Das persönliche Interview mit Bernhard Russi «Mich hatte sie nur für den Winter»

So erinnert sich Bernhard Russi an seinen ersten Schulschatz. Und was würde er sich vom lieben Gott wünschen? Mozarts Talent! Ansonsten ist der Pensionär glücklich, bis heute beschäftigt zu sein. Lieber passt er seine Wünsche an, statt sie endgültig zu begraben.
Auto des Jahres 2018_Bernhard Russi
© David Biedert

Bernhard Russi, 69, hat die Abfahrtsstrecke für die Olympischen Spiele in Pyeongchang gebaut. 1978 singt er in einer SRF-Sendung «Winter isch kei Winter ohni Schnee.» Und bis heute klettert er leidenschaftlich gern in den Bergen.

Bernhard Russi, was für ein Hintergrundbild hat Ihr Smartphone?
«The Great Roof Nose am El Capitan», eine berühmte Kletterroute im Yosemite-Nationalpark. 

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Etwas Himalaja, etwas Sahara, etwas Antarktis, den Vierwaldstättersee und ein Zelt. 

Wie hätte Ihr Name als Mädchen gelautet?
Eigentlich hätte ich Pius heissen sollen. Aber mein Vater hatte bei einem Skisprungwettkampf ein Gelübde abgelegt, weshalb daraus Bernhard wurde – so wie der heilige Schutzpatron. Zufällig kam ich dann auch noch am 20. August, dem Tag des heiligen Sankt Bernhard, zur Welt.

Bernhard Russi 2018 Olympia
© Keystone
Bernhard Russi, 69, hat die Abfahrtsstrecke für die Olympischen Spiele in Pyeongchang gebaut. 

Welches Gemüse gehört verboten? 
Röselikohl. 

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Ich bin quasi pensioniert, obwohl ich nie «richtig» gearbeitet habe. Ich war und ich bin immer noch glücklich, dass ich beschäftigt bin. 

Als Sie Kind waren, was hat Ihre Mutter Ihnen da immer gesagt? 
Zuerst die Arbeit, dann das Vergnügen. 

Wann haben Sie zuletzt etwas Selbstgebasteltes geschenkt? 
Eine Krippe aus Holz – meinen Eltern, als ich ungefähr 12 war! 

Wo am Körper tuts Ihnen weh? 
Am linken Knie! Aber was ist das schon, wenn man bedenkt, was einem ehemaligen Spitzensportler sonst noch alles weh tun könnte. 

Bernhard Russi 1978 SRF
© Screenshot / SRF

1978 singt er in einer SRF-Sendung «Winter isch kei Winter ohni Schnee.» 

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen? 
Bingo. «Es wird ausgegessen!», war der Spruch meiner Mutter.  

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Da passe ich mich gerne dem Publikum an! 

Über welche Tat oder Aussage von Ihnen wird man noch lange nachIhrem Ableben reden? 
«Er war ein Guter!», würde mir schon reichen. 

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? 
Nicht Priester zu werden. 

Und Ihre dümmste?
Auch die dummen waren mal gut.

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben? 
Begraben nie, ich passe sie an. 

Was würden Sie Ihren Kindern mit auf den Weg geben wollen?
Anpassungsfähigkeit und meine Bewegungssucht.

Und welche keinesfalls? 
Sowohl mein Sohn als auch meine Tochter sehen in mir wohl verschiedene Schwachpunkte, die sie nicht unbedingt brauchen.

Angenommen, der liebe Gott erschafft Sie neu: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten? 
Mozart, Lang Lang, Chris Sharma. 

Bernhard Russi mit Familie
© David Birri

Familienbande: Bernhard Russi mit seiner Ehefrau Mari und Tochter Jenny (r.) sowie Ian, seinem Sohn aus erster Ehe, und dessen Frau Sarah (l.).

Welches Buch, welche Musik, welcher Film beeinflusste Ihr Leben?
«Erinnerungen an die Zukunft» von Erich von Däniken stachelte mich zum Denken an. «Vom Winde verweht», war 1972 mein Olympiabegleiter. «Let It Be» von den Beatles. Und «Zorba, der Grieche!» mit Irene Papas, meiner Lieblingsschauspielerin – ich sah ihn über ein Dutzend Mal. 

Welche Pille gehört erfunden? 
Eine Verständnispille für Sprache und Kultur. 

Ihr Spitzname als Kind? 
Der jung Tschiry. 

Als Sie 16 Jahre alt waren, wie sah da Ihr Zimmer aus?
Neun Quadratmeter, grosses Bett, eine selbst gestrichene Wand in Orange – und gut aufgeräumt. (Befehl meiner Mutter). 

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen? 
Louis de Funès. 

Was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern? 
Mein Duschhandtuch aufhängen, damit es nicht so schnell schmutzig wird und so oft gewaschen werden muss. Und während dem Haarewaschen und Zähneputzen das Wasser abstellen. 

Bernhard Russi
© Keystone

Legendär: Bernhard Russi (r.) holt 1972 bei Olympia in Sapporo Gold in der Abfahrt. Im Rahmen einer Spendenaktion für «snow for free», sein Schneesportförderprojekt für Kinder, bietet Russi bis 18. März unter anderem seine Originalstartnummern an: lokalhelden.ch/snow-for-free

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht? 
Die liegt nicht beim Franken, sondern beim Volumen. Da könnte ich heute schon auf einige Fahrten verzichten. 

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben? 
Verlieren können ist wichtiger als Siegen – vom Vater!

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz? 
Ja klar und wie! Aber sie hatte schon zwei! Einen, der intelligent war, einen, der schön war – und mich hatte sie für den Winter! 

Wer ist Ihr bester Freund? 
Freundschaften hängt man nicht an die Glocke.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Über den Flügel, den mir meine Frau zum Geburtstag schenkte. Ein altes, wunderbares Stück. Sein Transport war teurer als der Flügel selbst!

Im Dossier: Weitere persönliche Interviews

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