Nationalratspräsident Dominique de Buman Der christliche Lebemann

In Bern ist er der strenge Chef, in Freiburg der herzliche Gastgeber. Nationalratspräsident Dominique de Buman verrät, wer bei ihm zu Hause der Patron ist.
Dominique de Buman
© Kurt Reichenbach

Dominique de Buman im umgebauten Weinkeller seines Domizils in Freiburg: «Mein Haus und ich haben uns gefunden.»

Dominique de Buman, 61, mag die Menschen – das spürt sofort, wer von der Place de Notre-Dame in Freiburg die Treppen hinunter in seinen ausgebauten Weinkeller steigt. Gerade verabschiedet er zwei Geschäftsleute, drückt sie und offeriert ihnen ein Stück Schokolade. Auch der Journalistin streckt er ein Schöggeli entgegen. «Wollen Sie dazu ein Glas Wein? Ich habe da einen Vully Pinot noir – très bon!»

Dominique de Buman
© Kurt Reichenbach

Geniesser In der Küche steht de Buman gerne selber am Herd. «Meine Spezialität ist Filet mignon an einer Senf-Sauerrahm-Sauce!»

Seit Ende November ist der charmante Welschfreiburger Nationalratspräsident. Es ist die Krönung von de Bumans 30-jähriger Politkarriere: vom Gemeinderat über den Stadtpräsidenten bis zum höchsten Schweizer. In Freiburg stand er mit seinem Kampf gegen die Schliessung der Bierbrauerei Cardinal schnell in der Gunst der Bürger. In Bern dauerte es fast 14 Jahre bis de Buman national Schlagzeilen machte. Als «Monsieur Raschelsack» sorgt er dafür, dass die dünnen Plastiksäckli an der Kasse von Migros und Coop heute 5 Rappen kosten. «Man ist ein König in seiner Heimat. Aber sobald man in Bern landet, ist man allein und muss neue Wurzeln schlagen.» Deshalb erfülle ihn sein neues Amt mit so viel Stolz.

Das  Konterfei des heiligen Niklaus 

Auf dem antiken Holztisch, den de Buman wie so vieles in der Brockenstube gekauft hat, stapeln sich Kisten mit Wein. «Geschenke zu meiner Wahl», sagt er und holt – wie er es oft und gerne tut – weit aus, um die Geschichte des Freiburger Weinguts Domaine de l’Hôpital zu erzählen. «… und wissen Sie, der Wein hat in Zürich schon Goldmedaillen gewonnen!» Eigens für Besuche in seinem Präsidialjahr hat auch de Buman Medaillen anfertigen lassen – mit dem Konterfei des heiligen Niklaus von Flüe: «Bruder Klaus ist für mich ein Vorbild. Er hat zugunsten eines höheren Ziels auf persönliche Annehmlichkeiten verzichtet.»

Dominique de Buman
© Kurt Reichenbach

Feudal: Im Salon hört de Buman Jazz oder liest historische Bücher. Der Glaube ist beim CVPler omnipräsent. «Ich gehe sicher zweimal pro Woche in die Kirche.»

Lebemann de Buman verzichtet zwar weder auf einen guten Tropfen Wein noch auf ein selbst gemachtes Filet mignon – aber er teilt seine Privilegien mit anderen. So vermietet er den umgebauten Weinkeller seines Hauses, dessen Grundmauern auf das 13. Jahrhundert zurückgehen, für Nachtessen und Feste. Und das ohne je einen Rappen dafür verlangt zu haben. «Ich freue mich einfach, wenn es den Leuten bei mir gefällt!»

Die Liebe zu den Menschen habe er von seiner Familie mitbekommen. Grossvater und Vater de Buman – ein jahrhundertealtes Patriziergeschlecht – waren beide Frauenärzte. «Im Volk waren sie sehr beliebt, auch ihrer Grosszügigkeit wegen.» So behandelten sie ärmere Patientinnen auch mal kostenlos.

Dominique de Buman
© Remo Nägeli

Seit 24 Jahren bewohnt de Buman im mittelalterlichen Teil von Freiburg, auf der Place de Notre-Dame ein dreistöckiges Haus.

Eine eigene Familie hat de Buman nicht. «Ich hätte schon gerne Kinder gehabt, aber es hat sich nicht ergeben. Auch wenn ich die eine oder andere gute Frau getroffen habe», sagt er und lächelt verschmitzt. Das Parlament sei nun so etwas wie seine Ersatzfamilie.

Und bei dieser ist de Buman äusserst beliebt. «Ob Literatur, Kunst oder Musik – er ist ein sehr angenehmer Gesprächspartner», sagt SP-Nationalrat Corrado Pardini. Zwar seien seine Werte gerade in Gesellschaftsfragen sehr konservativ, dafür habe er ein ausgeprägtes soziales Gewissen. «De Buman ist der Urtyp eines Christdemokraten.» Auch SVP Nationalrat Roger Köppel lobt den CVPler: «De Buman ist kein Blender. Und es freut mich, dass wir einen ähnlichen Jazzmusikgeschmack haben.»

Morgens um 5 im Büro

Köppels Lob ist insofern bemerkenswert, als dass de Buman ihn im Parlament schon massregelte. Als der «Weltwoche»-Chef ohne de Bumans Erlaubnis an der Session das Wort ergreift, sagt dieser scharf: «Das können Sie bei Ihrer Zeitung so machen, aber nicht in meinem Saal.» Darauf angesprochen, grinst de Buman. «Als Nationalratspräsident fühle ich mich manchmal wie ein Vater: Ich muss streng sein, aber auch viel loben.» Auf Köppel sei er nach dem Eklat zugegangen, habe ihm die Hand geschüttelt und gesagt: «Du bist ein Löwe.»

Das Amt des höchsten Schweizers sei nicht nur eine grosse Ehre, sondern verlange ihm viel ab. «Ich habe die letzte Session zwischen vier und fünf Stunden pro Nacht geschlafen!» Oft sitze er schon um 5 Uhr morgens in seinem Büro in Bern und bereite die Sitzungen vor. «Im Saal staple ich die Mäppli dann wie eine Cremeschnitte auf mein Pult und arbeite sie Stück für Stück ab.» Nicht zu unterschätzen sei zudem das stundenlange Sitzen. «Meine Kollegen vom Schweizer Tourismus-Verband haben mir Traubenzucker geschenkt, damit ich nicht vom ‹Bock› falle», sagt de Buman, der den Verband präsidiert.

Kraft tankt er auf seinem Töff, einer BMW-Maschine 1000 RR. Oder eben in Freiburg in seinem Haus, das er liebevoll «mon jardin – meinen Garten», nennt. Das Bijou hat der Jurist vor 24 Jahren in einer Zwangsversteigerung für rund 700 000 Franken erworben. «Aber natürlich noch einiges in den Umbau investiert!»

Wenn er nicht gerade Gäste bewirtet, sitzt de Buman auf dem Ledersofa in seinem Salon und wälzt unter dem Blick seiner Vorfahren auf Ölgemälden historische Bücher oder putzt seine Vintage-Uhrensammlung. Und wenn er mal Sorgen hat, fragt er seinen Namensvetter, den heiligen Dominikus um Rat. Die metergrosse Holzfigur aus dem 18. Jahrhundert ist eine von unzähligen religiösen Gegenständen, die im dreistöckigen Haus anzutreffen sind. «In Bern bin ich für ein Jahr der Chef – zu Hause aber ist er mein Patron.»

Dominique de Buman
© Kurt Reichenbach

Sammler de Buman mit seinem Namensvetter, dem heiligen Dominikus. Die Holzfigur aus dem 18. Jahrhundert hat er ersteigert.

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