Lena & Janine Ihr Leben in Zürich nach «Bauer sucht Frau»

Die eine kocht, die andere wäscht: Im Leben von Janine und Lena geht es zu wie bei jedem anderen stinknormalen Paar auch. Wirklich? Mit uns haben die beiden lesbischen Frauen aus der RTL-Kuppelsendung «Bauer sucht Frau» über ihren Alltag, Mascarpone, zu tiefe Dekolletés und Eifersucht gesprochen. Denn die gibt es. Und erst noch auf Männer.

Blonde Menschen sind am Aussterben. Ob das der Grund ist, weshalb die - vor allem männlichen - Passanten im Vorbeigehen verstohlene Blicke auf Lena und Janine werfen? «Ich bin ja nicht mal mehr echt blond», erzählt Janine - von SI online in einem Café in Zürcher Bahnhofsnähe auf ihre Haarfarbe und die Reaktionen der Männer angesprochen. «Früher war ich so hell wie Lena, doch mit den Jahren wurde ich immer dunkler. Jetzt muss ich nachhelfen.»

Dennoch fällt das attraktive Gespann auf - nur schon, weil die beiden Frauen seit der RTL-Kuppelsendung «Bauer sucht Frau» als das Traumpaar schlechthin gelten. Und das, obwohl Janine bezüglich der Dauer ihrer noch jungen Beziehung Lena auf die Sprünge helfen muss, seit fast genau acht Monaten. «Dabei bist du doch sonst immer so genau, was Zahlen angeht», neckt die 24-jährige Bündnerin ihre gleichaltrige Freundin, die der Dauer ihrer Liebe aus Versehen drei Monate unterschlagen hat. 

Seit dem 27. Juli 2013 sind sie also unzertrennlich, seit Januar wohnen sie sogar zusammen. Ursprünglich wollte Janine eigentlich zu Lena nach Ostfriesland ziehen, doch die Pläne haben sich geändert. «Wir haben uns gesagt, dass diejenige, die schneller einen Job im Land des anderen findet, umzieht.» Da Lena nach nur drei Bewerbungen in der Schweiz bereits eine Zusage für den Job als Herdenmanagerin in einem grossen Milchviehbetrieb bekommt, ist es für Janine klar, dass sie ihrem Heimatland treu bleiben wird. Allerdings darf ihre Freundin bestimmen, wo sie das gemeinsame Liebesnest beziehen. «Das war der Deal. Sie kommt hierher, also entscheidet sie, wo wir wohnen», erzählt Janine. Am Ende wird es dann eine 140-Quadratmeter-Wohnung im Zürcher Oberland. «Von hier aus ist es ein Katzensprung zu meinem Betrieb», erzählt Lena. Das ist vor allem bezüglich der Arbeitszeiten ein klarer Vorteil. Denn: Die Bäuerin muss schon um fünf Uhr in der Früh den Pyjama gegen Overall und Gummistiefel eintauschen. 

«Ich habe einen männlichen Job, bin mit Jungs aufgewachsen und habe einen ausgeprägten Beschützerinstinkt», sagt Lena über sich. Das ist genau das, was Janine bei ihrer Freundin so anziehend findet. «Ich stehe halt auf Frauen mit einem männlichen Touch.» Lena könne beispielsweise problemlos unerwünschte Verehrer in die Flucht schlagen. Überzeugend noch dazu, wie sie unter Gelächter mit zusammengekniffenen Augen und schmalen Lippen beweist. 

Janine übernimmt da schon eher den weiblichen Part. «Ich mag Tussen», erklärt sich Lena, die einmal «und nie wieder» in Hamburg an einer Lesbenparty war. «Mit hohen Schuhen und Make-up. Schick halt, so wie Janine.» Die weiss im ersten Moment nicht, ob sie die Bezeichnung «Tusse» gut oder frech finden soll. «Das mit der Tussi stimmt nicht ganz. Ich habe auch eine männliche Seite: das Autofahren», relativiert sie. Schliesslich liebt sie Rennen und die 320 Pferdestärken unter ihrem Hintern.

Wer denkt, dass so eine gleichgeschlechtliche Partnerschaft in jedem Fall die Vorteile eines gemeinsamen Kleiderschrankes mit sich bringt, wird von Janine eines Besseren belehrt. «Mir passen die Klamotten von Lena mehrheitlich leider nicht.» Nur heimlich ziehe sie manchmal ihre T-Shirts an, flüstert Janine und hofft, dabei überhört zu werden. «Du ziehst meine Shirts an?», fragt Lena, die sehr wohl verstanden hat, und kneift Janine in die Seite. «Dabei hat sie fünf Schränke voller Kleider. Ich nur einen!»

Waschen ist meine Aufgabe. Janine kocht dafür. Und erst noch gut

Das liege daran, dass sie als Bäuerin bislang einfach nie richtig Geld verdient hat. «Daher trage ich meinen Sachen mehr Sorge.» Richtiggehend pingelig sei sie, auch was das Waschen angehe. «Es muss alles nach Farben getrennt werden», beschreibt Lena ihren Umgang mit der Schmutzwäsche. So habe sie das zu Hause gelernt. Ausserdem mag sie es nicht, wenn Janine alles in den Trockner schmeisst. «Darum ist Waschen meine Aufgabe. Janine kocht dafür. Und erst noch richtig gut.» Sie sei ein Leben lang bekocht worden, daher sei sie am Herd nicht zu gebrauchen. Anfangs hat Janine die Gerichte noch mit viel Mascarpone angereichert. Doch zugenommen hat nicht wie eigentlich beabsichtigt Lena, sondern die Köchin selbst. Und während die eine jetzt wieder ihr Gewicht im Auge behalten muss, will die andere zunehmen. «Ein bisschen mehr will ich schon auf den Rippen haben», sagt Lena, die bei all der körperlichen Arbeit die Kalorien natürlich im Nu verbrennt. 

Dass sie den Schritt in ein fremdes Land gewagt hat, hat Lena bislang noch nicht bereut. Natürlich vermisse sie die Weite Ostfrieslands und ihren Hund, doch was tue man nicht alles für die Liebe. Ausserdem wollte sie «schon immer mal weg.» Nur mit dem Schweizer Dialekt hapert es noch etwas. Auch, weil jeder mit ihr Hochdeutsch spreche. «So kann ich es ja nie lernen.» Auch Janine kommuniziert mir ihr ausschliesslich auf Deutsch. «Ich kann es mir einfach nicht mehr abgewöhnen. Gell, Schatz?»

Schatz - so betiteln sich die beiden Frauen liebevoll gegenseitig. «Nur wenn ich etwas möchte, sage ich ‹Baby› zu ihr», erzählt Lena. Das kann beispielsweise dann sein, wenn Janine etwas Hochgeschlosseneres anziehen soll. «Ich mag es nicht, wenn sie einen zu tiefen Ausschnitt trägt.» Dann könne sie schon mal ein bisschen eifersüchtig werden. Und auch wenn die Männer keine Chancen haben: «Ich will das einfach exklusiv.» So wie ihre Liebe. Und die ist eindeutig etwas Besonderes. 

Was, wenn ich an jenem Abend geschlafen hätte?

Nur schon, weil beide ganz zufällig an «Bauer sucht Frau» geraten sind. «Ich konnte nachts nicht schlafen und bin beim Surfen im Netz auf die Anmeldung gestossen», erzählt Lena. Damals hätte sie aber nicht im Traum daran gedacht, über das TV-Format das grosse Glück finden zu können. Janine erging es ähnlich. Sie wollte am Wochenende des Aufrufes eigentlich ausgehen. «Ich habe mich dann aber kurzfristig für einen gemütlichen TV-Abend mit meinen Eltern entschieden.» Es kam also alles so, wie es kommen musste. Daher sollten die beiden Blondinen auch keine Zeit damit verschwenden, eine Antwort auf Lenas hypothetische Frage zu finden. «Was, wenn ich an jenem Abend geschlafen hätte?»

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