Olympia-Legenden Chamot-Berthod, Figini & Frieden im Porträt

Die «Schweizer Illustrierte» will von Ihnen wissen, wer Ihr grösster Olympia-Held aller Zeiten ist. Damit Sie Ihren Favoriten noch besser auswählen können, stellen wir Ihnen die Nominierten näher vor. Heute: Madelaine Chamot-Berthod, Michela Figini und Tanja Frieden.

MADELAINE CHAMOT-BERTHOD, 81, SKI ALPIN
Der 1. Februar 1956 ist ihr grosser Tag. Der Waadtländerin Madeleine Berthod gelingt in Cortina d’Ampezzo die Abfahrt ihres Lebens. Mit über vier Sekunden Vorsprung auf Teamkollegin Frieda Dänzer kann sie ihr Glück kaum fassen. «Für mich als Bauernmädchen war schon die Teilnahme an Olympischen Spielen unglaublich», erzählt sie Jahrzehnte später. «Das war eine sehr familiäre Atmosphäre. Die ganze Schweizer Delegation, die Skifahrer, Hockeyaner, Bobfahrer trafen sich damals in Bern, bevor man mit dem Car nach Cortina fuhr. Auch jedes Essen wurde während der Spiele gemeinsam eingenommen.» Madeleine Berthod hatte nur zwei paar Ski für die ganze Saison zur Verfügung, eines für Slalom und Riesenslalom (2,05 m) und eines für die Abfahrt (2,15 m). Ihre Siegerski gab sie der Firma Authier in Bière zurück, wo sie allerdings in einem Grossfeuer verbrannten.

MICHELA FIGINI, 46, SKI ALPIN
«Michi», das Ski fahrende Wunderkind aus Prato-Leventina, gewann im Alter von 12 bis 14 Jahren sämtliche JO-Rennen, schlug meistens auch die älteren Buben. Als sie am 16. Februar 1984 in Sarajevo Abfahrts-Olympiasiegerin wurde und der Pfarrer nicht erreicht werden konnte, läutete Vater Miro Figini in Prato die Kirchenglocken höchstpersönlich. Figini gewann von 1983 bis 1990 mehr als zwei Dutzend Weltcup-Prüfungen und zweimal den Gesamt-Weltcup. Die Krönung: zweimal Gold und dreimal Silber an WM und Olympia. Doch nach Meinungsverschiedenheiten mit ihrem Trainer Jan Tischhauser sagte sie mit 25 Jahren Hals über Kopf «ciao». Sie heiratete den ehemaligen italienischen Skirennfahrer Ivano Camozzi, zog nach Italien und gründete eine Familie. «Ich habe zum richtigen Zeitpunkt aufgehört und bin mit dem, was ich heute mache, sehr glücklich», sagt sie. In Prato werden die Kirchenglocken seit 1990 wieder vom Pfarrer geläutet.

TANJA FRIEDEN, 36, SNOWBOARDCROSS
«Der Tag war, als hätte sich ein Blitz entladen. In der Nacht zuvor träumte ich von einer Medaille. Das heisst, eigentlich schlief ich keine Minute. Und dann kam das Rennen, in dem alles passierte, was im Boardercross passieren kann. Dass die Führende stürzt, ist keine Seltenheit. Eine kleine Unkonzentriertheit reicht, und du bist weg. Dieses Mal traf es Lindsey Jacobellis. Ich fuhr an ihr vorbei, riss vor dem Ziel die Arme hoch und war Olympiasiegerin. Es war irgendwie völlig ruhig. Ich weiss, dass ich jedes Geräusch exakt wahrnahm. Ein überschäumendes Glücksgefühl nahm von mir Besitz. Danach war es, als ob eine Staumauer eingebrochen sei. Ich konnte nicht mehr ruhig sitzen, wollte alles mit der Welt teilen, wollte etwas zurückgeben. Ich sprach mit allen, es sprudelte aus mir heraus. Später ging es in einem Polizeikonvoi Richtung Turin. Die Autobahn wurde für uns abgeriegelt. Es fühlte sich an, als schwebte ich ständig zwei Meter über Boden. Und dann erinnere ich mich an die Begeisterung in der Stadt, an die Tausenden von Fans. Ich wollte alle umarmen. Seit diesem Zeitpunkt weiss ich, wie sich ein Rockstar fühlen muss. Die Medaille hängt heute in einer Vitrine neben einer Original-Olympia-Fackel, die ich auf dem Graumarkt erstand. Ich habe ja verschiedene Pokale als Blumentopf missbraucht. Aber Olympia, das ist das richtige Ding, das ist das Höchste, das war die Vision und der Traum. Darum bin ich heute, was ich bin.»

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