Sieg am Lauberhorn! Jetzt freuen sich Beat Feuz und seine Katrin aufs Baby

Beat Feuz gewinnt am Samstag in Wengen die längste Abfahrt der Welt - mit der Startnummer 1! Der «Schweizer Illustrierten» erzählt der Skistar, wie er und seine Katrin sich auf ihr erstes Kind freuen.
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© Keystone

Lauberhorn-Gewinner Beat Feuz lässt sich nach dem Sieg von seinen Fans feiern.

Zwei Schneeflocken tanzen um Katrin Triendls Hals. Sie sind nicht aus den Wolken gefallen, nein, es ist frühlingshaft warm in Wengen BE nach dem Föhnsturm. Es sind zwei Anhänger, der eine bronzefarben, der andere golden, und Beat Feuz hat sie seiner Freundin 2015 und 2017 nach seinen WM-Medaillen geschenkt.

Dass die Anhänger dieselbe Schneeflockenform aufweisen wie die Ski-WM-Medaillen, ist kein Zufall: Die Österreicherin spielt nicht nur im Privatleben des Abfahrtsweltmeisters die Hauptrolle, sondern hat auch seine Karriere beflügelt. «Ich und du sind wir» ist das Motto des Paares, und in diesem Januar gilt das mehr denn je.

Obwohl Feuz mit seinen bald 31 Jahren ein alter Hase im Skizirkus ist und obwohl das Paar sich seit zehn Jahren liebt, ist momentan alles anders: Es ist neu, dass Feuz seit Monaten ohne Verletzungen und Krankheiten trainieren kann. Es ist neu, dass Katrin ihren Job als Physiotherapeutin in einer Innsbrucker Sporttherapie aufgegeben hat und ganz zu ihrem Privatpatienten schauen kann. Und natürlich: Es ist neu, dass sie Nachwuchs erwarten. 

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© Kurt Reichenbach
Schmuck Den Ski hat Katrin Beat zum WM-Gold geschenkt, sie trägt stolz seine Schneeflocken aus Gold und Bronze.

«Es geht mir gut, wir sind gesund», sagt Triendl, 30, zur Schwangerschaft. Im Sommer soll es so weit sein, und die beiden freuen sich auf das Leben zu dritt. Dass ein Kind seine Risikobereitschaft am Start beeinflusst, glaubt Feuz nicht. «Sonst wäre es dann wohl der falsche Job», sagt er trocken, und die werdende Mutter ergänzt: «Das beflügelt doch eher!»

Als der Schangnauer beim Saisonauftakt Ende November im kanadischen Lake Louise siegt, wissen sie jedenfalls bereits, dass ein Kind unterwegs ist. «Da habe ich mich auch nicht zurückgehalten während der Fahrt.»

«Wir haben mehr Zeit zusammen»

Seit sie sich an der Junioren-Ski-WM 2007 kennengelernt haben, sind sie ein eingeschworenes Team. Die Tirolerin ist Wirbelwind und Motivatorin, der Emmentaler die Ruhe im Sturm. Unzertrennlich, ohne kitschig zu sein. Ein weiterer Schritt in der Beziehung ist Triendls Kündigung im vergangenen Sommer.

Vorher war die Organisation des gemeinsamen Lebens hektisch, ein Stress: Sie war an den Patientenplan gebunden, er wusste oft nicht, wo er als Nächstes trainieren würde. Und wenn sie von der Arbeit heimkam, behandelte sie noch Feuz’ elfmal operiertes Knie.

Wir sind beide die bodenständigen Typen

Nun machen sie den ganzen physischen Aufbau mit Ausnahme des Krafttrainings zusammen. So kann die Physiotherapeutin immer gleich eingreifen, wenn es irgendwo zwickt, und das Problem «löschen». Es handelt sich dabei zwar meist um Kleinigkeiten, die unbehandelt aber noch tagelang Auswirkungen haben könnten.

Beats engste Bezugsperson ist Katrin nun auch im Hinblick auf seine Gesundheit, was nochmals ein Stück mehr Professionalität und Ruhe in sein Leben bringt. «Es hat sich aber nicht nur skifahrtechnisch gelohnt, sondern auch für die Beziehung», ist er überzeugt. «Wir haben einfach mehr Zeit zusammen.»

Beat Feuz und Katrin
© Kurt Reichenbach
Erinnerungen Beat Feuz und Katrin in Wengen. Im Hintergrund die Lauberhornstrecke. Hier hat Feuz 2012 die Abfahrt gewonnen.

Statt das Knie zu therapieren, können die beiden den Tag nun öfter auch bei einem Grillabend auf ihrer grossen Terrasse mit Blick über Innsbruck ausklingen lassen. Er ist der Chef am Grill, sie liebt es, in der Küche zu stehen. Die beiden wollten den Versuch mal ein Jahr lang laufen lassen – man wisse ja nicht, wie das sei, sich plötzlich so oft zu sehen, so die Tirolerin.

Nun aber geniessen sie es. «Wir sind beide die bodenständigen Typen, die sagen: Wenn wir gesund sind und es uns gut geht, haben wir diese Grundzufriedenheit. Das wissen wir zu schätzen.» 

Auch deshalb gehen die beiden im vergangenen Jahr ausser vier Tage ins Tessin gar nicht in die Ferien. Nicht mal die Boni für den Weltmeistertitel setzt Feuz für etwas Spezielles ein. Es ist der erste Sommer seit vielen Jahren, in dem er nicht verletzt oder krank ist. Das bedeutet nicht nur eine Wohltat und Erholung für den Körper, sondern auch für den Geist.

Zum ersten Mal steht nicht permanent die Frage im Raum, wo er zurückstecken oder was er noch zusätzlich für die Gesundheit tun muss. «Dass es für den Kopf wenig zum Nachdenken gab, war schon ein grosser Brocken, der wegfiel.»

Beat Feuz und Katrin
© Kurt Reichenbach
Katrins Siegerkuss: Im Februar 2017 wird Feuz Abfahrts-Weltmeister. Vater Hans und Mutter Hedi strahlen vor Stolz um die Wette.

Die neue körperliche Stabilität – ganz bei 100 Prozent wird er nie mehr sein – lebten die beiden bei regelmässigem Tennisspiel aus, einer gemeinsamen Leidenschaft. Und beim Wandern, das auch er endlich wieder geniessen kann. Die Gipfel der Hausberge der beiden stehen auf der Liste, der Rosskogel bei Innsbruck und der Hohgant, die «Krone des Emmentals». Vorher schmerzte das Bergablaufen, «und irgendwo rauflaufen, wo eine Bahn runterfährt, ist ja nicht lustig», sagt Feuz. 

Ein ruhiger und aktiver Sommer zugleich also, und entsprechend positiv ist der erste Teil des Winters gelaufen. Ein Sieg, ein Podestplatz – und seine Lieblingsrennen Lauberhorn sowie Kitzbühel folgen erst noch. Zusätzlich Olympia in Südkorea mit der Abfahrt an seinem Geburtstag am 11. Februar! «Ich war definitiv schon mit weniger Selbstvertrauen in Wengen», sagt Feuz und lacht. Was allerdings nicht heisst, dass wieder alles wie früher ist.

Ich und du sind wir

Die gesundheitlich schwierigen Jahre vergisst er ebenso wenig wie die sensationellen Comebacks. «Auf eine Art gewöhnt man sich schon wieder daran oder hat zumindest die Hoffnung darauf, wieder vorne mitzufahren», sagt Feuz nachdenklich. «Ich sehe den Erfolg aber nicht mehr als so selbstverständlich an wie in der Saison 2011/12, als es meiner Meinung nach nicht anders sein konnte.»

Nach dem grandiosen Abfahrtssieg an der WM in St. Moritz im Februar 2017 hat Triendl sich für die Schneeflockenkettchen revanchiert und ihrem Freund einen Ski-Anhänger geschenkt. Schmuck in Ringform ist hingegen nicht geplant, eine Hochzeit hat für beide keine Priorität. «Wir sind auch so zufrieden», bringt es Feuz auf den Punkt. «Ich und du sind wir.» Die beiden leben dieses Motto auch ohne Ehe perfekt.

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