Der Sänger besucht seine Familie in Neapel Bligg: Pasta und Limoncello in Nonnos Heimat

«Mangare, oh, oh! Cantare …» – nach 40 Jahren besucht Bligg erstmals wieder Neapel. In der Heimat seines Nonno warten Familie und viel Essen auf den Schweizer Musiker.
Bligg 2018 Shooting SI Ausgabe 36
© Nicolas Righetti

Leckereien: Kochen ist für Bligg wie Musik. Im Herbst geht er auf grosse «KombiNation»-Tour. www.bligg.ch

Vor 40 Jahren war Bligg das erste und letzte Mal in Neapel – als Einjähriger. Erinnerungen an die Stadt hat er keine, dafür viele Vorstellungen von ihr aus Nonnos Erzählungen. «Und es sieht hier genauso aus, wie ich es mir vorgestellt habe», ist Marco Bliggensdorfer, mitten in der süditalienischen Metropole stehend, überrascht. Hier ist sein Nonno Antonio Jannotti, 88, aufgewachsen, bevor er 1954 in die Schweiz emigrierte, wovon er auf Bliggs Album «KombiNation» erzählt.

Offiziell macht sich Bligg in Neapel für die Zeitschrift «Marmite» auf eine kulinarische Reise. Doch sein Nonno steckt dahinter, dass er noch für einen halben Tag weiter in die Provinz Benevento, nach Melizzano, zieht. Nonno hat seinem Enkel noch den Pflichtbesuch bei der Famiglia eingebläut. «Ich hätte sonst nie mehr hier erscheinen müssen», erklärt Bligg. 

Bligg 2018 Shooting SI Ausgabe 36
© Nicolas Righetti

Bunte Kost: In der Küche frittiert Antonietta frische Zucchettiblüten aus dem Garten. Auch Bligg weiss, wies geht.

Frische Zucchettiblüten, Bruschette und Limoncello für Bligg

Nach einer Stunde Taxifahrt steht der Zürcher im 2000-Seelen-Dorf neben Aprikosenbaum und Antonietta Jannotti-Cardone, 75. Nonnos Cousine empfängt ihn mit offenen Armen und verliert nun keine Zeit: Nach fünf Minuten steht Essen auf dem Tisch – frittierte Zucchettiblüten, Bruschette, Pizza, Polpette, Melonen und selbst gebrannter Limoncello von Schwägerin Carmelita.

«Langsam realisiere ich, woher die Kultur, die ich all die Jahre gelebt habe, kommt», so Bligg. «Mein Nonno hat sich diesen neapolitanischen Mikrokosmos bewahrt.» 

Bligg 2018 Shooting SI Ausgabe 36
© Nicolas Righetti

«Parallelen»: Matteo, 36, der Neffe von Antonietta (r.), spielt Akkordeon und lebt bei den Eltern. Bligg: «Ich zog mit 18 aus.»

Schnell und viel redet Antonietta, berührt ihren Familiengast aus der Schweiz immer wieder am Arm. «Das bin auch alles ich», so Bligg lachend. «Laut und direkt reden, die körperliche Nähe und auch die gesunde italienische Streitkultur gehören zu mir.» 

Mit Gesten und Mimik sowie seinen Brocken Italienisch versucht er bei der Konversation mitzuhalten. Seine Mamma beherrscht die Sprache, «aber bis zu meiner Generation kam es nicht. Mein Sohn redet besser Italienisch.» Denn die Mutter seines Dreijährigen stammt ebenfalls aus der Provinz Benevento. «Ein Riesenzufall! So schliesst sich der Kreis.»

Bligg 2018 Shooting SI Ausgabe 36
© Nicolas Righetti

Naturbursche: Den Aprikosenbaum erblickt Bligg als Erstes bei der Ankunft.

«Die Selbstversorgungskultur hat mein Nonno verinnerlicht»

Antonietta tischt neues Essen auf. Erst jetzt folgt der Hauptgang: Pasta! Fast alle Lebensmittel stammen aus ihrem Garten. Hinter dem Haus wachsen Gemüse und Früchte, gackern Hühner und grunzen Schweine. «Diese Selbstversorgungskultur hat mein Nonno verinnerlicht. Jahrelang pflegte er seinen Schrebergarten in Fällanden.» Auch Bligg hat bei sich Kräuter und Tomaten angebaut. 

Bligg 2018 Shooting SI Ausgabe 36
© Nicolas Righetti

Star-Gast: Kaum ist alles aufgegessen, realisiert Bligg: «Das war nur die Vorspeise!»

Nach ein paar Stunden ist «arrivederci» angesagt. Im Gepäck hat Bligg das Essen von Nonnos Bestell-Liste – mit leeren Händen darf der Enkel nicht heimkehren. Provolone-Käse, Anis-Guetsli, Carmelitas Limoncello, Rotwein, Salami.

Bligg 2018 Shooting SI Ausgabe 36
© Nicolas Righetti

Traum-Enkel: Anis-Guetsli für Nonno nicht vergessen!

Antonietta umarmt Bligg und nimmt ihm das Versprechen ab, sie bald wieder zu besuchen. «Ich komme auf jeden Fall wieder, wenn mein Sohn alt genug ist, dies zu realisieren und als Übersetzer amten kann.» Antonietta herzt ihn von Neuem. Bligg lacht: «Die Verabschiedung dauert ja länger als der ganze Besuch!»

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