Bettina Oberli und Thomas Ritter über «Private Banking» «Klar, dass sich Banker über den Film aufregen»

«Private Banking» ist der erste Film in der Schweiz, der den gleichnamigen Geschäftszweig der hiesigen Banken behandelt. Nach der Ausstrahlung des Zweiteilers im SRF nehmen Regisseurin Bettina Oberli und Drehbuchautor Thomas Ritter im Interview Stellung zur Kritik, der Film sei zu klischiert und spiegle nicht das wahre Private Banking wieder. 
Bettina Oberli und Thomas Ritter von Private Banking
© Hervé le Cunff

Regisseurin Bettina Oberli und Drehbuchautor Thomas Ritter haben drei Jahre am Drehbuch vom SRF-Zweiteiler «Private Banking» gearbeitet. «Es hat sich eine richtige Freundschaft entwickelt.»

Bettina Oberli, Thomas Ritter, Sonntag und Montag war es endlich so weit: «Private Banking» wurde dem Schweizer Publikum vorgestellt. Wie haben Sie den Abend verbracht? 
Bettina Oberli: Gemeinsam! Wir haben zusammen mit dem Produzenten Christof Neracher, einigen Kollegen aus dem Filmteam und unseren Familien ein kleines Public Viewing gemacht. Raclette gegessen und den Film geschaut.

Im Vorfeld der Ausstrahlung bemängelten bekannte Banker, wie der ehemaligen Leiter des CS-Private-Bankings Walter Berchthold, dass der Film völlig klischiert und überzeichnet sei. Und auch im Nachgang gab es auf Twitter ähnliche Reaktionen. Was sagen Sie dazu?
Bettina Oberli: Erstmal ist es wichtig zu bedenken, dass wir keine Dokumentation gemacht haben, sondern einen fiktionalen Film. Gewisse überzeichnete Szenen haben dort durchaus Platz. 
Thomas Ritter: Ausserdem überrascht es mich nicht, dass Topbanker uns deswegen kritisieren. Was sollen sie auch sonst tun? Sagen, dass wir recht haben? Der Vorwurf, dass das Überwachungsorgan der Banken, die Compliance, in unserem Film mit nur einer jungen Angestellten zu dünn besetzt sei, ist schon recht. Nur, genau deswegen hatten Banken Probleme. Wir haben während der Recherchen mit vielen Compliance-Mitarbeitern gesprochen, die in ihren Instituten einen verdammt schweren Stand hatten. Wir erzählen eine Story, die diese Konflikte thematisiert. Auf einer sehr persönlichen Ebene. Mit den Mitteln des Spielfilms.

Haben Sie auch andere Reaktionen von Bankern erreicht? 
Thomas Ritter: Ja, ich habe Freunde, die bei Banken arbeiten. Die haben mir erzählt, dass unter den Kollegen viel über den Film diskutiert wurde. Wir haben mit «Private Banking» offenbar einen Nerv getroffen.

Wie meinen Sie?
Thomas Ritter:
Es ist doch erstaunlich, dass wir eine solch grosse Diskussionsplattform bieten können. Vor allem, dass sich Topbanker in verschiedenen Zeitungen so enervieren, finde ich bemerkenswert. Wenn doch alles ganz anders, vor allem aber ganz harmlos und überholt ist, warum regen sich die Herren dann so auf? Googeln Sie mal unsere Kritiker und die Institute, die sie vertreten. Dann wird einem schon klar, warum.

«SI online» bemängelte, dass vor allem die Hauptfigur, Caroline Pfister (Stephanie Japp, 45), erst als sehr starke, geradlinige Frau dargestellt wird. Am Ende aber knickt sie doch noch ein und verwirft ihren Traum von der sauberen Bank zu Gunten ihres Vaters. 
Bettina Oberli: Es wäre doch naiv und unrealistisch gewesen, wenn wir den Film hätten anders ausgehen lassen! Es ist viel glaubhafter, dass ein solches System auch eine starke Figur wie Caroline auffrisst. 

Das Ende des Films ist ein echter Cliffhanger und bietet eigentlich noch Stoff für einen dritten und vierten Teil. Gibt es Pläne in die Richtung?
Thomas Ritter: Nach dem Ende der Dreharbeiten haben wir überhaupt nicht daran gedacht, dass die Geschichte noch weitergehen könnte. Erst die vielen Reaktionen brachten uns zum Nachdenken. Ich finde, es gäbe gute Ansätze. Ich wäre bereit für einen weiteren Teil! 

Bettina Oberli: Ich kann mir das auch gut vorstellen. Thomas, David Sandreuter und ich sind während der Arbeit an «Private Banking» zu Freunden geworden und haben viel Zeit zusammen in Zürich, Hamburg und Kopenhagen verbracht. 

Bettina Oberli Daniel Sandreuter und Thomas Ritter von Private Banking
© zvg

Das «Private Banking»-Team (v.l.n.r.): Bettina Oberli (Regie und Drehbuch), David Sandreuter (Drehbuch) und Thomas Ritter (Drehbuch)

Wenn die Zusammenarbeit so gut lief, haben Sie noch weitere gemeinsame Projekte in Planung?
Thomas Ritter: Das haben wir. Zumindest Bettina und ich. Wir arbeiten im Moment gemeinsam mit Pierre-Adrian Irlé, einem Autoren aus der Romandie, an einer Serie über die 80er-Jahre. 
Bettina Oberli: Wir dürfen noch nicht allzu viel verraten, aber es geht wie gesagt um die 80er. Es wird eine Dramaserie, die sich um eine Punkband und die damalige Drogenszene am Platzspitz in Zürich dreht. 

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