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Zwischen Kunst und Katerzmorge

Die Männerfreundschaft von Daniel Humm und Vito Schnabel

Zwei ungleiche Kerle. Der eine wurde zum Star, der andere ist der Sohn eines Stars. Bei Stangenselleriesaft philosophieren der Schweizer Top-Koch Daniel Humm und der US-Galerist Vito Schnabel über ihre Männerfreundschaft.

Vito Schnabel Daniel Humm
Zwei, die sich mögen: Humm (r.) und Schnabel vor einem Wasserfall-Bild der Künstlerin Pat Steir. Filip Zuan

Der eine in Schlabber-Trainerhose, mit Sonnenbrille im Gesicht, ist Vito Schnabel. Der andere im grauen Wollpullover sein Freund Daniel Humm. Beide sind noch nicht hellwach.

«Ich konnte einfach keinen Schlaf finden», erklärt der 32-jährige Amerikaner Schnabel und entschuldigt sich für seine mürrische Morgenlaune. Der Galerist und Sohn des grossen Malers Julian Schnabel ist der breiten Öffentlichkeit als Ex-Freund von Model Heidi Klum bekannt. Sein Freund Daniel Humm, 42, gehört zu den einflussreichsten Köchen der Welt.

Heidi Klum Vito Schnabel
Waren bis September 2017 ein Paar: Heidi Klum und Vito Schnabel imago/Future Image

Vor zwei Jahren kennengelernt

Daniel Humm und Vito Schnabel vereinen eine Männerfreundschaft und drei Themen: Kunst, Essen und Sport. Kennengelernt haben sie sich vor zwei Jahren in St. Moritz. Humm hatte einen Auftritt am Gourmetfestival, Schnabel eröffnete eine Ausstellung in seiner Galerie.

«Wir haben zusammen etwas getrunken und geredet und uns dann aber erst Monate später wieder getroffen», erzählt Vito Schnabel im Fünf-Sterne-Hotel Kulm. Die beiden wohnen hier, treffen sich am Tag nach einer weiteren Vernissage in Schnabels St. Moritzer Galerie zu ihrem ganz eigenen «Katerfrühstück»: Schnabel isst Früchte, Humm bestellt einen Liter Stangenselleriesaft und bittet darum, vor dem Entsaften die Blätter zu entfernen, auf dass der Saft nicht bitter werde.

Vito Schnabel Daniel Humm
Katerzmorge: Das ungleiche Duo trifft sich im Kulm Hotel St. Moritz zum Frühstück mit Obst und Selleriesaft. Filip Zuan

Nach der Vernissage mit Wasserfall-Bildern der Künstlerin Pat Steir gab es im Restaurant El Paradiso auf 2181 Metern ein exklusives Trüffel-Dinner für Vito Schnabels Gäste. Zubereitet von seinem Freund Daniel Humm, der eigens dafür mit einem Team von sechs Leuten aus New York angereist ist. 2017 wurde sein New Yorker «Eleven Madison Park» zum besten Restaurant gewählt.

Die Bilderbuchkarriere von Daniel Humm

Der Schweizer Daniel Humm, der mit 14 die Schule abgebrochen hat, um eine Kochlehre anzufangen (Abschlussnote 5,9), legte eine amerikanische Bilderbuchkarriere hin.

Humm, aufgewachsen in Schinznach AG in einer ganz normalen Schweizer Familie, der Vater Bauunternehmer, die Mutter Hausfrau, hat sich mit sehr harter Arbeit an die Weltspitze gekämpft. Nach der Lehre arbeitet er unter anderem im «Baur au Lac» in Zürich oder bei Gérard Rabaey in Montreux. An seinem ersten Ort als Küchenchef im «Gupf» in Rehetobel AR wird der Koch vom GaultMillau entdeckt und erhält bald ein Angebot aus San Francisco. Mit nicht viel mehr als ein paar Messern und Kleidern in zwei Koffern wandert er aus.

Daniel Dani Humm - El Paradiso - St. Moritz - 2019
In Schinznach AG aufgewachsen führt Daniel Humm heute das beste Restaurant der Welt in New York. © Filip Zuan

Humms ausserordentliches Talent, gepaart mit eiserner Disziplin, bleibt auch an der amerikanischen Westküste nicht lange unentdeckt. Er erhält ein Angebot aus New York und übernimmt mit seinem Geschäftspartner die Brasserie Eleven Madison Park. Sie machen daraus in wenigen Jahren das beste Restaurant der Welt. «Eigentlich wollte ich Radprofi werden», sagt Humm, «aber ich wusste, dass es nicht für die Spitze reicht. Also habe ich Kochen zu meinem Sport gemacht und wollte dort der Beste sein.»

Vom «Sohn von» zum erfolgreichen Kunsthändler

Vito Schnabels Vater Julian stieg in den 80er-Jahren zu einem der bedeutendsten Künstlern der USA auf. Keine einfache Ausgangslage für seinen Sohn: «Mein Vater ist sehr meinungsstark, wenns um Kunst geht. Ich wusste schon früh, dass das auch mein Thema ist. Aber ich musste es auf meine Weise angehen.»

Mit 16 organisiert Schnabel seine erste Ausstellung, gegen den Willen des Vaters beginnt er eine Karriere als Kunsthändler. Heute vertritt er eine ganze Reihe hochkarätiger Künstler. «Ich bin in den Pool gesprungen, ohne zu wissen, ob Wasser darin ist. Aber es hat funktioniert», sagt Schnabel.

Vito Schnabel Daniel Humm
Vito Schnabel vertritt heute als Kunsthändler hochkarätige Künstler. Gettyimages

Humm setzt auf Werke von Frauen

Wenn sich die beiden Freunde – wie an diesem Morgen im Hotel Kulm – treffen, geht es oft um Kunst, die für Koch Humm eine wichtige Quelle der Inspiration ist.

Vito Schnabel Daniel Humm
Männerfreundschaft: Daniel Humm ist extra für Vito Schnabels Vernissage angereist. Filip Zuan

«Als Zwölfjähriger habe ich mit meiner Familie eine Monet-Ausstellung besucht. Durch seine Wasserlilien wurde mir zum ersten Mal bewusst, welche Bedeutung Kunst haben kann», sagt er. Heute sammelt Humm vor allem Werke von Frauen: «Ich kann nicht genau sagen, warum, aber mich ziehen Arbeiten von Künstlerinnen einfach stärker an.»

«Wir wollen das, was wir tun, wirklich gut machen.»

Oft sind die beiden in Trainingskleidung unterwegs: Im November 2018 haben sie gemeinsam den New York Marathon absolviert; und dass Humm vier Minuten schneller war, das ärgert den verkaterten Schnabel noch heute. Er beisst in eine Frucht und holt aus: «Ich war 35 Kilometer lang mit Daniel gleichauf. Dann habe ich einen taktischen Fehler gemacht, als ich versucht habe, ihn abzuhängen. Das hat mich so viel Energie gekostet, dass ich zurückgefallen bin.»

Grosses Gelächter am Tisch. Und Humm schlägt sogleich vor, im Schneegestöber von St. Moritz ein paar Meter zu joggen. Für Schnabel endet die Revanche kläglich. «Ich sollte weniger rauchen», sagt er. Und fügt an: «Für einen Raucher war meine Marathon-Zeit aber ganz okay.»

Vito Schnabel Daniel Humm
Marathonläufer: Kurze Trainingseinheit im Schneetreiben am St. Moritzersee. Filip Zuan

In der Hotel-Lobby machen die Freunde einen entspannten Eindruck. «Wir sind beide wie Kinder, können aber auch schlagartig auf eine höhere Intensitätsstufe wechseln», sagt Vito Schnabel. Darin seien sie sich sehr ähnlich, stimmt Humm zu: «Wir wollen das, was wir tun, wirklich gut machen.»

Von David Schnapp am 18. Februar 2019