Sabine Dahinden Die SF-Moderatorin liebt Bio

Als Moderatorin von «Schweiz Aktuell» reist Sabine Dahinden, 41, im ganzen Land herum: Privat nimmt sie am liebsten den Zug und träumt von einer Welt ohne Autos.

Für unser Fotoshooting sind wir an den Arnisee im Kanton Uri gefahren. Ein Ort, der Ihnen sehr am Herzen liegt. Wieso?
Unsere Familie verbindet viel mit diesem Ort: Vor genau hundert Jahren hat mein Grossvater hier den Stausee gebaut. Er zog damals von Weggis nach Altdorf, um Strom in den Kanton Uri zu bringen. Der Arnisee ist der Heimweh-Ort meines Vaters. Er verbrachte als Bub seine Ferien immer in einem der Häuschen am See. Später hat er uns Kinder oft hierher mitgenommen. Schon damals fand ich, dass es am Arnisee ganz besonders rieche – nach den Tannen, nach dem vielen Moos. Und der Wald rund um den See hat so etwas Verwunschenes.

Was bedeuten Ihnen die Berge?
Ich spüre hier in der Höhe eine enorme Kraft. Die Steine, besonders der Granit, haben eine wilde Romantik, die mir sehr gefällt.

Vor zwanzig Jahren sind Sie von Altdorf weggezogen, lebten unter anderem an der Zürcher Langstrasse und nun in Bern. Fehlt Ihnen die Natur?
Lange fühlte ich mich sehr wohl mitten in der Stadt. Erst jetzt, wo ich am Stadtrand von Bern wohne, merke ich, wie mir das Licht gefehlt hat. Auch den Wechsel der Jahreszeiten nehme ich viel inten­siver wahr.

Schätzt man als Landei die Natur mehr als ein Stadtkind?
Ich glaube, das liegt eher an der Erziehung als daran, ob man in der Stadt oder in den Bergen aufgewachsen ist. Meine Mutter verbrachte mit uns sehr bewusst die Ferien in einem Bauernhaus in Seelisberg statt am Meer. Natürlich beneideten wir die Kinder, die nach Italien fahren durften. Im Nachhinein waren Ferien auf dem Land aber ­etwas vom Wertvollsten.

Ihre Mutter bestand nicht nur auf Ferien in der Schweiz, sondern ernährte sich auch vegetarisch.
Ja, das stimmt. Sie trimmte uns darauf, gesund zu essen. Bei uns gab es Vollkornbrot, das war in den Siebzigerjahren noch nicht üblich. Während die anderen Kinder in der Skischule Pommes frites kaufen durften, hatte ich mein Fünfkornbrot mit gesundem Aufstrich im Rucksack dabei. Das fand ich nicht immer toll. Heute bin ich ihr dankbar dafür. Ich esse immer noch sehr bewusst und bin vielleicht auch darum so gesund.

Sind Sie auch Vegetarierin?
Nicht ganz. Ich esse allerdings nur Fleisch von glücklichen, gesund ernährten Tieren – alles andere widerstrebt mir. Ich finde es schrecklich, Fleisch aus Massentierhaltung zu essen.

Sie sind oft unterwegs, wie ernähren Sie sich da gesund?
Das ist genau die richtige Frage. Wenn ich unterwegs bin, dann gibt es mir oft zu denken, dass es am Kiosk und in Schnellimbissen keine «gescheiten» Esswaren gibt.

Wie essen Sie und ihr Lebenspartner, der Herzchirurg Thierry Carrel, zu Hause?
Wir kochen jeden Abend gemeinsam. Wenn es zu spät wird, gibt es nur ein Bircher­müesli. Aber wir achten immer genau darauf, was wir essen.

Kommt auch Fleisch auf den Tisch?
Ja, vor allem wenn die Tochter meines Partners dabei ist. Dann gibt es mal Hackfleisch oder Kalbsplätzchen. Bei leichten Fleischstücken esse ich gerne mit. Wenn es aber irgendwo auf Besuch einen dicken Schinken gibt, dann versuche ich, das Stück unauffällig weiterzugeben.

Worauf achten Sie beim Einkauf?
Ich studiere meist die Etiketten. Beim Gemüse kaufe ich eine Mischung aus biologischen und konventionellen Produkten. Milch, Eier und Fleisch müssen aber Bio sein. Da bin ich gerne bereit, mehr zu bezahlen, denn biologische Sachen schmecken besser, und ich habe das Gefühl, nicht nur der Umwelt, sondern auch mir etwas Gutes zu tun.

Kaufen Sie auch sonst bewusst ein, zum Beispiel bei Kleidern?
Wenn mir ein Kleid sehr gut gefällt, schaue ich selten auf die Etikette. Ich habe aber gemerkt, dass es immer mehr hübsche Sachen gibt, die fair hergestellt wurden. Darauf will ich vermehrt achten.

Ihr Grossvater brachte Strom in den Kanton Uri. Was für Strom kommt aus Ihrer Steckdose?
Ich habe eine Mischform aus Ökostrom und konventionellem Strom. Mein Partner hatte die Idee, Solarpanels auf dem Dach zu installieren. Vielleicht machen wir das.

Wie warm ist es in Ihrer Wohnung?
Uns reichen 17 bis 18 Grad, das Schlaf­zimmer ist ungeheizt.

Wie oft duschen Sie pro Tag?
Einmal täglich. Ich muss allerdings zu­geben: Zum Entspannen und Aufwärmen nehme ich ab und zu gerne ein Bad.

Wie oft sind Sie mit dem Zug unterwegs?
Ich pendle täglich zur Arbeit von Bern nach Zürich Oerlikon.

Machen Sie das aus Umweltschutz­gründen?
Natürlich. Ausserdem bin ich froh, dass ich den Zug nehmen kann. Die A1 ist ja dauernd verstopft. Ich finde, eine Welt ohne Autos mit Benzinmotoren wäre eine schönere Welt. Es ist wichtig, dass wir in Zukunft nicht mehr abhängig vom Erdöl sind. Schon mein Grossvater träumte davon, dass sich die Menschen dereinst mit Elektro­autos umweltschonend und leise
fort­bewegen werden.

Fahren Sie trotzdem mal Auto?
Ich will die Autos nicht verteufeln. Ich verstehe alle, die hier im Kanton Uri eines brauchen. Ich selber bin froh, wenn wir zum Skifahren das Auto meines Partners nehmen können. Auch zum Drehen für «Schweiz aktuell» geht es nicht ohne.

Wir haben uns heute Morgen in der zweiten Klasse getroffen. Wieso fahren Sie nicht erste Klasse?
Das Geld, das ich beim Zweitklass-GA spare, gebe ich lieber für Ferien aus. Und in der zweiten Klasse bin ich mehr im Alltagsleben drin, auch wenn es langsam eng wird zwischen Bern und Zürich.

Sind Sie auch mit dem Velo unterwegs?
Ja. Ich besitze kein Auto, habe dafür zwei Fahrräder, je eins in Zürich und in Bern. Mit einem fahre ich täglich von daheim zum Bahnhof Bern, mit dem anderen vom Bahnhof Oerlikon ins Fernsehstudio.

Sie reisen sehr gerne. Achten Sie dabei auf die Umwelt?
In Europa nehme ich den Zug. Ich gestehe aber, dass ich auch gern fliege, am liebsten mit der Swiss. In Zukunft möchte ich die Flüge bei Myclimate kompensieren.

Sie moderieren nicht nur die Sendung «Schweiz aktuell», sondern sind auch als Reporterin in der Schweiz unterwegs. Wie umweltbewusst erleben Sie das Land?
Einige Leute verhalten sich sehr bewusst, andere können sich das gar nicht leisten. Der grösste Teil ist wohl einfach nach­lässig und macht sich keine grossen Gedanken. Als Staat hingegen sind wir sehr umweltbewusst. Ich denke da zum Beispiel an die Sondermülldeponie Kölliken, die aufwendig saniert wird. So etwas wäre in ­vielen Ländern nicht denkbar.

Wie umweltbewusst schätzen Sie sich selbst ein?
Ich bin umweltbewusst, aber nicht radikal. Ich will einfach sehr bewusst leben.

Wie viel Öko-Bewusstsein erwarten Sie von Ihrem Umfeld?
Ich ermahne niemanden. Meinen Partner konnte ich aber vom Eisenbahnfahren überzeugen. Wir reisten zum Beispiel mit der Familie im Zug nach München und fanden es alle sehr gemütlich und lustig.

Thierry Carrel operiert zweimal im Jahr auf eigene Kosten in einem kleinen Spital in Sibirien. Sie haben ihn auch schon begleitet. Wieso?
Ich schrieb eine Reportage für die «Ärztezeitung» und wollte meinen Partner bei ­seiner Arbeit erleben. Ich kann ja sonst nicht einfach so im Inselspital vorbeigehen und ihm über die Schulter schauen. In Russ­land ging das problemlos. Ich war jeden Tag im Operationssaal dabei.

Wie haben Sie diese Reise erlebt?
Es war sehr eindrücklich, eine ganz andere Welt zu sehen. Eine Welt, in der es nach Erdöl riecht, wenn man aus dem Flugzeug steigt, und in der man an einem ganz anderen Punkt anfangen müsste, wenn man über Umweltbewusstsein sprechen wollte. In Russ­land wurde mir wieder mal bewusst, in was für einem goldenen Nestchen wir leben.

War es ein Schock?
Was mich entrüstet hat, waren die Unterschiede zwischen Arm und Reich, die dort viel deutlicher sichtbar sind. Das Spital braucht dringend Geräte und Me­di­kamente. Daneben gibt es aber in Perm auch Luxus-Geschäfte. Die könnten sich doch gegenseitig helfen, denkt man. Aber eine ausgleichende Gerechtigkeit gibt es auf der Welt wohl nirgends.

Was konnten Sie tun?
Ich kümmerte mich um die Kinder, die neben den erwachsenen Patienten lagen und nicht mal ein Bilderbuch hatten. Ich habe versucht, die traurig blickenden Menschen zu ermutigen.

Ist Ihnen diese karitative Arbeit ein Anliegen?
Ja, auch das ist etwas, was ich von zu Hause mitbekommen habe. Meine Eltern luden ab und zu Menschen ein, die ausserhalb der Gesellschaft standen. Sie sassen bei uns in der Küche am Esstisch und ­haben mit uns gegessen. Ich wünsche mir, dass man wieder mehr Rücksicht auf­einander nimmt – auch das ist «Umwelt­bewusstsein».

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