U17-Weltmeister Die Unglaublichen!

Begeisterung pur! Sie stammen aus 13 Ländern und drei Kontinenten. Das weisse Kreuz auf der Brust tragen sie mit Stolz. An der U17-WM in Nigeria spielte sich die junge Mannschaft von Coach Dany Ryser in die Herzen der Schweizer.

Als die U17-Nationalmannschaft am 20. Oktober nach Lagos fliegt, wissen höchstens eingefleischte Fussball-Fans, dass die U17-WM überhaupt stattfindet. Und selbst die kennen höchstens zwei oder drei Spieler mit ­Namen. Der Sieg im ersten Spiel gegen Mexiko wird anerkennend registriert, mehr nicht. Auch der Erfolg über Japan im zweiten Spiel löst noch nicht die grosse Fussball-Euphorie aus. Aber spätestens als der Gruppensieg feststeht und im Achtelfinal Deutschland besiegt ist, wissen selbst Sportmuffel: 4500 Kilometer südlich der Schweiz schreiben 21 junge Männer Sportgeschichte.

Und wie sie das tun! Die unbändige Mischung aus Zusammenhalt, Lebensfreude und Coolness begeistert das Land. Je grösser die Widrigkeiten, desto besser. Grosse Fussball­nationen werden, egal, ob mit elf Mann oder in Unterzahl, in Grund und Boden gespielt.

Ländern wie Brasilien, das am Laufmeter Talente hervorbringt, setzt die Schweiz mit Erfolg ein innovatives Nachwuchskonzept entgegen. Schon seit drei Jahren formt Trainer Dany Ryser, 52, «seine» Jungs. «Darum ist das Mannschaftsdenken bei uns stärker ausgeprägt als bei anderen Teams», sagt er.

4500 Kilometer südlich der Schweiz schreiben 21 junge Männer Schweizer Sportgeschichte.

Die Hitze, das Verkehrschaos und das Leben im militärisch bewachten Hotel, alles kein Problem. Der tägliche Stimmungs­bericht aus Nigeria ist genau wie der Wetter­bericht: Kein Wölkchen trübt den Sonnenschein. Dabei ist ihre Freizeit in Nigeria nicht annähernd so spektakulär wie die Siege der Jung-Nati. An spielfreien Tagen sieht das Tagesprogramm meist gleich aus: Frühstück, Training, Mittagessen mit viel Kohlenhydraten, einstündige Ruhezeit, ein zweites Training, dann die Theorie-Stunde. Die restliche Zeit dient der Regeneration. Nachtruhe ist um 23 Uhr.

Lagerkoller kommt trotzdem keiner auf. Die Spieler vertreiben sich die freie Zeit mit Jassen, Surfen oder sonnen sich am Pool. Am ersten Sonntag organisiert die Delegation einen Bootsauflug und eine Grill-Party in einem kleinen Dorf. «Dort haben wir mit den Einheimischen Fussball gespielt und gingen mit ihnen im Meer schwimmen. Das war unvergesslich», erzählt Ersatz-Goalie Joel ­Kiassumbua.

Die erfolgreiche U17-Truppe ist kein Garant für künftige Erfolge. Die Erfahrung lehrt: Den Sprung ins Profi-Geschäft schaffen nicht alle. Und solange ein Spieler mit zwei Pässen nicht für das A-Nationalteam gespielt hat, kann er sich immer noch für das andere Land entscheiden. Immerhin, alle Doppelbürger im Team beteuern, dass sie auch in Zukunft nur für die Schweiz auflaufen möchten.

Vielleicht hat dazu auch eine Ansprache von Nati-Trainer Ottmar Hitzfeld bei­getragen. Im vergangenen Frühling sagte er zum Team: «Ihr seid von der Schweiz gut ausgebildet worden und habt nun eine moralische Verpflichtung, weiterhin für das Land zu spielen.»

Für den Moment gilt aber auch: Danke Jungs, ihr habt uns schon verdammt viel zurückgegeben!

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