Zu Hause bei «DGST»-Sieger Jason Brügger Eine Familie steht Kopf

Am vergangenen Samstag gewinnt Artist Jason Brügger die Show «Die grössten Schweizer Talente» und 100 000 Franken. Erster Verwendungszweck: neue Socken.

«Das grösste Schweizer Talent 2016 ist … Jason Brügger.» Seit diesem Satz im Schweizer Fernsehen ist bei Familie Brügger nichts mehr wie vorher. Mails, Anfragen, Gratulationen, Geschenke. «Seit Samstag haben wir das Video vom Sieg Dutzende Male angeschaut. Wir können es immer noch nicht fassen.» Vor ihrem Haus in Allschwil BL haben Nachbarn eine Girlande mit der Aufschrift «Bravo Jason» angebracht, auf der Küchentheke stehen Glückwunschkarten, Blumen und Champagner. «Ich habe 84 SMS bekommen», sagt Jasons Schwester Stephanie, 25, und umarmt ihren Bruder.

Jason Brügger, 22, zog vor drei Jahren nach Kanada und besuchte die berühmte Zirkusschule von Montréal. Trotzdem hat er ein Zimmer in seinem Elternhaus behalten. Gerade gross genug für Bett und Schreibtisch, ist es voll mit Pokalen und einem Schild, das Freunde gebastelt haben, um ihn anzufeuern. An seiner Tür kleben Fotos, Zeitungsausschnitte von Tourneen und Postkarten. Eine Zeichnung zeigt Jason bei seiner Akrobatik im Tuch. Ein Geschenk von seinem Freund Ronaldo Canonica, 26, der darüber ein Herz gezeichnet hat. 

Jason und Ronaldo leben zusammen in Freiburg 

Die beiden sind seit vier Jahren ein Paar, wohnen zusammen im deutschen Freiburg im Breisgau, wo Ronaldo gerade eine Ausbildung zum Physiotherapeuten macht. Jetzt ist er in Allschwil und nimmt den Trubel gelassen. Jasons Zeit in Kanada war eine harte Probe für das Paar, das sich erst kurz vor der Abreise gefunden hatte. Drei Jahre lang hielten die beiden über Skype Kontakt, sahen sich oft monatelang nicht. «Ich musste mich ans Alleinsein gewöhnen», sagt Jason Brügger. Trotzdem hat er die Jahre mit der offenen Mentalität der Kanadier genossen. «Dort ist Artist ein sehr angesehener Beruf. Nur in der Schweiz denken manche, dass du ein Zigeuner bist.»

Seit letztem Jahr ist Jason wieder zurück in Europa, verbringt endlich mehr Zeit mit Ronaldo. Der ist nach dem Sieg bei «DGST» natürlich stolz auf seinen Freund, den Gewinn von 100 000 Franken sieht er ganz pragmatisch. «Jetzt kannst du dir endlich einen neuen Laptop kaufen.» – «Mein alter sieht aus, als wäre ein Laster drübergefahren», lacht Jason. Ausserdem will er mit dem Geld neue Socken kaufen («ich trage oft zwei unterschiedliche»), den Fahrausweis bezahlen, seiner Trainerin ein Wellnessweekend schenken und für seinen Traum sparen: eine eigene Zirkusschule.

Jason steht eben nie still. Nach seiner Matur ging er nach Montréal, zwei Tage nach seiner Rückkehr hatte er das erste Engagement im Zirkus Monti. Die Teilnahme bei «DGST» will er jetzt auch als Sprungbrett für seine Karriere nutzen.

Pausen? Anfang Jahr reiste er nach Brasilien. Statt nur Caipirinha zu schlürfen, unterrichtete er dort an einer Zirkusschule und trat auf. Sich zwei Monate an den Strand zu legen, wäre nicht sein Ding. «Ich würde sofort an Kraft und Beweglichkeit verlieren. Da arbeite ich lieber nonstop.» Pro Tag trainiert er bis zu vier Stunden, beherrscht neben den Strapaten Disziplinen wie Luftring und Tuch.

Alle wollen ein Foto mit dem grössten Schweizer Talent

Einen wahren Artisten macht für ihn aber nicht nur das Können aus. «Du musst Ausstrahlung haben. Emotionen rüberzubringen, ist für mich das Talent eines guten Artisten. Er soll die Menschen berühren.» Das scheint ihm beim TV-Publikum gelungen zu sein.

Seine Eltern Lukas, 45, und Natalie Brügger, 48, haben ihrem Sohn nie geraten, «etwas Richtiges» zu lernen. Der Feuerwehrmann und die gelernte Coiffeuse halfen im Jugendzirkus Basilisk sogar mit. Angst hatten sie bei Jasons Nummern in schwindelerregender Höhe nie. «Mit vier Kindern lernt man loszulassen. Jason strahlt grosse Sicherheit aus. Vielleicht sind wir auch naiv an die Sache rangegangen», sagt Mutter Natalie, während die Familie Spaghetti bolognese isst. Die Geschwister sind heute alle gekommen, um sich nach dem aufregenden Wochenende auszutauschen. Jetzt holen Schulkollegen Jasons Bruder Tim, 15, ab. Alle wollen ein Foto mit dem grössten Schweizer Talent. Und weiter gehts zum nächsten Medientermin, neue Auftritte hat er im Mai in Basel. Fans, Talent und Aufmerksamkeit hat er. Jetzt muss nur noch die Karriere so zum Fliegen kommen wie Jason Brügger in der Manege.

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