Roger Federer Deshalb setzt er sich für Olympia 2022 ein

Mit dem Tennis-Ass macht sich der weltweit bekannteste Schweizer für Olympia 2022 in Graubünden stark. Roger Federer sagt, solche Spiele seien eine Frage von Liebe und Stolz. Sein Traum von «heimeligen» Wettkämpfen legt er auch den Bündnern ans Herz.
Der Schweizer Tennisspieler Roger Federer hofft, dass die Bündner Stimmbürger am 3. März Ja für Olympia 2022 stimmen.
© Dukas Der Schweizer Tennisspieler Roger Federer hofft, dass die Bündner Stimmbürger am 3. März Ja für Olympia 2022 stimmen.

Schweizer Illustrierte: Roger Federer, träumen Sie von Olympischen Spielen in der Schweiz?
Roger Federer: Ich habe ja schon einige Spiele mitgemacht und weiss, wie viel sie mir bedeutet haben. Deswegen ist es für mich klar, dass ich eindeutig für diese Idee bin. Die Illusion, dass wir jemals Sommerspiele in der Schweiz haben werden, hat wohl niemand, das ist unmöglich. Aber Winterspiele könnten wir ganz sicher organisieren. Das ist unsere Stärke. Man muss nur einmal die Erfolge unserer Sportler anschauen. Wie stark wir immer waren und wahrscheinlich auch in Zukunft wieder sein werden. Wir sind ein Wintersportland. Die Alpen verschwinden nicht einfach.

Kann die Schweiz einen solchen Grossanlass überhaupt bewältigen?
Wir haben bereits mit der Euro 2008 bewiesen, dass wir einen Grossanlass organisieren können. Olympia ist eine noch grössere Herausforderung. Es ist ein längerfristiges Projekt. Man darf nicht denken, es gehe nur um diese paar Wochen im 2022. Die Region und die Schweiz profitieren davor und danach. Es ist eine grosse Möglichkeit. St. Moritz hat bereits zweimal die Spiele gehabt und ist auch deshalb das, was es heute ist. Das darf man nicht vergessen.

Mitentscheiden können Sie es nicht.
Nein. Ich finde es eine gute Sache und bin voll dafür. Aber es ist klar, dass es eine Abstimmung der Bündner ist und sie wissen müssen, was sie wollen.

Bei Olympia gibt es immer dieselben Vorbehalte. Sind die Spiele ökologisch vertretbar? Sind sie nachhaltig? Wie gross ist das finanzielle Risiko? Beschäftigen einen Sportler solche Fragen?
Ich kenne natürlich nicht alle Fakten dazu. Aber ich habe das Gefühl, dass wir in der Schweiz ganz sicher keinen Grössenwahn haben. Wir sind immer die mit der angezogenen Handbremse, nicht die, welche den Berg hinunter noch aufs Gaspedal drücken. Ich habe nicht das Gefühl, dass wir überdimensionierte Dinge bauen würden, die dann nie mehr genutzt werden. Das können wir uns schlicht nicht leisten. Der Schweizer schaut genau hin. Wir wollen die Spiele. Aber nicht um jeden Preis.

Was muss in den Köpfen der Bündner geschehen?
Ich glaube, das Feuer muss in den Leuten einfach brennen für diese Idee. Denn solche Chancen kommen nicht so oft. Man hat es mit Sion gesehen. Wir werden erst zwanzig Jahre nach der IOC-Entscheidung eventuell eine neue Möglichkeit bekommen. Das stellt man ja nicht einfach so rasch auf die Beine. Und wenn etwas nicht durchkommt, muss man wohl mit weiteren zwanzig Jahren rechnen.

Haben Sie das Gefühl, solche Spiele würden das Bild der Schweiz im Ausland verbessern?
Auf jeden Fall würde das der Schweiz guttun. Wir sind für Wintersport bekannt, deshalb macht das Sinn. Es ist eine natürliche Kandidatur. Sie ist nicht weit hergeholt. Die Mehrzahl derer, die es in den Wintersportarten geschafft haben, kommt aus der Alpenregion. Wichtig wäre, dass man merkt, dass die Kandidatur von Herzen kommt. Das ist entscheidend. Und punkto Image: Klar würde das guttun. Ich nehme auf meinen Reisen wahr, dass die Schweiz ein recht gutes Image hat. Viele wollen unser Land einmal sehen. Und Olympia würde diesen Trend verstärken.

Sie waren mit Sydney, Athen, Peking und London bislang viermal bei Olympia dabei. Was müsste die Schweiz von diesen Spielen lernen?
Das Land und die Städte müssten voll dahinterstehen. Das habe ich in Sydney erlebt. Wie diese Freiwilligen sich aufgeopfert haben, wie stolz sie waren, dabei zu sein. Auch wenn es nur darum ging, in irgendeiner Strasse zu stehen und den Touristen zu sagen, hier oder dort gehts lang. Man muss Hilfsbereitschaft und Gastfreundlichkeit zeigen. Man muss spüren, dass sie das wirklich von Herzen wollen. Man muss die Liebe und den Stolz spüren, dass man das in Angriff nehmen darf. Auch in Peking war das eine Ehrensache für jeden. Die Briten waren unglaublich stolz, die Spiele durchzuführen. Darum ist diese Abstimmung in Graubünden zentral.

Haben Sie eine Olympia-Erinnerung aus dem Kindesalter?
Ich glaube die Läufe von Carl Lewis in Erinnerung zu haben, dann natürlich die Goldmedaille von Marc Rosset in Barcelona 1992. Da war ich elfjährig. Und von den Winterspielen die Fahrt von Pirmin Zurbriggen in Calgary.

Sie sind selber ein begeisterter Skifahrer, haben ein Haus in Lenzerheide. Mit Olympia in Davos und St. Moritz hätten sie die Spiele quasi vor der Haustür.
In der Schweiz ist für mich überall daheim. Es wäre auch von Basel aus nur ein kleiner Hupf, da hochzufahren. Im Gegensatz zur grossen, weiten Welt haben wir kurze Distanzen. Das macht es heimelig. Das macht es angenehm für die Zuschauer und die Sportler.

Sie könnten schon bald Ihre Zwillinge für den Wintersport fit machen. Tun Sie das?
Keine Ahnung, wie stark sie sich einmal fürs Skifahren begeistern oder generell für Sport. Ich würde es begrüssen, denn ich bin Fan vieler Sportarten. Ich hatte das Glück, dass ich im Klassenlager oder in den Skiferien auf die Ski durfte. Darum kann ich heute ganz gut Ski fahren, ich fand es immer lässig. Ich werde das den Kindern auch ermöglichen.

Waren Sie dieses Jahr einmal auf den Pisten?
Nein. Als ich 2008 Mononukleose hatte, ging ich auf der Lenzerheide auf die Ski und wurde so krank, dass ich danach den Entschluss fasste, zusätzliche Aktivitäten vorläufig sein zu lassen. Also auch nicht mehr Ski zu fahren, bis die Karriere vorbei ist. Es wäre zu schade, wenn mir etwas passieren würde. Und ganz ehrlich: In den Bergen zu sein, die frische Luft zu geniessen und abends ein feines Fondue oder Raclette zu essen, reicht mir momentan eigentlich auch.

Hätten Sie einen Olympia-Werbeslogan für die Bündner?
Ich kann nur sagen, dass Sport unglaubliche Emotionen weckt. Die Spiele würden die Weltoffenheit der Schweiz zeigen. Wir könnten beweisen, dass wir fähig sind, etwas Grosses auf die Beine zu stellen. Ich glaube, diese Chance sollten wir nicht auslassen.

100 Schweizer für Olympia 2022: Lesen Sie die Meinungen von Skistar Carlo Janka, Sängerin Francine Jordi und Co. in der «Schweizer Illustrierten» Nr. 7 - erhältlich ab Montag, 11. Februar, am Kiosk und auf Ihrem iPad.

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