Bendrit Bajra Über diesen Shipi lacht die Schweiz

Ein neuer Star ist geboren. Bendrit Bajra will bis in fünf Jahren als Comedian die hiesigen Bühnen erobern. Zunächst aber büffelt er erst mal für seine Lehrabschlussprüfung. Und dreht nebenher weitere lustige Videos - zum Beispiel eines, in dem er die neue Ausgabe der «Schweizer Illustrierte» kommentiert.

Bendrit Bajra, 19, liebt: seinen weissen BMW X6 (eine Occasion aus München), Schokoladentorte (im Zürcher In-Restaurant Kaufleuten schaufelt er sich beim Interview ein extragrosses Stück rein) - und ganz besonders, mit seinem iPhone witzige Videos aufzunehmen, um sie auf Facebook zu veröffentlichen.

Bendrit, Detailhandelslehrling, 1.86 Meter gross, 100 Kilo schwer, ist kosovarisch-schweizerischer Doppelbürger. Sein Thema sind Klischees über Ausländer und Schweizer. Dabei greift er Alltagssituationen auf und zeigt in wechselnden Rollen, wie der Schweizer mit seinem Sohn (Yannick) diskutiert, und der Albaner seinem Sprössling die Argumente notfalls einprügelt.

Eines von Bendrits Videos trägt den Titel «Unterschied zwüsched Schwizer und Uslender, wenn de Sohn schwul isch». Weil Bendrit weiss, dass er sich mit solchen Themen aufs Glatteis begibt, schreibt er vorsichtshalber dazu: «Mit Humor nehmen, Freunde.»

Für diese Clips lieben ihn die Schweizer - zumindest Zigtausende Jugendliche. 168'257 Abonnenten zählt sein Facebook-Profil. Allein das Video, das ihn am Sonntag vor einer Woche als Gast bei den SRF-Satirikern Giacobbo/Müller zeigt, wurde in den letzten Tagen 737'514 Mal (Stand vergangenen Samstagnachmittag) angeschaut. Von solchen «Einschaltquoten» träumt man im Leutschenbach.

Das Facebook-Phänomen Bendrit Bajra ist auch Manuel P. Nappo bekannt. Der Leiter der Fachstelle Social Media Management an der Hochschule für Wirtschaft Zürich (HWZ) bescheinigt dem Teenager «einiges Potenzial als Comedian». Im Gegensatz zu Giacobbo/Müller, die Profis als Gag-Schreiber für sich arbeiten lassen, stammen Bendrits Gags alle aus der eigenen Feder. «Da steckt viel Zeit und Arbeit drin», sagt Nappo anerkennend.

Ein Klischee bedient Bendrit selber, aber das ist ihm völlig «wurscht». Der Shipi (Jugendslang für Albaner) fährt selbst einen grossen BMW. Als Lehrling verdient er im dritten Lehrjahr gerade mal 1200 Franken (wobei das meiste für Benzin draufgeht). «Das Auto hat mir mein Papi geschenkt.» Was wiederum das Klischee vom schlagenden, bösen albanischen Vater widerlegt. Beim Besuch zu Hause wird klar: Die Bajras sind eine normale Familie. Schläge? Fehlanzeige. Gastfreundlich, zunächst etwas scheu - und humorvoll: So ist Bendrits Familie. Vater Ismet (arbeitet beim Coop) war anfangs nicht begeistert zu sehen, wie er als «Babba» in den Videos wegkommt. Inzwischen lacht er über die Spässchen seines Juniors. Byondina, 17, Bendrits Schwester (arbeitet bei der Migros), findet «manches peinlich», stolz ist sie trotzdem auf ihren grossen Bruder. Genauso wie Mutter Kumrije, 43. Sie arbeitet ebenfalls - im Reinigungsbereich.

In seiner Freizeit «gamet» Bendrit gerne mit seinen besten Freunden Muli und Blerim («Call of Duty» oder «Fifa»). Für Sport hat er sonst nicht viel übrig. «Das Einzige, was an mir trainiert ist, sind meine zwei Daumen.» Er kann auch über sich selbst lachen. Bendrit verkörpert eher das Klischee vom braven Sohn und lieben Enkel. Mit seinem Grosi geht er einkaufen - und wenn er von jugendlichen Fans umringt wird, wundert sich die alte Frau manchmal schon ein bisschen darüber.

Seine Zukunftspläne sind klar. Im Mai findet die Lehrabschlussprüfung statt. Dafür lernt er zurzeit hart. Erst wenn die Ausbildung beendet ist, will er auf die Karte Kunst setzen. Für den Sommer plant er zwei grössere Projekte. Bendrit ist ehrgeizig. «In fünf Jahren will ich mir auf Schweizer Bühnen einen Namen als Comedian gemacht haben.» Seine Facebook-Karriere ist erst der Anfang. Aber ein guter!

So sieht Bendrit Bajra die neue «Schweizer Illustrierte» mit Kerstin Cooks Brustvergrösserung auf dem Titel:

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