Das persönliche Interview mit Engel Ramona «Wir formen Tiere aus Wolken»

Vom Himmel aus hört und sieht Engel Ramona auch ohne Handy alles. In der Weihnachtszeit kommt sie auf die Erde, um dem Samichlaus im Märlitram zu helfen und Kindern mit Sternenstaub Wünsche zu erfüllen. Sie selber wäre gern für einen Tag ein Mensch, «um Guetsli zu backen».
Das persönliche Interview mit Engel Ramona
© Thomas Buchwalder

Himmlisch: Bis Heiligabend fährt Engel Ramona am Zürcher Bellevue im Jelmoli-Märlitram.

Engeli Ramona, in der Weihnachtszeit arbeitest du auf der Erde im Märlitram. Wie kamst du dazu?
Der Samichlaus hat uns Engel um Hilfe gebeten. Nun erzählen wir den Kindern Geschichten und lassen mit dem Sternenstaub Träume wahr werden.

Magst du es, auf der Erde zu sein?
O ja! Wenn wir vom Himmel auf die Erde fliegen, sehen wir den ganzen Glanz und wie es überall funkelt, die Menschen sind verzaubert. Das ist wunderschön.

Was machst du sonst im Jahr?
Ich putze und schrubbe die Sterne. Ein anderer Engel fliegt unter den Sternen durch und fängt mit einem grossen Sack den Sternenstaub ein. Den packen wir in kleine Säckli und bringen ihn mit ins Jelmoli-Märlitram. Mit dem Sternenstaub-Lied tupfen wir ihn den Kids auf die Nase. Dabei müssen sie ihre Augen geschlossen halten und sich fest was wünschen.

Um wie viel Prozent müsstest du dein Arbeitspensum reduzieren, damit du massiv glücklicher wärst?
Wir können uns das Pensum ein bisschen aufteilen. Wenn wir die Sterne gut putzen, dann leuchten sie besser und länger. Dann haben wir weniger Arbeit.

Das persönliche Interview mit Engel Ramona
© Thomas Buchwalder

Den Kindern erzählt Engel Ramona Geschichten und verteilt Engelsguetsli.

Wie sieht dein Zimmer aus?
Ich suche mir jeden Abend eine neue Wolke. Aber sie ist immer sehr weiss und sehr weich.

Was für ein Hintergrundbild hat dein Smartphone?
Ich habe kein Handy, denn der Himmel ist nicht digitalisiert.

Du darfst deinen Wohnort neu designen: Wie würde er aussehen?
Ich würde gerne in einem Eispalast leben, der mit viel glitzerndem Sternenstaub verziert ist. Das i-Tüpfelchen wäre, wenn er auf einer Wolke schweben würde.

Welches Gemüse sollte verboten werden?
Als Engel esse ich nicht, da ich keinen Hunger oder Durst habe. Ich stelle mir jedoch Rüebli sehr fein vor – hätte aber bestimmt lieber Guetsli als Gemüse!

Und was für eine Frucht wärst du?
Eine Erdbeere – sie sieht rot und fruchtig aus. Ich glaube, sie ist sehr süss.

Als du klein warst, was haben die Grossen dir da immer gesagt?
Sorg dafür, dass die Kinder glücklich und die Sterne sauber sind.

Wo am Körper tuts dir weh?
Manchmal an den Flügeln, weil die Kinder an ihnen ziehen. Das mag ich nicht.

Das persönliche Interview mit Engel Ramona
© Thomas Buchwalder

Sogar die passenden Schuhe hat Engel Ramona.

Über welche Tat oder Aussage von dir wird man noch lange reden?
Hoffentlich darüber, dass mithilfe des Sternenstaubs alle Wünsche in Erfüllung gegangen sind.

Bist du manchmal ein Bengeli?
Ich glaube nicht, denn sonst hätte ich meinen Heiligenschein schon längst verloren.

Deine bisher dümmste Idee?
Sterne herumschmeissen, denn manchmal fällt dabei einer runter und geht kaputt. Dann gibt es Sternschnuppen. Die Kinder können sich dann etwas wünschen, aber wir bekommen von den grossen Engeln Schimpfis.

Und deine beste Idee?
Dem Samichlaus im Märlitram zu helfen. Auf der Erde hat er uns aber Flugverbot erteilt, weil die vielen Tramleitungen und Bäume zu gefährlich sind. Sein Bart kitzelt, wenn wir nicht gehorchen.

Mit den Eigenschaften welcher Berühmtheiten sollte Gott dich neu erschaffen?
Ich würde gerne Geschenke verteilen können wie das Christkind oder die Gabe eines Schutzengels haben. Manchmal, wenn die Eltern ihre Kinder zu spät abholen, beschütze ich sie beim Warten.

Welche Musik und welcher Film haben dein Leben beeinflusst?
Kindergesang! Und statt Filme schaue ich lieber von den Wolken runter oder fliege an Häusern vorbei. Dann sehe ich die Kids beim Backen oder Spielen. Das ist spannender.

Was wird man in hundert Jahren über die aktuelle Epoche sagen?
Die Welt ist auf eine schöne Art modern geworden. Jeder kann mit jedem und überall kommunizieren – etwas, was wir Engel schon lange können. Aber die Technologie sorgt auch dafür, dass manche Kinder lieber am Computer als mit Gspänli spielen.

Ein junger Fahrgast gab mir einen selbst gebastelten Engel

Welche Pille gehört erfunden?
Eine, die mich einen Tag Mensch sein lässt. Dann könnte ich mit einer Familie Guetsli backen.

Hast du ein Tattoo?
Ich weiss nicht, was das ist. Mir hat noch kein Kind davon erzählt.

Der beste Rat, den du je bekamst?
Nicht zu lügen, denn sonst verliere ich den Heiligenschein.

Wer sind deine Freunde?
Chantal und Denise. Wir spielen und singen zusammen. Kinder bauen Schneemänner, wir formen Tiere aus Wolken.

Welches Geschenk hat dich zuletzt erfreut?
Ein junger Fahrgast gab mir einen selbst gebastelten Engel.

Was machst du an Weihnachten?
Ich bin im Jelmoli-Märlitram. Und am Abend gehen wir zurück in den Himmel, singen und erzählen den kleinen Engeln Geschichten.

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