Yangzom Brauen «Das Züri Fäscht ist mein grösster Konkurrent»

Ab Donnerstag läuft ihr erster Film in den Schweizer Kinos - ein Herzensprojekt, in das sie viel Energie investierte. Mit SI online spricht Yangzom Brauen über den speziellen Moment der Europapremiere, über die grössten Herausforderungen ihres Regiedebüts - und: über Quark und Landjäger.

SI online: Yangzom Brauen, bei «Who killed Johnny» führten Sie erstmals selbst Regie. Blut geschwitzt vor der Europa-Premiere am Montag in Zürich?
Yangzom Brauen: Oja, ich war aufgeregter als sonst. Als Schauspielerin an einer Premiere zu sein, ist wesentlich entspannter. Da gehe ich über den Roten Teppich, stehe für ein paar Bilder hin und geniesse einfach den Film. Alles mit mehr Distanz. «Who killed Johnny» ist mein erster eigener Streifen, quasi mein Baby. Auf den Moment der Premiere habe ich lange hingearbeitet. Und weil das Marketingbudget fehlt, sind wir auf die Resonanz angewiesen.

Feuertaufe bestanden?
Die Reaktionen waren sehr positiv.

Das heisst?
Ein sympathischer Film, sagte man mir. Mit einer guten Idee. Durchgeknallt und positiv überraschend. Ich bin erstaunt, wie gut die Kritiken sind.

Weshalb? Gingen Sie vom Schlimmsten aus?
Wer als Schweizer einen Film im Ausland dreht, erntet sowieso Kritik. Aber den Leuten gefällt anscheinend die Idee des Films. Dass wir Auslandschweizer uns überspitzt darstellen, uns selbst auf die Schippe nehmen, kommt an.

Zur Premiere kamen die Auslandschweizer Carlos Leal, Melanie Winiger und Co. extra nach Zürich.
Das war komisch, plötzlich alle hier in der Schweiz wieder zu treffen. Ein total schönes Wiedersehen. Schön, wie die Welt plötzlich klein wird.

Was vermissen Sie in Ihrer Wahlheimat?
Kleine und banale Dinge, Produkte wie Quark zum Beispiel. Oder Landjäger. Wenn ich in der Schweiz bin, liebe ich es, im Migros oder Coop einzukaufen. Dann erinnere ich mich, was es ja noch alles gibt. Und ich schaue alles ganz genau an, von der Papeterie bis zum Shampoo. (lacht) Hier ist alles übersichtlicher, kleiner. In den USA habe ich dreissig Sorten Milch zur Auswahl, hier vielleicht vier.

Wo liegt inzwischen Ihre Heimat - hier in der Schweiz oder in den USA?
Heimat ist für mich nicht länderbezogen. Heimat ist dort, wo gerade mein Lebensmittelpunkt ist. Und der liegt zurzeit nun einmal in L.A. Bin ich aber in der Schweiz - etwa drei Mal pro Jahr - fühle ich mich sofort wieder zu Hause. Meine Familie ist hier, in Bern und Zürich ist alles so vertraut.

Wie lange bleiben Sie?
Bis nächste Woche. Bis dahin bin ich für den Film unterwegs und gebe viele Interviews. Zwei Tage werde ich aber noch privat in Bern verbringen, um meine Familie zu sehen.

Bei schönstem Wetter in der Schweiz.
Ja. Und gleichzeitig ist das sonnige Wetter die grösste Konkurrenz für meinen Film. Und das «Züri Fäscht» am Wochenende. Ich hoffe, ich kann trotzdem Leute ins Kino bewegen. Dafür haben wir eigenhändig in Zürich und Bern Plakate aufgehängt und Flyer verteilt. 

Dann wäre das vergangene Wochenende idealer für den Filmstart gewesen? Da hats geregnet.
«World War Z» war da aber frisch in den Kinos - gegen diesen Hollywood-Blockbuster hätten wir keine Chance gehabt. Dieses Wochenende ist zwar nicht die beste Ausgangslage. Aber ich bin ja nur schon dankbar, dass mein Film überhaupt in den Kinos zu sehen ist.

War das mitunter die grösste Herausforderung - Ihren Film in die Kinos zu bringen?
Ja. Drehen, schneiden und fertigbringen war noch das einfachste. Einen Verleih zu finden hingegen sehr schwierig. Das war völlig neu für mich. Was muss ich da genau machen? Welche Leute angehen? Alles war «learning by doing». Ich bin sehr froh, am Ende einen Verleih gefunden zu haben.

Für die Postproduktion mussten Sie noch Geld per Crowdfunding sammeln. Wie oft haben Sie in den vergangenen Monaten gebibbert, dass Ihr Projekt scheitert?
Gebibbert nie. Ich habe zwischendurch ja noch geheiratet, so kam ich gar nicht gross dazu, übers Scheitern nachzudenken. Und am Ende habe ich das Geld ja zusammengekriegt. Es lief zwar harzig an, doch die letzten drei Tage vor Ablauffrist ging die Post ab.

Etwa 29'000 Dollar sind zusammengekommen. Wissen Sie, von wem das Geld kommt?
Ja, ich kenne die Namen, es sind viele Schweizer darunter. Und es waren sowohl kleinere als auch grosse Beiträge, die gespendet wurden. Von 5 Dollar über 100 bis hin zu 10'000. Viele haben in den Medien davon gelesen und daraufhin beschlossen, das Projekt zu unterstützen.

Eine Garantie für den Erfolg des Film ist das aber noch nicht.
Man hat nie einen Garant. Ausser du hast Brad Pitt oder einen anderen Weltstar an Bord. Aber wir Schweizer sind nun mal keine Hollywood-Stars.

Dennoch planen Sie schon den zweiten Teil von «Who killed Johnny»?
Ja, wir haben eine Fortsetzungsidee. Alle Hauptfigruen sind wieder dabei. Dieses Mal gibts einen Roadmovie, wir fahren nach Mexiko. Und dieses Mal sollte alles einfacher werden. Schliesslich habe ich mit dem ersten Teil schon etwas vorzuzeigen.

«Who killed Johnny»: Ab 4. Juli in den Schweizer Kinos

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