Kachelmann-Prozess Die Klagen gehen weiter

Nach dem Urteil im Kachelmann-Prozess geht der Schlagabtausch weiter: Sowohl der freigesprochene Jörg Kachelmann als auch die Nebenklägerin Claudia D. sprechen öffentlich über ihre Ansichten. SI online stellt ihre Meinungen gegenüber.
Jetzt spricht seine Ex!
Die Klagen gehen weiter

Die Zitate von Jörg Kachelmann stammen aus einem Interview mit der «Weltwoche», Claudia D. sprach mit der «Bunten».

ÜBER DIE BESAGTE NACHT:
Sie: «Hätte ich alles erfunden, wäre ich doch nicht so dämlich gewesen, eine dermassen dilettantische Geschichte voller Erinnerungslücken und vermeintlicher Widersprüche zu präsentieren. [...] Schon gar nicht hätte ich ein Messer als Tatwaffe in Spiel gebracht, an dem weder eindeutige Spuren von mir selbst noch von ihm zu finden sind. Es ist grotesk und irrsinnig, mir das zu unterstellen. Dass er selbst die Spuren am Messer beseitigt haben könnte - beispielsweise als er im Bad war -, auf diese naheligende Idee ist offenbar niemand gekommen.»

Er: «Man warf mir vor, ich hätte der Frau während der Tat minutenlang ein Messer an den Hals gehalten. Der Spurentechniker des Landeskriminalamts erörterte vor Gericht: Wenn ein guter Spurengeber, wie ich es offenbar sei, einer Frau in einem angeblichen dynamischen Tatgeschehen, wie es Frau D. schilderte, minutenlang ein Messer an den Hals gehalten hätte, dann hätte man Fingerabdrücke und vollständige DNA-Spuren erwartet. Die wenigen Fragmentne, die möglicherweise dran waren, hätten nie als angeblicher DNA-Beweis in der Öffentlichkeit erwähnt werden dürfen, es war ein sogenannter Nullbefund. Ich war zwar als Verursacher nicht 100 Prozent auszuschliessen, eine Sekundärübertragung beispielsweise wäre möglich, [...] mehr aber auch nicht.»

ÜBER DIE GEFÜHLE NACH DEM FREISPRUCH:
Sie: «Natürlich habe ich versucht, mich im Vorfeld innerlich darauf vorzubereiten, dass es so kommen könnte. Aber als ich dann das Wort ‹Freispruch› hörte und das Publikum im Saal laut anfing zu jubeln, hat mir das den Boden unter den Füssen weggezogen. Ich war fassungslos, völlig fassungslos. Ich konnte es nicht glauben, dass dieses Gericht nicht die Wahrheit sehen wollte. Das habe ich nicht verstanden. Und ich verstehe es bis heute nicht.»

Er: «Wenn eine grosse Belastung verschwindet, fällt man zuerst in ein Loch. Vielleicht ist es gar noch nicht richtig angekommen, dass die erste Runde vorbei ist. Noch ist der Fall nicht abgeschlossen.»

ÜBER SCHULD & UNSCHULD:
Sie: «Wer mich und ihn kennt, zweifelt keine Sekunde daran, dass ich mir diesen Wahnsinn nicht ausgedacht habe. Ich bin keine rachesüchtige Lügnerin!»

Er: «Die Erfahrung zeigte mir einfach: Vor diesem Gericht nützt dir auch komplette Unschuld nichts. Sie [Alle Polizisten, alle Staatsanwälte, der Anwalt der Falschbeschuldigerin und das Gericht]  wussten schon früh, dass die Falschbeschuldigerin lügt. Trotzdem wurde dieses Höllentheater durchgezogen.»

ÜBER DIE LEHREN AUS DEM PROZESS:
Sie: «Ich schäme mich dafür, das zu sagen: Ja, ich würde jeder Frau abraten, ihren Peiniger anzuzeigen, wenn dieser reich ist und sich mit Geld freikaufen kann. Dann sollte sie auf keinen Fall zur Polizei gehen. Sie sollte sich einen guten Therapeuten suchen und mit dessen Hilfe versuchen, das Erlebte zu verarbeiten.»

Er: «Früher hiess es bei Vergewaltigungen, die Frau hätte halt kein kurzes Röckli tragen sollen. Heute ist, genauso verbrecherisch, der umgekehrte Fall verbreitet. Der Mann ist dem Vergewaltigungsvorwurf fast hilflos ausgeliefert. Er wird von einer wachsenden Zahl von Frauen als Waffe benutzt. Es gibt Experten, die sagen, dass ein Drittel aller Vergewaltigungsanzeigen vorsätzlich zu Unrecht erhoben wird, andere Experten sagen, es sei sogar die Hälfte. Es funktioniert wunderbar. [...] Mein Ziel ist, dass die wirklichen Vergewaltiger eingesperrt werden. Aber es sollen auch die Frauen ins Gefängnis, die zu Unrecht einen Mann beschuldigt haben. Es gibt heute nur komplett lächerliche Strafen für Frauen, die eine Vergewaltigung erfinden, um sich an einem Mann zu rächen. Meistens gibt es noch nicht einmal eine Strafe. Wenn sich herausstellt, dass die Anschuldigung haltlos ist, wird das Verfahren oft einfach nur eingestellt, und gegen die Frau wird nicht weiter ermittelt, obwohl Falschanschuldigung ein Offizialdelikt ist.»

ÜBER DAS WEITERE VERFAHREN:
Sie: «Ich bin mit dem Freispruch nicht einverstanden. Deshalb möchte ich die ausführliche Begründung des Gerichts lesen.» [...] «Ich rechne damit, dass JK und seine Anwälte alles tun werden, um mich zu quälen und zu terrorisieren. Bis sie mich irgendwann komplett vernichtet und besiegtt haben. Ein Soziopath muss so vorgehen. [...] Einer Klage sehe ich jedeoch ganz gelassen entgegen.»

Er: « [...] es geht mir um Recht und Gerechtigkeit, vor allem auch darum, andere Männer vor Nachahmungstaten zu schützen, die es sicher schon gibt und von denen es mehr geben wird, wenn den Falschbeschuldigerinnen und Lügnerinnen vor Gericht nichts passiert. Rache und Vergeltung aus Hass hat die Frau geübt, die mich zu Unrecht beschuldigte. [...] Ich werde alles unternehmen, was meinen Anwälten einfällt. Es muss alles korrigiert werden, was jetzt noch herumschwirrt nach den Unterstellungen der Mannheimer Staatsantwaltschaft. [...] Mir wurde eine frei erfundene, Gott sei Dank katastrophal schlecht erfundene Vergewaltigung angedichtet. [...] ich musste schweigen, meine Verteidiger mussten sich für mich vor Gericht gegen unhaltbare Vorwürfe wehren. Jetzt schalte ich um, von Defensive auf Angriff. Ich werde gegen alle vorgehen, die Lügen über mich verbreitet haben. Nicht mit Wut oder Verbitterung, sondern mit angemessener Entspannung und schweizerischer Gründlichkeit und Ausdauer. [...] ich werde mich wehren, nicht nur meinetwegen, sondern auch wegen all der anderen Männer, denen Ähnliches passiert oder passieren könnte. [...] Wenn ich mich nicht wehre, wird das, was mir passiert ist, zum Muster für alle durchgeknallten Frauen dieser Welt, die Männern etwas anhängen wollen, aus welchen Gründen auch immer. Ich möchte eine Stiftung ins Leben rufen, die sich dafür engagiert, dass einerseits falsch beschuldigte Männer, aber auch wirkliche Vergewaltigungsopfer genügend Geld erhalten, um sich anständige Gutachter und Anwälte zu leisten. Das soll mein Beitrag zur besseren Wahrheitsfindung vor Gerichten sein. Professionalität hilft sowohl den Falschbeschuldigten als auch den wirklich vergewaltigten Frauen.»

ÜBER DEN PROZESS:
Sie: «Ich wusste, dass die Plädoyers der Verteidigung schlimm werden würden. Ich wusste, dass sie mich fertigmachen würden. Das ist ja der Job der Verteidigung. Deshalb habe ich vorher Beruhigungstabletten genommen. Dass es jedoch so vernichtend werden würde, hat mich umgehauen. Frau Combé, die Pflichtverteidigerin von JK, hat mich verbal plattgemacht.»

Er: «Ich wusste, dass das Gericht alles unternehmen würde, um mir eine Straftat anzuhängen, die ich nicht begangen hatte. Weil es keine Beweise gab, mussten die Richter mit anderen Methoden probieren, mich kaputtzumachen. Und es funktionierte, auch dank der gütigen Mithilfe der Medien nach dem Motto: ‹Kachelmann mag kein Vergewaltiger sein, aber er ist trotzdem ein Arschloch und irgendwie haben solche auch Knast verdient.›»

ÜBER DIE MEDIEN:
Sie: «Richtig bereut habe ich die Anzeige dann, als nach JKs Festnahme die Medienhölle losging und diese Hexenjagd im Internet. Das hat mich auch immer wieder getötet.»

Er: «Die einzigen Journalistinnen, die den Prozess kontinuierlich verfolgt haben, waren Frau Friedrichsen vom Spiegel und Frau Rückert von der Zeit. Bei allen anderen Journalisten hatte ich den Eindruck, dass Gerichtsreporter die Reporter sind, bei denen man in den Zeitungen froh ist, wenn sie nicht auf der Redaktion sind. Es wurde so viel Unsinn geschrieben. Auch das neue Buch des Tages-Anzeiger-Journalisten Thomas Knellwolf ist voll davon, soweit ich es nach ersten Lektüreerlebnissen beurteilen kann. Die Medien haben insgesamt versagt, weil sie die Lügen der Anklage ungeprüft aufschrieben und sich als unkritische und obrigkeitshörige Speichellecker einer durchgeknallten Staatsanwaltschaft verstanden. Die Inkompetenz war erdrückend. Schön, dass es zwei Frauen sind, die als Einzige selbst recherchiert haben. Sie waren nicht ‹für mich›. Sie waren nur die einzigen Journalisten, die den Beruf ausfüllen, wie ich ihn vor 25 Jahren kennengelernt habe.»

SIE ÜBER IHN:
«Für ihn sind immer alle anderen die Bösen, nur er nicht. In seinen Augen hat er in der besagten Nacht ja nichts falsch gemacht. Er hat nur die Machtverhältnisse wieder hergestellt, wie sie nach seiner Meinung nach richtig sind. Er hat ja auch kein Schuldbewusstsein. Ebenso wenig empfindet er Reue, Scham oder Mitgefühl. [...] Er hasst Frauen, das hat er mir selbst gesagt. Er belügt, betrügt und manipuliert jeden um sich herum. Er ist ein Frauenverachter. Er verachtet Menschen generell.»

ER ÜBER SIE:
«Ich habe keinen Hass gegen die Nebenklägerin. Früher oder später werden sich die Gerichte mit ihr befassen.»

ÜBER SEINE EX-GELIEBTEN:
Sie: «Aussenstehende mögen sich fragen, weshalb ich all die Jahre nichts von seinen anderen Frauen mitbekommen habe. Aber das ist  halt die Kunst des JK. Er ist intelligent. Er ist der perfekte Schauspieler, der es versteht, einem durch Versprechungen, gemeinsame Zukunftspläne und Liebesschwüre stets das Gefühl zu geben, man sei die Einzige für ihn. Mag sein, dass ich naiv war.»

Er: «Ich habe ehrlich gesagt damit gerechnet, dass das Durcheinander in meinem Privatleben irgendwann an die Öffentlichkeit dringen könnte, wenn die eine Frau von der anderen Frau erfährt. [...] Ich rechnete mit der Schlagzeile: ‹Der Frosch ist ein Schwein›. [...] Aber die Erfindung einer Straftat lag jenseits meiner Vorstellungskraft. Damit hatte ich nicht gerechnet.»

ÜBER FREUNDE / FAMILIE / UMFELD:
Sie: «Mein Vater lässt sich nichts anmerken. Aber natürlich belastet es ihn. Es kommt immer wieder vor, dass Fremde bei uns zu Hause anrufen und meine Eltern und mich beschimpfen. Meine Mutter schläft schlecht. Sie versucht aber, mir zuliebe stark zu sein. Es tut mir so leid, dass die beiden meinetwegen leiden müssen. Nur weil ich es gewagt habe, zu Polizei zu gehen, habe ich meine ganze Familie diesem Wahninn ausgesetzt.» [...] «Kein Nachbar, kein Freund hat je etwas Negatives verlauten lassen. Alle waren und sind stets loyal und haben mich unterstützt.»

Er: «Man merkt plötzlich im Gefängnis, dass man nichts mehr von denen hört. Das ist das Kriterium. Aber es gab Hunderte Unterstützerbriefe von Unbekannten. [...] Und als bleibende Freude: Miriam. Zwei Anwälte, die für einen Unschuldigen kämpfen wie um ihr Leben. Alte Freunde, von denen man erst in der Not gelernt hat, wie gut und wichtig sie sind. Meine starke Mutter. Neue Freunde, sogar einen aus dem Gefängnis. Leute mit Zivilcourage, die nicht einfach umfallen im Sturm: der Zürcher Anwalt, der in der Firma hilft und ein anständiger Mensch ist. Der Bürgermeister aus Steinigtwolmsdorf, der den Jörg-Kachelmann-Weg trotz aller Me­dien-Vorverurteilung nicht umbenannt hat.»

ÜBER SEINE HOCHZEIT:
Sie: «Was soll man dazu sagen? Es ist doch offensichtlich, warum er das getan hat. Wer mitten in einem Strafprozess heiratet, um den geläuterten Ehemann zu spielen, entlarvt sich doch selbst.»

ÜBER DIE EIGENE ZUKUNFT:
Sie: «Ich habe eine To-do-Liste angelegt mit allem, was ich in meinem Leben noch machen möchte. Da stehen ganz viele Punkte drauf, mit deren Abarbeitung ich demnächst anfangen möchte. Unter anderem würde ich gerne mal die Pyramiden in Ägypten sehen. Das ist schon lange ein Traum von mir. Und eine Safari in Afrika machen. Nach Indien möchte ich auch einmal. Der letzte Punkt auf meiner Liste ist ein Tandem-Fallschirmsprung - weil man ja nie weiss, ob das gut ausgeht.»

Er: «Ich schaue, wer links und rechts im Gebüsch sitzt. Verdächtige Autos fallen mir auf. Ich will die Paparazzi überlisten, wo es nur geht. Ich habe zwei wunderbare Verteidiger und Menschen kennengelernt, Herrn Schwenn und Frau Combé, die ich auch in Zukunft privat nicht missen möchte. Ich freue mich auf den Moment, in dem mein Freund freikommt, den ich dann bei mir anstellen  werde, auf dass der Mannheimer Versuch, jegliche Resozialisierung von vornherein zu verunmöglichen, scheitern möge. Ich brauche jetzt bis zum Lebensende Menschen, die mich als Zeugen begleiten.»

ÜBER POSITIVES / SCHÖNE MOMENTE:
Sie: «Natürlich gibt es auch fröhliche Momente. Wenn beispielsweise mein kleiner Neffe zu Besucht kommt und ich mit ihm spiele, kann ich lachen. Aber es sind halt immer nur Momente. Wenn ich ins Bett gehe, ist alles wieder voll da. [...] Werde ich morgens wach, deht sich mein erster Gedanke um diesen Albtraum. Es ist für mich ein einziger Kampf,  jeden neuen Tag durchzustehen. Es gibt bessere, es gibt schlechtere Tage. Ein einziges Auf und Ab.»

Er: «Ich habe heute ein aufgeräumtes Leben. Bescheidenheit ist wichtig, aber das war bei mir immer schon so.»

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