«Der Bestatter» Mike Müller im Interview «Klar rede ich ab und zu drein»

Am 2. Januar startet «Der Bestatter» in die 6. Staffel. Im Interview spricht Schauspieler Mike Müller über die Krimiserie, Schwangerschaften und warum «No Billag» ein No-Go ist.
Bestatter Mike Müller Interview
© Thomas Schuppisser

Ab dem 2. Januar ist Mike Müller wieder als Bestatter Luc Conrad im SRF zu sehen.

Mike Müller, Bestatter Luc Conrad sagte am Schluss der 5. Staffel von sich und Kommissarin Anna-Maria Giovanoli: «Wir sind schwanger.» Was erwartet uns diesbezüglich in Staffel 6?
Nichts. Das war ein Witz. Eine allfällige Schwangerschaft Anna-Marias ist in der Tat immer wieder ein Thema. Aber Barbara Terpoorten und ich finden, dass das der Handlung schlecht bekäme.

Von den Figuren erfährt man wieder die eine oder andere private Sache. Hilft das dem Plot?
Ja, wenn man es nicht übertreibt. Oft weisen Figuren in modernen Serien schon fast psychotische Seiten auf, mit wahnsinnig viel Backstory. Wenns die Geschichte vorantreibt, super – wenns nur Ornament ist, weglassen! Aber klar, ein aristokratischer Ermittler wie Derrick käme beim heutigen Publikum nicht mehr an.

«Der Bestatter» hat jetzt sechs Staffeln auf dem Buckel. Wie hat sich die Serie entwickelt?
Punkto Dialog und Erzählweise ist vieles gelaufen. Man kennt die Figuren inzwischen und kann sie auch mal belasten. Zu Beginn einer Serie hat man die Freiheit, die Figuren zu gestalten. Man legt aber auch eine Linie für später. Dafür muss dann nicht mehr jedes Detail erklärt werden, weil man die Figuren ja kennt.

Man munkelt, dass Sie an den Drehbüchern selber mitschreiben.
Nein, der kreative Job gehört dem Headwriter und den Autoren. Natürlich rede ich ab und zu mal drein, gebe Feedback oder weise auf Dinge hin. Aber beim Plot halte ich mich zurück. Ich will mich auch überraschen lassen, was mein Alter Ego alles anstellt und ausheckt.

Bestatter Mike Müller Interview
© Thomas Schuppisser
Blick in die Zukunft: «Wenn es eine 7. Staffel gibt, bin ich gern wieder dabei», sagt Mike Müller, 54.

In der 6. Staffel erhalten die Episodenfälle wieder etwas mehr Gewicht, der staffelübergreifende Fall rückt eher in den Hintergrund.
Genau. Das war ein Entscheid des Senders. Man wollte wohl wieder mehr Genres bedienen. Ich persönlich hätte mich gerne mehr auf den horizontalen Fall fokussiert. Aber letztlich kommts darauf an, wie intelligent man es löst.

Die 5. Staffel war da mutiger.
Stimmt. Aber das war auch eine wirklich starke Staffel. Und einen einzigen Fall über sechs Episoden aufrechtzuerhalten, ist ungleich anspruchsvoller für die Autoren.

Bei «Wilder» hat das ziemlich gut funktioniert, oder?
Wir schauen schon etwas neidisch auf «Wilder». Da waren tolle Kollegen am Werk. Sie hatten den Mut, einen ausschliesslich horizontalen Fall zu erzählen, was man sich am Dienstagabend nun wirklich nicht gewohnt ist. Das ist modern, aber auch riskant. Doch es hat sich gelohnt. Und der Erfolg von «Wilder» kam zum richtigen Zeitpunkt. Das Schweizer Fernsehen hat am richtigen Ort investiert.

Schweizer Pudding gäbe es keinen mehr, so viel ist klar

Sie sprechen die «No Billag»-Initiative an?
Ja. Heute hat mich schon wieder ein «No Billag»-Befürworter argwöhnisch gefragt, wo «Der Bestatter» denn im internationalen Ranking so stehe. Ohne zu wissen, dass international wohl 8 von 10 Serien scheitern. SRF hat jetzt zwei Krimiserien am Start, die beim Publikum exzeptionell funktionieren. Und selbst wenn jetzt «Wilder» oder «Der Bestatter» gescheitert wäre, wäre das kein Argument für die Initiative.

Wird der Erfolg der beiden Krimiserien helfen, die Initiative abzulehnen?
Das hoffe ich. Es zeigt vor allem auch, dass die SRG die Kohle nicht einfach zum Fenster rausschmeisst für irgendeinen Mist, sondern dass der Bereich Fiktion bei SRF seriös arbeitet. Hinzu kommt, dass «Der Bestatter» im internationalen Vergleich eine sehr kostengünstige Serie ist. Und eines sage ich Ihnen: Wenn die Initiative durchkommt, gibt es keine Schweizer Serien mehr. Jeder Verleger, der etwas anderes behauptet, ist ein Lugihung.

Was würde das für die Schweiz bedeuten?
Dann haben wir nur noch EU-Pudding. Aus der EU kommt zwar wahnsinnig guter Pudding. Etwa aus Skandinavien, Grossbritannien und jetzt auch aus Italien. Haben Sie «Suburra» gesehen? Ein Traum. Aber Schweizer Pudding gäbe es dann nicht mehr. Und zwar auf unabsehbare Zeit. So viel steht fest.

Sie würde es beruflich auch betreffen.
In erster Linie denke ich da gar nicht an mich. Ich habe mich immer wieder unabhängig von der SRG bewegt. Auch momentan bin ich auf eigene Rechnung unterwegs (mit dem Comedy-Programm «Heute Gemeindeversammlung»; Anm. d. Red.). Es ist nämlich nicht so, dass alle Kulturschaffenden am staatlichen Finanztropf hängen. Aber klar würde ich gerne weiterhin Schweizer Filme und Serien drehen. Und auch anschauen natürlich.

Gehen wir mal davon aus, dass die SRG weiterbesteht und «Der Bestatter» eine 7. Staffel kriegt. Macht Mike Müller mit?
Der Sender und ich entscheiden das immer von Jahr zu Jahr. Aber wenn Sie mich schon so direkt fragen: Wenn es eine 7. Staffel gibt, bin ich gern wieder dabei.

In der 5. Staffel sah man Luc Conrad in einer kurzen Rückblende als Polizist. Das stand ihm noch gut. Er könnte den Polizeidienst doch wieder aufnehmen …
(Lacht.) Stimmt eigentlich. Aber nein, nein! Das Konzept des Bestatters, der auch ermittelt, ist viel spannender als das des Polizisten, der quasi nur ermittelt.

«Der Bestatter» (1/6), «Les jeux sont faits»: Am Dienstag, 2. Januar, 20.05 Uhr, SRF 1

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