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Yule, Zenhäusern & Meillard

Die Schweizer Slalom-Sonnyboys greifen nach der Medaille

Unsere Helden im Stangenwald! 
Mit Daniel Yule, Ramon 
Zenhäusern und Loïc 
Meillard hat die Schweiz wieder starke Slalomfahrer. Sie wollen am 
letzten Tag der WM triumphieren. 
Wie die drei ticken – und was sie über die anderen denken. 

Daniel Yule, Ramon Zenhäusern und Loic Meillard

Stark wie Bäume: Daniel Yule, 
Ramon Zenhäusern und Loïc Meillard (v. l.) 
bereiten sich im schwedischen Vemdalen bei 
bitterkalten 
Temperaturen 
auf die WM vor.

david birri
Loic Meillard
david birri

Loïc Meillard, 22 
Der hyperaktive Geniesser

Wenn andere Skifahrer am Start nervös ihre Routinen durchziehen, kann Loïc Meillard nur lachen. Der 22-Jährige gehts gelassen an. Und trotzdem zielstrebig: Bereits mit 12, weiss er genau, was er will. Damals zieht die Familie für die skiverrückten Kinder von Neuenburg nach Hérémence im Wallis, dorthin, wo sie normalerweise die Wochenenden und Ferien verbringen. 

Seither sind die Meillards – seine jüngere Schwester Mélanie verpasst die WM verletzungsbedingt – quasi auf der Piste zu Hause. Und das von allen gelobte Talent hat in diesem Winter auch geliefert: Kurz vor Weihnachten fährt Loïc gleich im Riesenslalom und im Slalom aufs Podest. 

Meillard sieht sich als harten Arbeiter, aber auch als Genies-
ser. Mit der Familie gehts in der Freizeit auf die umliegenden Berge – mit Ski, Wanderschuhen oder Velos. Alleine zieht er schon mal mit der Kamera los. Hauptsache, es läuft etwas und er ist draussen in der Natur. Und noch ein Hobby würde Meillard gerne seiner Liste hinzufügen: Tanzen! Wie wärs also mit einem Siegertänzchen?

Daniel über Loïc:

«Loïc ist hyperaktiv, hat so 
viel Energie. Ich setze mich gern mal hin und 
tue einen Moment gar nichts. Er aber macht so viele Dinge, hier Fotos 
und da jenes, dass ich denke: Gibts überhaupt so viel Zeit pro Tag? 
Er geht auch so schnell, zack, 
ist er 30 Meter 
vor mir! Seine Slalomtechnik bewundere ich. Ich weiss nicht, wie man technisch besser fahren könnte.»

David Birri

Ramon Zenhäusern, 26 
Der körperbewusste Riese

Mit urchigem Gebrüll schreit sich Ramon Zenhäusern Ende Januar im Starthaus von Schladming die Anspannung aus dem Leib. Dass das Video 
davon um die Welt geht, ist dem Walliser aus Visp ein wenig unangenehm. Verbindet man doch seine Person eher mit witzigen Sprüchen und einer überaus freundlichen Persönlichkeit. 

Früher hat Zenhäusern vor allem im Training brilliert, seit vergangenem Winter setzt der Zwei-Meter-Mann sein Können auch im Rennen um. Das hängt mit viel Mentalarbeit zusammen. Seit der Slalom-Silbermedaille an den Olympischen Spielen 2018 «ist 
bei mir im Leben mehr passiert als in den 25 Jahren zuvor», sagt er. 

Der Kitesurf-Fan und Hobby-Klarinettist fasst sein Jahr seit dem Exploit so zusammen: 
«Ich habe schöne Erfahrungen gemacht, bin skifahrerisch stabiler geworden und habe menschlich dazugelernt.» Heute könne 
er auch mal Nein sagen. Zu einer WM-Medaille würde er das natürlich nicht. Was macht ihn an Grossanlässen stark? «Olympia war wohl eher ein Zufall. Erst wenns an der WM auch klappt, stelle ich eine Theorie auf.»

Loïc über Ramon:

«Es ist schon krass, wie 
er so gut 
fahren kann. Auch weil er seinen Körper so gut kennengelernt hat. Dass er 
bei einer 
Körpergrösse von zwei 
Metern die 
Stabilität 
hinkriegt,  die es im Slalom 
ja braucht, ist beeindruckend. Am Start 
wirkt er 
vielleicht 
ein wenig 
verrückt mit seinen 
Schreien.»

Daniel Yule
david birri

Daniel Yule, 25 
Der abergläubische Denker

Elf Jahre lang gewann kein Schweizer einen Weltcup-
Slalom – bis Daniel Yule im vergangenen Dezember. Der Walliser mit schottischer Mutter und englischem Vater 
hat sich Schritt für Schritt an die Weltspitze gearbeitet: analytisch, mit Köpfchen und einer riesigen Portion Ehrgeiz. 

Vor allem sich selbst musste der Wirtschaftsstudent davon überzeugen, dass er an die Weltspitze gehört. Nicht immer war er mit grossem Selbstvertrauen gesegnet. Egal ob beim Skifahren, in der Schule oder bei Verhandlungen mit Sponsoren, stets fragte er sich: Bin ich wirklich so gut? So viel wert? Sind die anderen nicht schlauer? Dabei gilt er teamintern als «das Gehirn» und schreibt Bestnoten, ohne dass ihn je jemand lernen sieht. «Heute ist mir bewusster, was ich gut kann und was weniger. Ich fühle mich jetzt viel wohler.» 

Yule ist nicht unbedingt ein Freund von Grossanlässen, da dort nicht alle Starken an den Start dürfen. Zwei Podestplätze beim Nightrace in Schladming vor 50 000 Fans beweisen, dass der Mann aus dem Zehn-See-
len-Dorf Branche d’en Haut aber durchaus auch die grosse Bühne beherrscht. 

Ramon über Daniel:

«Daniel ist extrem ehrgeizig, verliert nicht gern, nicht mal beim Plauschfussball. Auf den Ski ist er wie ein Uhrwerk. Extrem konstant, fällt fast nie aus, bewundernswert. Er ist auch abergläubisch. Am Rennen trägt er stets dieselbe Skiunterwäsche, ein dickes grü
nes Leibchen – auch wenns warm ist. Und am Vorabend immer dasselbe Poloshirt.»

Von Eva Breitenstein am 17. Februar 2019