Julia Saner Die Lügen ihres getürkten Facebook-Profils

Wer glaubt, mit Julia Saner auf Facebook befreundet zu sein, wurde höchstwahrscheinlich veräppelt: Ein Unbekannter hat ein falsches Profil des Topmodels erstellt. Dazu noch ein schlechtes. Sie hat bereits versucht, dagegen anzugehen - erfolglos. Auch andere Prominente sind Opfer.

Das ist Julia Saner: 19-jähriges Berner Topmodel, das sich gerade eine Auszeit gönnt und wieder in Bern wohnt, Single und begeisterte Fotografin.

Und auch das ist Julia Saner: 19-jähriges Berner Topmodel, das in Mailand lebt, frisch verheiratet mit Jimmy Colter Berly, kürzlich auf dem Laufsteg gestürzt, aber überglücklich ist, im Model-Business tätig zu sein.

Finden Sie den Fehler? Die Auflösung: Der zweite Beschrieb stimmt nicht. Die Angaben stammen von Julia Saners falschem Facebook-Profil, das ein Unbekannter unter ihrem Namen erstellt hat. Es zählt inzwischen knapp 5000 Freunde. Die «richtige Julia» habe lediglich 1000, sagt Julia Saner in der aktuellen «Schweizer Illustrierten».

Der Fall ist keine Seltenheit. Trotz eindeutiger Nutzungsbestimmungen tummeln sich auf Social-Media-Plattformen wie Facebook zahlreiche Fake-Profile - von Prominenten und Nicht-Prominenten gleichermassen. «Facebooking» nennt sich der Trend.

Opfer wurde beispielsweise auch schon Ex-Vize-Miss-Schweiz Xenia Tchoumitcheva. 2010 erstellte jemand unter dem Namen Ksenia Kal ein Profil und veröffentlichte Bilder von ihr. «Wenn jemand meine Fotos und meinen Namen missbraucht, kann dies meinem Image schaden», sagte sie damals gegenüber SI online.

Kollegin Jennifer Ann Gerber kennt das Problem. Vor rund zwei Jahren hatte jemand mit Fotos der Ex-Miss-Schweiz und ihrem Namen ein Profil eröffnet und damit fast täglich mit Männern gechattet. Zudem gab die Person eine gefälschte Hotmail-E-Mail-Adresse an und mailte damit mit diversen Freunden von Gerber. Prominente Freundinnen wie Melanie Winiger oder Nadine Vinzens fielen darauf herein. «Es ist unglaublich, dass so etwas überhaupt möglich ist», ärgerte sich Gerber in «Der Sonntag».

Eines von Kate Winslets gefälschten Identitäten zog vor rund zweieinhalb Jahren gar internationale Aufmerksamkeit auf sich, weil dessen Administrator dort Angelina Jolie als «fettlippige verrückte Kuh» betitelte. Prompt hat eine falsche Jolie gekontert. Beide Schauspielerinnen besitzen kein Facebook-Profil. 

Im Hilfebereich erklärt die Social-Media-Plattform detailliert, was in solchen Fällen zu tun ist:

  • Rufe das Profil auf.
  • Gehe ganz unten in die linke Spalte und klicke auf «Diese Person melden/blockieren».
  • Klicke auf «Dieses Profil gibt vor, jemand zu sein oder ist gefälscht».
  • Klicke dann im Dropdownmenü auf «Gibt vor, ich zu sein».
  • Klicke auf «Weiter», um die Meldung abzusenden.

Klingt simpel. Ist es aber nicht: «Mit dem Versuch, diese Person zu blockieren, bin ich gescheitert», sagt Julia Saner. Ähnliche Erfahrungen machte Jennifer Ann Gerber: «Es ist sehr mühsam, beim Kunden- und Help-Service durchzukommen.» 

Auch die Tatsache, dass Facebook eigens Rechercheure beschäftigt, welche die Authentizität der Profile von Stars prüfen sollen, scheint das Problem nicht lösen zu können. Angelina Jolie allein ist bis heute mit rund 40 verschiedenen Identitäten vertreten. Und manche Nachahmungen sind so gut gemacht, dass auch schon Originale deaktiviert wurden: So hat Facebook versehentlich das echte Konto von Lindsay Lohan geschlossen. Und auch David Beckhams offizielles Los-Angeles-Galaxis-Profil wurde für einen Betrug gehalten und gelöscht.

Julia Saner bleibt die Möglichkeit, rechtliche Schritte einzuleiten. Denn wer ein Profil auf Facebook oder anderen Plattformen fälscht, hält die Nutzungsbestimmungen nicht ein und verstösst gegen das Datenschutzgesetz. Täter müssen mit einer saftigen Strafe rechnen: In Grossbritannien wurde ein Mann schon zu umgerechnet 50'000 Franken Schadenersatz verurteilt. Er hatte ein gefälschtes Profil seiner Ex-Freundin mit blossstellenden Informationen online gestellt.

Nur: «Wenn der Täter unbekannt ist oder sich im Ausland aufhält, wird eine Verfolgung schwierig», erklärt Eliane Schmid, Mediensprecherin der Eidgenössischen Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragten gegenüber SI online. Dennoch rät sie Opfern: «Sich unbedingt bei Facebook melden - und dranbleiben!»

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