«Who is Who» Die Zürcher Prominenz feiert sich selbst

Alle Jahre wieder werden in Zürich die 200 wichtigsten Persönlichkeiten gewählt. Dass sich der ein oder andere Prominente für so einen Eintrag schon mal prostituiert und inwiefern die Personen-Enzyklopädie die Karrieren vorantreibt - SI online hat sich an der Release-Party umgehört.

Auf die Frage, wieso ausgerechnet sie es in die diesjährige Ausgabe vom «Who is Who» geschafft haben, haben Walter und Irina Beller auch keine Antwort. «Vielleicht, weil wir einfach the one and only Bellers sind», lacht die laute Frau mit dem russischen Akzent. Sie wirkt auf den ersten Blick hochgeschlossen. Ein zweiter jedoch verrät, dass sie unter dem Spitzenoberteil keinen BH trägt. Als sich die Russin auf Seite 76 der druckfrischen Ausgabe entdeckt, triumphiert sie und fuchtelt wild mit den Armen. «Der Text ist egal, Hauptsache, das Foto ist gut», findet sie. Wenigstens hier finden sie die Beachtung, die ihnen bei der Casino-Eröffnung am Mittwoch nicht zuteil wurde. Das schillernde Paar wurde nämlich ausgeladen. «Dabei hat mein Mann das Casino doch gebaut», entrüstet sich die Frau des Schweizer Bauunternehmers. 

Dass die beiden am Anlass im Zürcher Club Indochine gern gesehene Gäste sind, kann man besonders in den Augen von Gion Mathias Cavelty ablesen. Der Schriftsteller wird beim Anblick des Jet-Set-Paares ganz aufgeregt. Er wittert eine spannende Geschichte, zückt seinen Stift und hängt sich an deren Fersen. Wie es der diesjährige Gewinner des Zürcher Journalistenpreises geschafft hat, zum zweiten Mal im «Who is Who» zu erscheinen, ist eigentlich ganz einfach: «Ich musste dafür mit dem Herausgeber Eugen Baumgartner ins Bett», scherzt er. 

Wirklich Einfluss auf sein Leben hätte die Aufnahme in die Liste der 200 wichtigsten Zürcher im Jahr 2009 und 2010 jedoch nicht gehabt, sagt Roli Bunkus alias Mr. Da-Nos. «Der Eintrag ist zwar das Tüpfelchen auf dem i, doch die Veranstalter haben mich deswegen nicht mehr gebucht», sagt der DJ. «Ich habe dadurch aber neue Leute kennengelernt, die ich sonst wohl nicht getroffen hätte.» 

Thomas Russenberger, der es als Geschäftsführer der Miss-Schweiz-Organisation erstmalig ins Verzeichnis geschafft hat, findet, man dürfe das Ganze nicht allzu ernst nehmen. «Was braucht es denn schon im Leben ausser Essen und Trinken», lacht er. Für Lorenzo Leutenegger wäre eine Platzierung im «Who is Who» jedoch erstrebenswert. «Man kann von Glück reden, wenn man dabei ist», sagt der Schweizer Bachelor. Hätte die Veranstaltung in sieben Wochen stattgefunden, wäre er wohl in Begleitung einer Dame erschienen.

Ex-Miss-Schweiz und Moderatorin Christa Rigozzi erscheint ebenfalls ohne ihre bessere Hälfte. Ihr Giovanni muss arbeiten und kann nicht mal eben für einen Anlass aus Monte Carasso nach Zürich jetten. Eine Tessinerin unter den wichtigsten Zürchern? «Ich wohne zwanzig von dreissig Tagen im Monat in Zürich. Ich liebe diese Stadt, habe viele Freunde hier und fühle mich schon als Zürcherin», lautet der Erklärungsversuch der Miss Schweiz 2006.

Einer, der einen weiten Weg auf sich genommen hat, ist Max Loong. Der Moderator pendelt zwischen Los Angeles und Singapore, war aber schon zur Bond-Premiere in Zürich. Er zeigt sich am Donnerstag alles andere als redefreudig: «Ich gebe keine Auskunft», lautet sein Kommentar. Dann doch lieber die Bellers. Die habens im Gegensatz zu Loong ja auch ins «Who is Who» geschafft. Jetzt wissen wir zumindest ein bisschen, warum.

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