Carlos Leal In Cannes: «Die VIPs bleiben unter sich»

Als einziger Schweizer Schauspieler reiste Carlos Leal, 41, am Wochenende nach Cannes. SI online begleitete ihn auf seinem Trip ans Filmfestival und sprach mit dem Star übers Filmgeschäft, das Leben in Los Angeles und Latino-Tauglichkeit.

Schweizer Illustrierte: Carlos Leal, Sie besuchen zum vierten Mal das Filmfestival in Cannes. Ihr Highlight in diesem Jahr?
Carlos Leal: Die Filmpremiere «This Must Be The Place» mit Sean Penn, der ebenfalls anwesend war. Später tauchte er auf der Filmparty auf, wie Antonio Banderas und Bono von U2 auch.

Wie fühlt es sich an, mit den grossen Stars zu feiern?
Ich war zwar an derselben Party, doch die VIPs sind abgeschirmt und bleiben unter sich. In Cannes sieht alles sehr glamourös aus, dabei geht es im Filmbusiness nur um eines: Geld, Geld und nochmals Geld. Gerade in Los Angeles spüre ich das besonders.

Sie versuchen seit bald einem Jahr, dort Fuss zu fassen. Wie läuft es für Sie?
Ich besuche wöchentlich Castings und bekomme von meiner Agentin gute Feedbacks. Gleich zu Beginn klappte es mit einer Gastrolle in einer Episode der Cop-Serie «Chaos», das lässt mich natürlich hoffen. Von einem solchen Auftritt ernähre ich meine Familie zwei Monate.

Gibt es Unterschiede zwischen amerikanischen und europäischen Castings?
Oh ja, in Amerika geht alles schneller. Oft bekomme ich den Text erst vor Ort in die Hand gedrückt und trage ihn Satz für Satz vor der Kamera vor. Gross schauspielern muss ich nicht – die Castingleute schauen nur auf den Ausdruck in meinen Augen. An dieses «kalte Lesen» musste ich mich erst gewöhnen. In Europa kann ich mich in der Regel mehrere Tage vorbereiten und dann eine ganze Szene vorspielen.

Für welche Rollen kommen Sie denn in Frage?
Ich kann den Latino-Typ verkörpern, der Englisch mit französischem oder spanischem Akzent spricht. Wobei ich auch schon für diese Rollen eine Absage bekam – die Sprache stimmte zwar, aber äusserlich bin ich Europäer und kein Latino. Deshalb versuche ich, mit einem Sprachcoach akzentfrei Englisch zu lernen – damit ich auch andere Rollen spielen kann. Ich mache mir aber keine Illusionen: Gut möglich, dass mir das nicht gelingt.

Wie frustrierend ist es, immer wieder Absagen zu bekommen?
Als ich aus Lausanne nach Paris zog, war es viel schlimmer. Ich kannte keinen und hatte nichts vorzuweisen. Jetzt bringe ich Erfahrung mit und kann besser damit umgehen. Aber klar, es gibt Tage, an denen ich meinen Job hasse. Gerade kürzlich wurden vier meiner Projekte gestrichen, weil das Geld fehlte. Da habe ich mich ernsthaft gefragt: Was mache ich hier überhaupt?

Klingt nach einer Midlife-Krise, oder?
Ja, mit 40 stellte ich mir die Frage, ob das, was ich tue, berechtigt ist. Und dann habe ich die Koffer gepackt, bin mit meiner Familie über den Ozean geflogen und habe hier ein komplett neues Leben angefangen. Wäre die Schauspielerei nicht meine ganz grosse Leidenschaft, hätte ich meine Zelte in Europa kaum abgebrochen.

Was sagte Ihre Frau zu dazu?
Sie liebt Los Angeles und hat mich ermutigt, diesen Schritt zu machen. Jetzt planen wir, unsere nächsten Jahre hier zu verbringen. Mein Sohn Elvis besucht bereits die Vorschule, spricht Englisch und Französisch. Er ist unglaublich aufgeweckt – ich vermisse ihn sehr, wenn ich unterwegs bin. Obwohl ich dank Skype täglich mit ihm spreche. Gerade hat er mir zehn Minuten lang sein neues Feuerwehrauto präsentiert.

Was können Sie von Ihrem Sohn lernen?
Mich nur auf den Moment zu fokussieren. Wenn er mir sein Feuerwehrauto zeigt, spielt alles andere für ihn überhaupt keine Rolle mehr. Darum geht es auch in der Schauspielerei: Den Moment zu verkörpern. Das liebe ich an diesem Job. Und deswegen raffe ich mich immer wieder auf, egal, wie harzig es gerade läuft.

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