Nik Hartmann Der Wanderprofi verrät seinen Geheimtipp

Das Aushängeschild des Schweizer Fernsehens kennt fast jedes Tal. Der «Schweizer Illustrierten» zeigt Nik Hartmann im ersten Teil der Wanderserie das Maderanertal in Uri. Und verrät, wieso er sich neuerdings die Beine rasiert.

Zum Glück hat Nik Hartmann eine Badehose in seinen Rucksack eingepackt. Denn eigentlich steht heute kein Badeplausch, sondern eine Wanderung im Maderanertal UR auf dem Programm. Doch jetzt, da der TV-Star am idyllischen Golzernsee vorbeikommt, kann er nicht anders. «Ich muss einfach da rein», sagt er und marschiert Richtung Ufer. Kurzerhand entledigt er sich dort seiner Kleider, schlüpft in seine Badehose und springt in den klaren Bergsee. «Ach, ist das herrlich», ruft er laut. Dann taucht er ab.

Ein Badetuch hat Nik Hartmann jedoch vergessen. Nach der Abkühlung ist deshalb Lufttrocknen angesagt. Das dauert - auch bei strahlendem Sonnenschein - ein paar Minuten. Und als er so da steht und wartet, fällt dem Betrachter zweierlei auf: Erstens, Nik wirkt topfit, kein Gramm Fett an seinen Rippen.

Zweitens, und das kommt irgendwie unerwartet, Nik Hartmanns Beine sind rasiert! «Okay, erwischt», sagt er und lacht. «Ich habe meine Schenkel in diesem Sommer zum ersten Mal rasiert, weil ich ein richtiger Gümmeler geworden bin. Und ungeschoren steigt man nicht aufs Rennvelo.» Weil er sich immer noch ein wenig ertappt vorkommt, fügt er an: «Überhaupt, irgendwie gefällts mir im Fall auch.»

An die tausend Kilometer hat Hartmann, 40, für die Sendung «Über Stock und Stein» zu Fuss zurückgelegt – doch wandermüde ist er keineswegs. «Ja lueg ämal das Panorama a, isch ja herrlich!» Das Maderanertal gehört zu seinen Lieblingsregionen. «Die wildromantische Berglandschaft hier, das Ursprüngliche, das zieht mich an. Ausserdem ist der Bristen mein Lieblingsberg, wie von Kinderhand gemalt sieht er aus.»

Niks Wanderungen durch die Schweiz - inzwischen ohne seine 2011 verstorbene Hündin Jabba - sind seit Jahren Quoten-Knüller im Fernsehen. Kein Wunder, wird er auch im Maderanertal auf Schritt und Tritt erkannt und angesprochen.

Schon bei der Talstation muss er vom Enzianschnaps kosten, der ihm angeboten wird. Im Restaurant bittet ihn der Beizer für ein Foto in die Küche, und zurück auf dem Wanderweg wird ohnehin dauernd gegrüsst. Nik begegnet den Menschen mit der Herzlichkeit und Ungezwungenheit, die ihn so beliebt machen. Die Frage, ob es nicht auch anstrengend sei, stets eine Attraktion zu sein, verneint er. «Ich muss mich nicht verstellen und bin gerne freundlich. In den Bergen sind sowieso alle gesellig - und ich mag das.»

Am rechten Ufer des Golzernsees führt der Bergweg durch den Wald in den Talgrund zur Stössialp. Hartmann geht gemächlich und bleibt immer wieder stehen, um die Natur zu bewundern. «Da, ein Schwalbenschwanz, diesen Schmetterling sieht man nicht alle Tage.» Wandern sei für ihn kein Sport, sondern eher so etwas wie ein glücklicher Zustand. «Und ich muss dabei nicht abschalten oder etwas kompensieren. Im Gegenteil, ich nutze die Zeit, denke nach, telefoniere oder bringe Pendenzen ins Reine.»

In diesem Moment klingelt das Telefon. Sein Sohn Constantin, 9, vermeldet stolz, dass er soeben sein Abenteuerbuch mit 450 Seiten fertig gelesen habe. «Es ist schön, zu sehen, wie alles reift und ineinander greift», sagt Nik nach dem Telefonat.

Ob er auch fürs Schweizer Fernsehen wieder wandern gehen wird, weiss er noch nicht. «Von mir aus gerne. Aber das ist ein strategischer Entscheid, den andere fällen.» Verzichten muss das TV-Publikum trotzdem nicht auf ihn, im Gegenteil:Ab Oktober präsentiert Hartmann die Samstagabend-Sendung «Gipfelstürmer», derzeit tourt er mit «SF bi de Lüt – Live» durch die Schweiz, kommenden Samstag in St. Gallen. «Diese Shows sind purer Spass. Eine erfrischende Mischung aus Talk, Show und Musik.»

Die Familienferien fallen deshalb diesen Sommer ins Wasser. «Das holen wir im Herbst nach. Und mir steht dieses Mal für ‹SF bi de Lüt - Live› ein Wohnmobil zur Verfügung.» Zwischen zwei Sendungen werde er mit Constantin und Frederik, 7, ein paar Tage auf einen Zeltplatz in der Nähe fahren.

Entlang dem schäumenden Chärstelenbach geht es über Legni zurück Richtung Talstation der Luftseilbahn. Nach drei Stunden kommt Nik Hartmann in Bristen an. Von Ermüdung keine Spur, er schwärmt vom Panorama und dem prächtigen Wetter. «Für einen, der auf die fünfzig zugeht, bin ich gut unterwegs, oder?»

Nik Hartmann kokettiert. Schliesslich ist der TV- und Radio-Moderator vor einigen Wochen gerade mal vierzig Jahre alt geworden. «Trotzdem, ich bin nun definitiv kein junges Talent mehr.» Eine Erkenntnis, die für ihn sehr plötzlich gekommen sei. «Ich selber habe immer noch das Gefühl, gerade erst meine TV-Karriere gestartet zu haben.» Aber wenn er sich umschaue, sehe er die nächste Generation bereitstehen.

Und zu Hause habe er realisiert, dass er in den Augen seiner Kinder wahrscheinlich ein sehr erwachsener Mann sei. «So wie mein Vater damals für mich, als ich 14 Jahre alt war.» Einen Unterschied gebe es allerdings, sagt Nik. «Mein Vater hatte bestimmt keine rasierten Beine!»

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