeds herumgeschraubt. Ich war eher der ‹Lego-Bueb› – und daher auch gewohnt, mit Bauanleitungen umzugehen. Und natürlich bastelte ich in meiner Jugend zig Flugzeug- und Hubschrauber-Bausätze zusammen», erinnert er sich. «Allerdings verschmierte ich zu meinem Verdruss oft mit den leimklebrigen Fingern die transparenten Fensterteile – und so mussten meine Modellpiloten oft im Blindflug operieren.» Gut, hat der Kyburz eRod in seiner Hardcore-Variante keine Scheiben. Allerdings gibts als aufpreispflichtige Option für 2490 Franken eine grosse Windschutzscheibe oder für 920 Franken kleinere «Speedster»-Scheibchen zu kaufen. «Aber das machen wohl nur Warmduscher», bemerkt Unteregger. Manchmal blitzt beim Arbeiten doch der Komödiant durch – etwa als ihm eine Schraube hinunterfällt und er bei der Suche nach dem verflixten Ding, den Gitterrohrrahmen mit einer Reckstange verwechselnd, sich elegant ins Fahrzeug hangelt.

Fabian Unteregger Elektro-Buggy
© Geri Born

Am Ziel: Erfolgreiche Abnahmefahrt mit Martin Kyburz im 120 km/h schnellen eRod Fun, made by Unteregger.

Schneller als erwartet hat Fabian seinen Kyburz eRod Fun, made by Unteregger, fertiggestellt. Zuletzt noch die Nummer angeschraubt (der inklusive Akkus 600 Kilo leichte Buggy gilt offiziell als Kleinmotorfahrzeug und darf deshalb mit einem Motorrad-Kennzeichen zugelassen werden), schon ist der radikale offene Elektroflitzer zur Wagenabnahme bereit. Chef Martin Kyburz lässt es sich nicht nehmen, persönlich seinem prominenten Schrauber das Zertifikat für die erfolgreiche Bastelarbeit zu überreichen.

Danach gehen die beiden gemeinsam auf die erste Probefahrt im eRod mit der Chassis-Nummer 66. Nach der erfolgreichen Testfahrt im Gokart-ähnlichen Spassflitzer möchten wir zum Schluss von Fabian Unteregger wissen, ob er sich vorstellen könnte, «sein» Auto für 39 950 Franken auch zu kaufen. «Aber klar! Ich finde, das ist ein total cooles Fahrzeug. Zudem fasziniert mich die Philosophie der ganzen Entstehungs- und Entwicklungsgeschichte dieses Schweizer Innovationsprodukts.» Einen Moment später ergänzt er allerdings kumpelhaft: «Ohne Witz, als Comedian kann ich mir ein solches Spielzeug aber niemals leisten.» Wir verkneifen uns die Frage: Und als Arzt?

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