Martin Ostermeier ist Gerichtsmediziner beim «Bestatter» «Mike Müller ist ein Gmögiger»

Morgen Dienstag (20.05, SRF 1) beginnt die neue Staffel des «Bestatter». Der 47-jährige Martin Ostermeier spielt dort den Wiener Gerichtsmediziner Alois Semmelweis. «Das Klischee des zynischen Forensikers kommt nicht von ungefähr», sagt der Bayer. Und erklärt, warum er Mike Müller für einen der letzten Schweizer Volksschauspieler hält. 
Martin Ostermeier spielt den gerichtsmediziner Alois Semmelweis beim «Bestatter»
© SRF/Sava Hlavacek

Spielt oft verschrobene Figuren: Martin Ostermeier in der Rolle des Gerichtsmediziners Alois Semmelweis beim «Bestatter».

Er ist einer der heimlichen Stars im SRF-Krimi «Der Bestatter». Dabei ist der Wiener Forensiker Alois Semmelweis nicht nur ein zynischer und herablassender Sonderling, sondern auch saukomisch.

Herr Ostermeier, für die Figur des Forensikers Semmelweis suchte man einen Österreicher. Die Rolle kriegten aber Sie, ein Bayer. Wie lief das genau ab?
Nun, die haben mir ja kein pfannenfertiges Angebot unterbreitet, sondern mich lediglich in Erwägung gezogen. Ich wurde dann selber aktiv und habe alle Hebel in Bewegung gesetzt, um die Rolle zu kriegen. Da ich lange in Salzburg lebte, nimmt man mir den Österreicher vielleicht eher ab.

Und von Forensik verstehen Sie natürlich auch etwas …
Jetzt schon! (Lacht.) Im Vorfeld habe ich mit vielen Rechtsmedizinern gesprochen und mich intensiv mit dem interessanten Thema befasst. Das war für mich auch eine Art, mit der Nervosität umzugehen. Die haben mich übrigens alle mit offenen Armen empfangen und sich sehr viel Zeit für mich genommen.

Die sind aber nicht so zynisch wie der Semmelweis, oder?
Doch, doch! Dieses Klischee kommt nicht von ungefähr.

Liegt das also in der Natur der Sache?
Vermutlich schon. Ein Forensiker wird ja mit grässlichen Todesarten konfrontiert. Ich selber habe einige Bücher darüber gelesen. Da gibt es ganz schlimme Sachen. Glauben Sie mir: Alle Tötungsarten, die man sich vorstellen kann, hat schon mal irgendwer gemacht. Das ist echt grauslig.

Kriegen Sie Rückmeldungen aus der Branche zu Ihrer Figur als Gerichtsmediziner?
Nein. Die wissen ja, dass wir Fiktion machen und einiges nicht so handhaben, wie man müsste.

Was müsste man denn?
Eine Leiche etwa wird noch am Fundort komplett entkleidet, um Spuren am Körper zu suchen. Aus naheliegenden Gründen verzichten wir beim «Bestatter» darauf.

Sie haben schon einige verschrobene Figuren gespielt.
Ja, dafür werde ich gebucht. Offenbar strahle ich den kauzigen Typ aus. Ich würde ja gerne mal den netten Familienvater von nebenan spielen, doch solche Angebote kriege ich nicht. Das nennt man «Type Casting», jemanden als das besetzen, was er bereits mitbringt. Aber ich beklage mich nicht. Ich spiele den Alois Semmelweis sehr gern.

Die Zuschauer lieben ihn. «Der Bestatter» ist ja eine Erfolgsgeschichte sondergleichen. Woran das wohl liegt?
Na, weil wir alle so gute Schauspieler sind! (Lacht.) Nein, im Ernst, ich bin echt ein grosser Fan von meinen Kollegen. Samuel Streiff in der Rolle des Polizisten Doerig etwa spielt doch den typischen Schweizer. Und um Mike Müller zu beschreiben, fällt mir nur ein Schweizer Dialektwort ein. Er ist einfach ein Gmögiger - und für mich einer der letzten Schweizer Volksschauspieler.

Lesen Sie Pressekritiken?
Ja, schon. Aber ich suche nicht danach, sondern lese, was mir in die Finger kommt. Wenn etwa hier drin (er deutet auf die NZZ, die vor ihm auf dem Tisch liegt) eine Kritik steht, dann lese ich sie.

Sie haben früher vor allem Theater gespielt. Was glauben Sie, liegt Ihnen mehr?
Beim Film fühle ich mich unsicherer. Als Theaterschauspieler lernt man nicht, wie man sich vor der Kamera bewegen muss. Das Handwerk des Theaters und das des Films sind zwei völlig verschiedene Berufe. Das hätte ich nie gedacht.

Spielen Sie denn noch Theater? Oder was machen Sie während der Drehpausen?
Beim Theater war ich letztmals vor fünf Jahren. Zurzeit studiere ich Philosophie und Slawistik an der Uni Zürich. Die Menschen, die Sprache, die Musik - alles, was vom Balkan kommt, interessiert mich sehr.

«Der Bestatter» (1/6), «Les jeux sont faits»: Am Dienstag, 2. Januar, 20.05 Uhr, SRF 1

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