Die Rothenbühler Kolumne «Endlich haben Sie Zeit, den Keller aufzuräumen, Andreas Meyer»

Peter Rothenbühler schreibt jede Woche Persönlichkeiten, die aufgefallen sind. Dieses Mal dem SBB-Chef, der sich eine Auszeit für Familie, Eltern, Freunde und eine Weiterbildung nimmt.

Lieber Andreas Meyer

Es freut uns, dass Sie mal eine Auszeit nehmen. Zwei Monate nur für Familie, Eltern, Freunde da sein, plus Weiterbildung, plus Ausland. Das haben Sie wirklich verdient, sage ich. Mit ein bisschen Schadenfreude. 

Aus eigener Erfahrung weiss ich: Das Gute daran ist, dass Sie nachher wissen, wie gemütlich Ihr Job bei den SBB ist. Wie freundlich man als Boss behandelt wird. Mit all den guten Geistern, die 
für Sie das Planning machen, die wichtigen Aufgaben lösen und Sie vor kleineren Ärgernissen verschonen. 
 
Damit ist jetzt Schluss. Sie haben sich und andern so viel versprochen, dass es richtig stressig werden kann. Ich hätte zum Beispiel an Ihrer Stelle nie versprochen, jetzt für die Freunde da zu sein. Sie werden Einladungen zu Balkonpartys kriegen, für die ein SBB-Boss jede Ausrede hat, der Meyer von nebenan nicht. Auch zu Hause herrscht eine andere Governance als bei den SBB.
Jetzt den Keller aufzuräumen, wäre eine schöne Aufgabe
 
Es wird heissen: Papa hat gesagt, er sei jetzt für uns da. Darunter stellen sich die andern meistens etwas ganz anderes vor als Sie selbst. Am schönsten wirds noch, wenn Sie gebraucht werden: Um endlich den Keller aufzuräumen, zum Beispiel, eine schöne Aufgabe. Schlimm wird es erst, wenn sich die andern fragen, warum steht der da so rum und macht nichts? 
 
Dazu kommt, dass man seine Arbeitsgewohnheiten nicht so schnell los wird. Es ist gut möglich, dass Sie vom Chef respektive Ihrer Frau zur Ikea geschickt werden und plötzlich vor Ihrem Büro stehen und sich fragen, warum bin ich eigentlich hierhergefahren. Wo ich doch Auszeit habe und so viel Schönes machen könnte. Also, geniessen Sies! 
 
Mit freundlichen Grüssen
Peter Rothenbühler
 
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