Wie würden Sie reagieren? Beat Schlatter spürt keinen Hass auf seinen Angreifer

Drei Wochen nach der brutalen Attacke auf ihn spricht Beat Schlatter über seinen Zustand - und den Täter. Der Komiker scheint das Geschehene mit positiven Gedanken verarbeiten zu wollen. Wir fragen: Könnten Sie das auch?
Beat Schlatter Theater ohne Frau nach Überfall Spital Attacke
© Kurt Reichenbach

Für die «Schweizer Illustrierte» reiste Beat Schlatter an den Tatort, den Busbahnhof Meilen ZH, zurück.

In der aktuellen «Schweizer Illustrierten» erzählt Beat Schlatter, 53, wie es ihm ergangen ist, nachdem er am 6. März hinterrücks angegriffen und schwer verprügelt wurde. Auffällig am Gespräch mit dem Komiker ist, dass er den Vorfall gut zu verarbeiten scheint. «Nach drei Tagen erkannte ich, was für ein Glück ich hatte. Ich weiss, dass dieses Erlebnis für irgendwas gut sein wird, ich weiss zwar noch nicht wofür. Doch es musste so sein. Ich anerkenne, was passiert ist.»

«Schweizer Illustrierte»: So einfach?
Beat Schlatter: Das Glück war auf meiner Seite. Natürlich wurde ich gefragt, ob ich psychologische Hilfe möchte. Ich lehnte damals ab, weil ich nicht wusste, wovor ich Angst haben sollte. Jetzt, da ich das erste Mal die Wohnung verlassen habe, merke ich jedoch, dass noch nicht alles gut ist. Ich spazierte vorsichtig um die Häuser und erschrak wahnsinnig ob einer älteren Frau, die langsam von hinten auf mich zukam. Ich erschrak so sehr, dass die alte Frau wegen meiner Reaktion fast selber gestorben wäre.

Hat sich der Täter bei Ihnen gemeldet?
Nein. Bei der schriftlichen Einvernahme beim Staatsanwalt sass er im selben Raum. Man hat mir gesagt, der Täter habe bei der Verhaftung der Polizei erzählt, ich hätte ein kleines Mädchen belästigt und sei dann mit einem Stock auf ihn losgegangen. Er habe sich nur gegen mich verteidigt. Das ist natürlich haltlos. Trotzdem hat mich seine Lüge etwas wütend gemacht. Ich bewundere die Geduld von all den Leuten, die sich mit solchen Lügnern Tag für Tag beruflich abgeben. Ich hätte diese Geduld nicht.

Vor Ihnen hatte er schon zweimal zugeschlagen.
Ja, sein ehemaliger Kung-Fu-Lehrer hat sich bei meiner Frau gemeldet und erzählt, dass der Täter einmal überraschend einem anderen Schüler ins Gesicht schlug und darauf in der Kung-Fu-Schule für immer Hausverbot kriegte. Später brach er einem Pendler im Zug das Nasenbein. Beide Opfer haben keine Anzeige erstattet. Schade, denn hätten sie ihn angezeigt, wäre der Täter nicht frei herumgelaufen.

Das hört sich vorwurfsvoll an...
Ich verstehe, dass man einem psychisch Kranken nicht zusätzlich schaden möchte. Auch ich habe die Polizisten gefragt, was ich tun soll. Sie rieten mir auf jeden Fall zu einer Anzeige, denn auch psychisch Angeschlagene können was anrichten. Hätten die zwei Opfer eine Anzeige gemacht, wäre mir dies nicht passiert. So denke ich heute. Ich bin da strenger geworden.

Verspüren Sie Hass?
Nein. Auf wen soll ich nachträglich wütend sein? Auf den psychisch Kranken? Bei ihm ist etwas im Kopf verschoben, sodass er Feinde sieht, wo keine sind. Auf seinen letzten psychologischen Gutachter? Auf die beiden Opfer, die keine Anzeige gemacht haben? Vermutlich am ehesten auf die Letzteren.

Geriet Ihr Menschenbild ins Wanken?
Komischerweise nicht. Ich wurde schon von vielen Menschen enttäuscht. Trotzdem möchte ich immer ein Menschenfreund bleiben. Man darf nicht glauben, wenn man anständig ist, wird man weniger enttäuscht. Enttäuschungen gehören zum Leben.

Was denken Sie über den Umgang von Beat Schlatter mit Tat und Täter?

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