«Das persönliche Interview» mit Chris von Rohr «Pflanze einen Baum und mache ein Kind»

Alt Rocker Chris von Rohr könnte ein Buch über sein Leben schreiben. Hat er jetzt auch. Im Interview verrät der Solothurner, was Uschi Obermaier in seinem Zimmer zu suchen hatte, was ihm ein schlechtes Gewissen macht und warum sein Leben nicht verfilmt werden kann.
Chris von Rohr Meh Dräck SVP Tochter Freundin Interview privat
© RDB/SI/Thomas Buchwalder

Die besten Texte und Kolumnen, die Chris von Rohr für die «Schweizer Illustrierte» verfasst hat, gibt es nun als Buch. 

Chris von Rohr, was in Ihrem Alltag müssten Sie aus ökologischer Sicht dringend verändern?
Vielleicht etwas weniger in der Weltgeschichte herumfliegen.

Bei wie viel Franken pro Liter Benzin wäre für Sie die Schmerzgrenze erreicht?
Ich gebe nächstens den Schein ab - Autofahren macht in keiner Hinsicht mehr Spass auf den Strassen dieses Landes.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Ich habe das grosse Glück, dass mein Beruf meine Berufung ist - meine Arbeit ist mein Glück! Sie erfüllt mich.

Als Sie Kind waren: Was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
Du sollst nicht rocken, Bub!

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern und Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Mir gefällt mein Wohnort, aber wenn wir es auf die Spitze treiben wollen: Beleuchtung London, Gebäude Rom, Clubs L.A., Luft und Wasser Zermatt.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie Ihren Teller nicht leer essen?
Ich hab ein schlechtes Gewissen, wenn ich zwei Teller leer esse!

Welche Musik soll an Ihrer Beerdigung gespielt werden?
Heute stehen folgende Songs zur Auswahl: «Little Wing» von Jimi Hendrix, das Requiem von Mozart und als Zugabe «What a Wonderful World» von Louis Armstrong.

Über welche Tat von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden?
Ich hoffe, meine Bücher und unsere Songs werden noch ein paar Generationen erfreuen - dafür gebe ich alles.

Lieber Gott: ein bisschen mehr Lang Lang, Pelé und Federer bitte

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? Und die dümmste?
Die beste: ein Kind mit der Mutter meiner Tochter zu zeugen. Die dümmste: damals zu glauben, wir harmoniesüchtigen, bescheidenen Schweizer hätten nur den Hauch einer Chance, mit abgebrühten amerikanischen Businessleuten erfolgreich zu verhandeln.

Welche Idee, welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben?
Ganz in L.A. zu leben und das Matterhorn zu besteigen.

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben? Welche keinesfalls?
Humor, Instinkt, Leidenschaft und Durchhaltewillen - weniger meinen Skorpionstachel und meine Handschrift!

Angenommen, der liebe Gott würde Sie neu designen: Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten soll er Sie erschaffen?
Ich würde gerne besser Tennis, Fussball und Klavier spielen - also, lieber Gott: ein bisschen mehr Lang Lang, Pelé und Federer bitte.

Welche Werke haben Ihr Leben massiv beeinflusst?
Die von Hesse, Goethe, Hunter S. Thompson, den Stones, Chopin, den Beatles, Tarantino, Scorsese und Polanski.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen? Wofür wird man uns loben? Wofür verurteilen?
Es war eine extrem kreative Zeit, vor allem die Sixties. Auch die Technologie machte sagenhafte Fortschritte, doch die Menschen waren nach wie vor Krieg führende, keulenschwingende Höhlenbewohner. Und sie trugen Mutter Erde wenig Sorge und verschuldeten sich ohne Augenmass.

Welche Pille sollte erfunden werden?
Die ohne Nebenwirkungen.

Falls Ihr Leben verfilmt wird: Welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen?
Das Leben eines nicht durchgedrehten, nicht drogensüchtigen, nicht prügelnden und dazu noch lebenden Rockmusikers und Autors zu verfilmen, ist kein Winner-Plot für DiCaprio und Co.

Ihr Spitzname als Kind?
Sitting Poulet

Als Sie 16 Jahre alt waren: Wie sah da Ihr Zimmer aus?
Boden: oranger Teppich, Bett: violett überzogen. An den Wänden die grosse Bierdeckelsammlung und ein Poster von Uschi Obermaier.

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
Es sind mehrere: Sei du selbst, mach das Unmögliche möglich, und lass dir nix gefallen, pflanze einen Baum, mach ein Kind, und schreibe ein Buch!

Ihr Spitzname als Kind?
Sitting Poulet.

Erinnern Sie sich an Ihren ersten Schulschatz?
Klar doch - sie war blond, hiess Yvonne und war die Mini-Brigitte-Bardot von Solothurn.

Wer ist Ihr bester Freund, Ihre beste Freundin?
Ich habe das wertvolle Glück, ein paar grossartige Freunde und Freundinnen zu haben. Das Beste, was einem passieren kann.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Einen Stein und ein originell verziertes Holzstück meiner Tochter.

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