Tamy Glauser, Marco Kunz & Co. zum Klimastreik Promis im Verhör: Wie geht Jetset mit grünem Gewissen?

Am weltweiten Klimastreik vom 15. März machen Menschen auf den Klimawandel aufmerksam. Wir nehmen 5 Prominente ins Verhör: Wie vereinbaren sie ihre vielen Reisen mit ihrem grünen Gewissen?
Tamy Glauser 2019
© Getty Images

Tamy Glauser, 34, Model

«Kleider kaufe ich secondhand»

Tamy Glauser, wie oft sitzen Sie im Flugzeug?
Viel seltener, als man denkt. Ich bewege mich zwischen Zürich, Paris und London. Das geht per Zug. 

Sie ernähren sich vegan. Hat das klimatechnische Gründe?
Auch, ja. Wussten Sie, dass Verkehrsmittel einen kleineren CO2-Ausstoss haben als die Fleisch- und Milchproduktion? Ich esse auch keinen Fisch und trage so nicht zur Ausbeutung der Meere bei.

Leben Sie auch sonst klimabewusst? 
Auf jeden Fall. Ich bin oft mit dem Velo, zu Fuss oder mit den ÖV unterwegs. Wenn ich das Haus verlasse, stelle ich den Strom ab. Und Kleider und Möbel kaufe ich secondhand oder auf dem Flohmarkt. 

Worauf achten Sie beim Lebensmittelkauf? 
Ich vermeide Plastik, wos geht. Leider sind Bio-Produkte oft in Plastik eingewickelt. 

Nicht alle leben so vorbildlich …
Jede und jeder soll dort anfangen, wo sie oder er kann. Jetzt sind Politik und Wirtschaft in der Pflicht, uns Bürgern ein klimafreundliches Leben zu erleichtern. 

«Ich spende die Hälfte des Preisgeldes»

Daniel Yule 2019
© david birriYule, 26, Skirennfahrer

Daniel Yule, wie sehr beschäftigt Sie der Klimawandel? 
Stark, ich bin direkt damit konfrontiert. Wir besprechen das in der Familie und im Ski-Team. Wir sehen mit eigenen Augen, wie sich die Natur verändert. Als wir als Kinder im Sommer auf dem Gletscher trainierten, war alles noch schön schneebedeckt, heute gibt es fast nur noch Steine.

Als Spitzensportler leben Sie nicht gerade ökologisch.
Das ist so. Auch das beschäftigt mich. Ich weiss, dass ich jobbedingt, mit den vielen Flügen etwa, nicht perfekt bin. Es ist ein Konflikt, mit dem ich leben muss. Ich versuche, das an anderen Orten zu kompensieren.

Wie machen Sie das konkret? 
Ich esse viel weniger Fleisch, kaufe regional und saisonal ein, wenn ich zu Hause bin. Und ich habe vor, auf unserem Dach Solarpanels zu installieren. Zudem werde ich die Hälfte meines Preisgeldes der letzten zwei Weltcuprennen an Protect Our Winters Schweiz spenden. Die Non-Profit-Organisation setzt Umweltschutzprojekte um und mobilisiert die Outdoor-Gemeinschaft gegen den Klimawandel.

«Fliegen müsste teurer sein»

André Lüthi 2019
© Alexandra Pauli

André Lüthi, 58, CEO Globetrotter

Herr Lüthi, Sie leben von und fürs Reisen. Wie steht es um Ihr ökologisches Gewissen?
Ob ich fliege, Produkte aus Asien wie Kleider oder Elektronik kaufe, auf von dieselfressenden Pistenfahrzeugen präparierten Skipisten fahre, mit dem Auto unterwegs bin – das Wissen und Gewissen rund um die Emissionen ist da; doch irgendwie bin ich überfordert – wie vermutlich wir alle.

Kann man klimaschonend reisen?
Ja. Indem man länger reist, dafür weniger. Kurztrips sind das Problem. Zwei Tage nach London, drei Tage nach Paris – nur weil es günstig ist. Fliegen müsste teurer sein. Dennoch ist es nur ein Teil des Problems. Der weltweite Fleischkonsum belastet die Umwelt mehr als alle Flugzeuge zusammen.

Braucht es eine Flugsteuer?
Ich glaube kaum, dass man das politisch lösen kann. Die grösste Macht hat jeder Einzelne. Es braucht aber mehr Bewusstsein – bei den Airlines und den Reisenden. Bei Globetrotter ver- suchen wir die Kunden zu überzeugen, dass eine lange statt vier kurze Reisen viel nachhaltiger für den Planeten und die Seele sind.

«Ich achte auf kleine Dinge»

Manuela Frey 2019
© Geri Born

Manuela Frey, 22, Model

Manuela Frey, als Model sitzen Sie oft im Flugzeug. Haben Sie ein schlechtes Gewissen?
Das Fliegen ist nun mal Teil meines Jobs, mit dem ich mein Geld verdiene. Es geht nicht anders. 

Wie gleichen Sie das aus?
Ich unterstütze Klimaschutzprojekte und Massnahmen zur Reduzierung unnötiger CO2-Emissionen. 

Wie klimabewusst leben Sie im Alltag?
Ich versuche, auf die kleinen Dinge zu achten. So vermeide ich Plastikflaschen und Pappbecher, benutze Energiesparlampen oder hänge die Wäsche auf, statt sie in den Trockner zu schmeissen. Zudem dusche ich, statt zu baden, und lasse keine Elektrogeräte sinnlos im Stand-by-Modus laufen. 

Achten Sie auch beim Essen auf die Umwelt? 
Dort am meisten. Ich esse kein Fleisch, kaufe regional, und in meinem New Yorker Zuhause koche ich mit Gas. 

Was könnten Sie noch verbessern? 
Ich habe eine Leidenschaft für Sportautos. Da würde ich gern in Zukunft auf nicht fossile Brennstoffe umsteigen.

«Fan-Shirts sind nachhaltig»

Marco Kunt 2019
© AUERFOTO.CHKunz, 33, Musiker 

Marco Kunz, wie umweltbewusst leben Sie auf einer Skala von 1 bis 10?
Ich würde sagen, eine 7. Das Reisen zieht mich runter. Da habe ich auch ein schlechtes Gewissen, obwohl ich jeden Flug kompensiere.

Wenn Sie auf Tour sind, dürfte Ihr CO2-Verschleiss hoch sein … 
Das versuchen wir auszugleichen, indem wir möglichst gemeinsam und auch mal per Zug anreisen. 

Könnten Sie sich vorstellen, vegan zu leben?
Ganz auf tierische Produkte könnte ich wohl nicht verzichten. Aber gerade vor Auftritten ernähre ich mich meist vegetarisch. In meinem Kleider- und Schuhschrank gibt es tatsächlich einige vegane Sachen. Und die Fan-Shirts, die wir an Konzerten verkaufen, stammen aus nachhaltiger Produktion.

Wen sehen Sie am meisten in der Pflicht in Sachen Klimaschutz?
Mich enttäuscht, dass die Politik die Verantwortung gern auf die Bürger abschiebt, statt auch mal zu handeln. Es will sich niemand die Finger verbrennen, weil Änderungen zwingend irgendwem wehtun. Aber wenn nicht jetzt, wann dann?

Auch interessant