David Lama Der Extrem-Kletterer erobert den Berg & die Kinoleinwand

Wunderkind David Lama bestieg als erster Mensch den Cerro Torre im Freikletterstil. Jetzt sorgt der 23-Jährige mit seinem Kinohit für Herzflattern.

Roter Fels, der sich von blauem Eis abhebt. «Schrei aus Stein» nennt Reinhold Messner die 3133 Meter hohe Granitnadel des Cerro Torre im Süden Patagoniens. Der zerklüftete Eisgipfel sieht aus wie geschmolzene Engelsflügel. Als ob der Teufel beim Erschaffen seine Finger mit im Spiel gehabt hätte. Seit den ungeklärten Geschehnissen bei der Erstbesteigung ist der Tod ein ständiger Begleiter am «unmöglichen Berg». 2009 ist die Sensation perfekt. Der damals 19-jährige Österreicher David Lama erklärt: «Ich will da rauf - ohne Haken!»

«Die Kompressorroute frei zu meistern, ist eine Wahnsinnsleistung», sagt Stephan Siegrist, 42. Der Spitzenalpinist aus Ringgenberg bei Interlaken beging zweimal die Ferrari-Route. «Der Cerro Torre ist nicht nur einer der schwierigsten Berge der Welt - er ist ein Mythos.» Nach zwei gescheiterten Versuchen und viel Medien-Häme erreichen David Lama und Peter Ortner am Abend des 21. Januar 2012 den Gipfel. Ortner zieht sich nackt aus, hüpft auf und ab. Und Lama? Der sagt: «Ich spüre ein wenig Traurigkeit in mir, die das Glück überlagert, wie immer, wenn ein langes, ermüdendes Vorhaben zu Ende geht.» Warum tut ein Mensch sich das an? Antworten gibt Lama im packenden Dokumentarfilm «Cerro Torre - Nicht den Hauch einer Chance», der ab dem 27. März in den Kinos für Adrenalin sorgt.

Der Star der Stunde strahlt Lockerheit und Ruhe aus, die auch später beim Kletterplausch in Lungern OW mit seinem Freund und Bergpartner Stephan Siegrist beeindruckt. Davids Grossvater war ein nepalesischer Mönch, sein Papa ein Sherpa aus dem Himalaja. Dieser siedelte mit seiner Mutter, einer Krankenschwester, nach Österreich über. Das Talent, mit der Wand zu verschmelzen, seine Furchtlosigkeit, sein Gleichgewichtsgefühl und die mentale Stärke machen David Lama zu einem Ausnahmetalent im Sportklettern.

Seit 2010 gilt die Konzentration des Jugend-Weltmeisters und Europameisters im Bouldern dem Alpinismus. Mit Stephan Siegrist gelingt ihm 2011 mit Yoniverse eine neue Route auf den Cerro Kishtwar (6155 Meter, 85 Grad steile Eiskletterei). 2013 sorgt der sanfte Sonnyboy, der in Innsbruck lebt und eine Freundin hat, mit seinem Alleingang der Route Mittelpfeiler an der Sagwand im Valsertal für Aufsehen. Im Mai ruft Pakistan. Am Masherbrum will er durch die Nordostwand steigen. «Dieser Berg ist noch spektakulärer, noch gefährlicher», sagt Lama und lacht. «Ein Cerro Torre, der auf der Eiger-Nordwand steht.»

«Cerro Torre - Nicht den Hauch einer Chance»: 27. März in den Kinos

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