Das persönliche Interview mit Daniela Ryf «Vor dem Rennen ass ich Babybrei»

Heute ist sie «Angry Bird», früher war sie «Ryfli». Daniela Ryf hat viele crazy Schnappschuss-Ideen. Die beste: Ironman-Triathletin zu werden. Jetzt ist die 30-Jährige dreifache Ironman-Weltmeisterin. Nach dem Sieg auf Hawaii am Sonntag trainiert sie schon wieder. Und sagt: «Ich kann noch besser werden.»
Daniela Ryf Ironman
© Geri Born

Nach dem härtesten Triathlon der Welt – wo am Körper tuts Ihnen weh?
Überall! Ich habe starken Sonnenbrand, Beine und Füsse schmerzen. Aber es könnte schlimmer sein, Blasen haben ich keine, nur blaue Zehennägel.

Um wie viel Prozent müssten Sie Ihr Arbeitspensum reduzieren, damit Sie glücklicher wären?
Gar nicht. Ich schätze mich glücklich, dass ich mein Hobby überhaupt als Beruf ausüben kann.

Warum haben Sie am Tag nach dem Ironman schon wieder trainiert?
Training kann man das nicht nennen. Aber ich bin zwei Kilometer geschwommen, ja. Velofahren oder rennen ist nicht optimal, aber im Wasser zu sein, tut gut.

Was tun Sie sonst noch für die Regeneration?
Ich benutze verschiedene ätherische Öle. Vor dem Rennen reibe ich zur Aktivierung Rosmarin-Öl ein, jetzt Lavendel-Öl. Das hilft gegen Sonnenbrand, und die Muskeln erholen sich schneller.

Was gabs bei Ihnen vor und während dem Rennen zu essen?
Davor musste ich improvisieren, weil ich so nervös war. Babybrei ging runter. Unterwegs gabs viel Flüssiges: Kohlenhydratgetränke und Gels. Dazu schwarze Schoggi. Ich habe fast doppelt so viel gegessen wie sonst, weil ich mich auf dem Velo so energielos fühlte.

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Rosenkohl.

Sie studieren Ernährungswissenschaften: Welches Produkt würden Sie gerne einmal herstellen?
Für den Ironman: Glace-Pops oder gefrorene Bananenstücke. Sonst: Mood-Food, Nahrungsmittel, die die Laune beeinflussen – in Kombination mit ätherischen Ölen.

Haben Sie ein schlechtes Gewissen, wenn Sie den Teller nicht leer essen?
Passiert fast nie. Und wenn die Augen mehr Hunger haben als der Magen, teile ich mit anderen.

Als Sie Kind waren, was haben Ihre Eltern Ihnen da immer gesagt?
Nicht unbedingt gesagt, aber vorgelebt: dass man im Leben nichts geschenkt bekommt. Ich musste mein Taschengeld verdienen. Bei meinem Stiefvater im Werkzeugbau habe ich in den Ferien an den Maschinen gearbeitet. Und mein Mami liess mich immer machen, sodass ich früh Selbstständigkeit lernte. Dafür bin ich sehr dankbar.

Daniela Ryf
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Mami Ursula und Stiefvater Urs unterstützen Daniela in Hawaii, wo sie auf ihrem Felt-Bike wie schon 2016 allen davonfährt.

Welcher Film hat Ihr Leben beeinflusst?
«Lion King» (lacht). Den habe ich als Kind geliebt.

Die bisher beste oder dümmste Idee Ihres Lebens?
Ich habe viele crazy Ideen. Schnappschuss-Ideen. Die verrückteste und zugleich beste war, mit Ironman anzufangen.

Heute werden Sie «Angry Bird», genannt, wie lautete ihr Spitzname als Kind?
Ryfli!

Als Sie Teenager waren, wie sah da Ihr Zimmer aus?
Ich hatte ein paar Backstreet-Boys-Poster aufgehängt. Sonst war es schlicht.

Falls Ihr Leben verfilmt wird, welche Schauspielerin soll die Haupt-rolle spielen?
Sie müsste recht sportlich sein (lacht). Wie Jessica Biel – das wäre mir eine Ehre.

Sie dürften Ihren Wohnort neu designen: Aus welchen Städten, Dörfern oder Landschaften setzen Sie ihn zusammen?
Meine Heimat Feldbrunnen finde ich ziemlich perfekt. Den Nebel würde ich streichen und noch den Walensee danebensetzen.

Sie würden wiedergeboren: mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten?
Ich bin froh, dass ich das nicht entscheiden muss. Jeder Mensch hat etwas, worin er gut ist. Im Leben geht es darum, das zu finden und zu fördern.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen?
Man wird uns wahrscheinlich für den technologischen Fortschritt loben und für den unökologischen Lebensstil kritisieren.

Welche Pille gehört erfunden?
Eine, die das Gute hervorbringt und das Bösartige in gewissen Menschen abschaltet.

Der beste Ratschlag, den Sie je bekommen haben?
Von meinem Trainer Brett Sutton: Dass ich den Weg als Athletin geniessen soll und nicht nur das Ziel.

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Coach Brett Sutton, bei dem Ryf seit vier Jahren trainiert, fiebert diesmal von zu Hause aus mit.

Wer ist Ihre beste Freundin?
Mädi. Sie ist auch bei den Rennen immer meine Betreuerin.

Über welches Geschenk haben Sie sich zuletzt gefreut?
Über einen Flaschenöffner von meinem Mami in Hawaii, denn zwei Tage vor dem Rennen gibts immer ein Glas Rotwein zum Znacht. Und über eine riesige Schoko-Trophäe bei einem Interview.

Welchen Traum haben sie endgültig begraben?
Keinen. Auch im Sport habe ich noch Träume und Ziele. Ich glaube, ich kann immer noch besser werden.

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