WM 2010 Die Idole der Idole

Deutsche Legenden unter sich: Keinen Star aus der Fussballwelt hat Ottmar Hitzfeld so bewundert wie Franz Beckenbauer. Und das begann schon im Teenager-Alter des Schweizer Nationaltrainers.

Er ist längst selbst ein Idol. Ottmar Hitzfeld, 61, Schweizer Naticoach deutscher Abstammung. Als Trainer hat er alles gewonnen, was es im Klubfussball zu gewinnen gibt. Die grössten Vereine der Welt rissen sich um seine Dienste. Sein Charakter gilt als ebenso beispielhaft wie das fussballerische Wissen des studierten Mathematiklehrers aus Lörrach. Angesprochen auf sein persönliches Idol, muss Hitzfeld nicht lange überlegen: «Franz Beckenbauer hat mich in mancher Hinsicht geprägt.»

Schweizer Illustrierte Goal: Herr Hitzfeld, wer hat Sie mehr beeinflusst, der Spieler Franz Beckenbauer oder der Trainer Franz Beckenbauer?
Ottmar Hitzfeld: Natürlich schon der Spieler. 1966 hat er als 21-Jähriger bereits an der WM in England mitgespielt. Er kam mit Deutschland in den Final gegen England und hat dabei sogar noch den Arm gebrochen oder ausgekugelt. Danach hat er mit einer Schlinge weiter­gespielt. Er war einfach der beste Libero der Welt zu jener Zeit, einer der besten der Geschichte sogar. Als Spieler wurde er 1974, als Trainer 1990 mit Deutschland Weltmeister. Es war später eine Ehre für mich, unter ihm als Präsident Trainer des FC Bayern zu sein.

Gings nur ums Fussballerische oder auch um seine Art als Mensch?

Zunächst schon um sein Können als Spieler. Seine Eleganz, die Art des Passspiels. Er war einfach perfekt! Und dazu setzte er sich immer fürs Team ein, war nie ein pomadiger Star.

Ihre früheste Erinnerung an Ihr Idol?

Das war, als Beckenbauer 16, 17 Jahre alt  war. Er spielte in Lörrach ein Jugend-Länderspiel gegen die Schweiz. Mein Vater nahm mich mit und sagte: Pass auf, da spielt einer mit, der soll einmal ein ganz Grosser werden! Ich war da 13 und bewunderte Franz. Wann kamen schon solche Helden nach Lörrach?

Was haben Sie von ihm übernommen?

Als Spieler wenig, weil ich Torjäger war und er Libero. Aber als Trainer hatte er schon ­einiges, was für mich später auch wichtig war: Er war sehr akribisch und ernst bei der  Arbeit, aber daneben konnte er auch lachen.

Sind Idole wichtig?
Ich denke, es ist schon hilfreich, wenn man als junger Mensch jemanden bewundert und ihm dann vielleicht auch nacheifert. Aber das passiert eher unbewusst. Ich habe Franz ja nicht konkret nachgeeifert. Er war für mich fuss­ballerisch unerreichbar. Grundsätzlich ­jedoch ist es sicher gerade im Sport gut, wenn ­einem jemand mit einer erfolgreichen Karrie­re vorzeigen kann: Es lohnt sich, Willen und Durchhaltevermögen zu zeigen. Die ganze Idolgeschichte hat aber auch eine Kehrseite. Wenn man einfach blind und unkritisch jemandem nacheifert, dann kann das für junge Menschen gefährlich sein. Ich selbst war da recht sachlich in meiner Bewunderung. Ich hätte nie Bilder von Beckenbauer oder Pelé ausgeschnitten und aufgehängt.

Sie sind längst selbst ein Idol für andere geworden. Belastung oder Freude?

Ich finde es schön, weil es mir die Gele­genheit gibt, etwas von der Zuneigung  der ­Leute zurückzugeben. Dafür bleibe ich gern stehen, wenn jemand ein Foto mit mir machen oder ein Autogramm haben will. Und eine Belastung ist es deshalb nie, weil ich schon mit 22 Jahren mit Basel Meister geworden bin und früh in die Rolle des Bewunderten hineinwachsen konnte.

Haben Sie als Trainer beispielsweise Idole in der Motivationsarbeit eingesetzt?
Weniger meine eigenen Idole oder die der Akteure. Aber ich verwende den Begriff Idol immer wieder als Ansporn für meine Spieler. Den einen oder anderen habe ich gerne ­daran erinnert, dass viele Jugendliche ihn bewundern, dass sie ihm nacheifern und dass dies eine Verantwortung ist, der er ­gerecht werden soll.

Sie haben einen erwachsenen Sohn. ­Haben Sie ihm bei der Idolsuche geholfen, als er ein Jugendlicher war?
Das ist normaler Bestandteil der Erziehung, denke ich, die Unterschiede zwischen guten und schlechten Vorbildern aufzuzeigen. Aber vor allem habe ich versucht, ihn vor sich selbst zu warnen, ihn auf die negativen Aspekte vorzubereiten, die Bekanntheit haben kann. Idole sind ja dazu da, gestürzt zu werden. Heute rufen die Leute: Hitzfeld, unser bester Mann, und morgen: Hitzfeld raus!

Wen empfehlen Sie derzeit vorbehaltlos als Idol für junge Fussballer?
Ganz klar: Lionel Messi. Er ist ein Traumschwiegersohn und sympathischer Lausbub zugleich. Einer, der die pure Freude am Spiel ausstrahlt und den man deswegen einfach ins Herz schliessen muss. Und obwohl er aus ärmlichen Verhältnissen stammt, ist er völlig normal geblieben. Das ist vorbildlich!

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