«Ja, es ist ein heisser Stuhl» «Tatort»-Regisseur Dani Levy im persönlichen Interview

Es ist angerichtet: Regisseur Dani Levy serviert im aktuellen Schweizer «Tatort» den Zuschauern die Krimi-Kost. Sein Werk sorgte schon im Vorfeld für grosses Aufsehen: «Die Musik stirbt zuletzt» sei das Schlechteste, das die Serie je hervorgebracht hat. 
Dani Levy der Tatort Regisseur im persönlichen Interview
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Wagemutiger Visionär: Dani Levy ist Regisseur des wohl umstrittensten Schweizer Tatorts.

Dani Levy, mit «Die Musik stirbt zuletzt» realisieren Sie Ihren zweiten Schweizer «Tatort». Was ist die Faszination?
Das breite, begeisterte und neugierige Publikum. Jede Woche kriegen sie einen neuen Fall vorgeführt, der meist politisch, gesellschaftlich oder sozial veranlagt ist. Die existierende Marke ist auch ein Vorteil. Der Tisch ist für mich als Regisseur schon gedeckt, die Leute sitzen rundherum, und ich bringe ihnen das Essen.

Nicht alle mögen die gleiche Kost.
Die Leute lieben «Tatort». Und alles, was man liebt, kritisiert man auch. Das ist wie mit Kindern. Sie sollen sich benehmen. Werden sie wild und machen enttäuschende Dinge, werden die Eltern emotional. Aber ja, es ist ein heisser Stuhl und gerade das, was ich liebe.

Dani Levy der Tatort Regisseur im persönlichen Interview
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«Tatort»-Regisseur Dani Levy mit seinen Hauptdarstellern: Stefan Gubser (3 v. r.) alias Hauptkommissar Reto Flückiger und Delia Mayer (links) als Kommissarin Liz Ritschard.

Mut wird Ihnen attestiert: Im KKL haben Sie Ihre Folge an einem Stück – also in Echtzeit – gedreht. 
Es war die spannendste Art, die Geschichte, die während eines Livekonzerts spielt, zu erzählen.

Was bedeutet darin die Musik? 
Zuerst war sie für die Story unwichtig, dennoch war es mir wichtig, dass es tolle Live-Musik ist. Ich bin auf eine Liste jüdischer Komponisten gestossen, die im Nationalsozialismus noch komponiert haben und dann in den Konzentrationslagern umkamen. Es sind echte Fundstücke. 

In Ihrem «Tatort» spielt ein existierendes Orchester, das Jewish Chamber Orchestra Munich.
Ich wollte Authenzität, und wir brauchten ein Orchester, das nicht nur Musik, sondern auch eine Rolle spielt. Daniel Grossmann zeigte sich als Leiter und Dirigent von Anfang an so begeistert und hat wahnsinnig schön mit den Musikern gearbeitet.

Dani Levy Schweizer Tatort Christof Neracher
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In Levys «Tatort – Die Musik stirbt zuletzt» spielen Dirigent Daniel Grossmann und das Jewish Chamber Orchestra Munich im KKL mit. So, 5. 8. 2018, 20.05 Uhr, SRF 1.

Welche Musik hat Ihr Leben beeinflusst?
Jesses nei! Ich war ein Beatles-Kind. Uriah Heep und Black Sabbath waren gross. Später war ich Nirvana-Fan, und in den 80ern stand ich auf Reggae und Salsa. Und ich habe ein grosses Herz für Ethno-Musik. In der Klassik fand ich immer Spätromantik bis zum 20. Jahrhundert interessant. 

Sie dürfen Ihren Wohnort neu designen: Wie würden Sie das tun?
Ich fände Sydney in Süditalien toll mit der Coolheit und billigen Preisen von Berlin. Dazu eine voralpine Landschaft mit Gewässern und glücklichen Italienern.

Bildergalerie: So war Dani Levys erster «Tatort — Schmutziger Donnerstag»

Was für ein Gemüse wären Sie? 
Eine Mango, die schmeckt so gut. Oder eine Avocado, auch ein schöner Baum. Die Marihuana-Pflanze wächst ebenfalls schön.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie massiv glücklicher wären?
Um 30 Prozent. Wenn wir von einer 40-Stunden-Woche ausgehen, arbeite ich 150 Prozent. 

Als Sie Kind waren, was hat Ihre Mutter Ihnen da immer gesagt? 
«Tue doch nöd so frech!»

Wo am Körper tuts Ihnen weh? 
Im Moment am Nacken. Seit Monaten habe ich eine Verspannung.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen? 
Ja. Ich bin so ein berühmt-berüchtigter notorischer Restefresser und esse alles und überall auf. Furchtbar! 

Haben Sie einen Organspenderausweis?
Nein, und zwar eher aus Verdrängung. Ich bin total unreif im Umgang mit dem Tod. Ehrlich gesagt, habe ich bislang nichts gemacht, null vorgesorgt, kein Testament. Ich wünsche mir nur, dass sich jemand mit meinen Filmen beschäftigt und schaut, dass sie nicht verloren gehen. 

Über welche Tat oder Aussage von Ihnen wird man noch lange nach Ihrem Ableben reden? 
Meinen Humor, meine Freundlichkeit, Liebensfähigkeit. Das fände ich schon schön, wenn das übrig bleiben würde. 

Die bisher beste Idee Ihres Lebens? 
Sicher unsere zwei Kinder.

Dani Levy der Tatort Regisseur im persönlichen Interview
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Seine Hauptdarsteller: Die Dok-Filmerin Sabine Lidl, 48, hat Levy in Puerto Rico geheiratet. Sie haben zwei Kinder, Hannah, 19, und Joshua, 12.

 

Welchen Wunsch haben Sie endgültig begraben? 
Ich habe das Gefühl, dass ich nicht mehr Fussballnationalspieler werde. Wirklich schade. 

Welche Ihrer Eigenschaften möchten Sie Ihren Kindern vererben?
Ich fände toll, wenn meine Kinder selbstbewusst und glücksfähig sind und das geniessen können, was sie im Hier und Jetzt haben. 

Und welche nicht?
Ich bin manchmal ein Jammeri, was ich sehr unsexy an mir finde. Ich habe die Tendenz, Dinge zuerst tragischer und dramatischer zu machen, als sie eigentlich sind.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen?
Tanz auf dem Vulkan. 

Welche Pille gehört erfunden? 
Eine Antirassismus-Pille. 

Ihr Spitzname als Kind? 
Ich war immer Dani – und irgendwann ab 1984 Peperoni (lacht lange). Meine Frau findet es wahnsinnig lustig, dass ich in der Schweiz mal so berühmt war.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welcher Schauspieler soll die Hauptrolle spielen? 
Der junge Dustin Hoffman.  

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut? 
Ich habe zum 60. Geburtstag einen sehr schönen Brief von meiner Tochter Hannah gekriegt.

Der «Tatort — Die Musik spielt zuletzt» läuft heute Sonntag, 5. August um 20.05 Uhr auf SRF 1.

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