Nach Trump-Parodie «Switzerland Second» Dominic Deville über Karriere, Klicks und Kinder

Seit zwei Wochen ist Dominic Deville ein Internetstar. Seine Trump-Parodie «Switzerland Second» ging viral - doch das lässt den Entertainer ziemlich kalt.
Dominic Deville SRF und Youtube privat mit Frau Kinder
© David Biedert

Auf dem blauen Sofa in Devilles Arbeitszimmer in Zürich entstanden die Ideen zum viralen Clip.

Kein Namensschild, keine Klingel. Dominic Deville, 41, findet man trotzdem. Einfach dem Gelächter nach, das durch die Wände der Altbauwohnung ob des Zürcher Restaurants Nordbrücke schallt. Hier sitzt der Late-Night-Talker mit seinem Team zusammen und plant die neuste Ausgabe seiner SRF-Sendung. Brainstorming, Post-its an die Wand kleben, Ideen weiterspinnen, wie jede Woche. Neu ist nur, dass jetzt die halbe Welt zuschaut. Vor zwei Wochen landeten Deville und sein Team mit dem Video «Switzerland Second» einen viralen Hit. Sie nehmen US-Präsident Donald Trumps Aussage «America first» auf die Schippe und wollen ihn satirisch davon überzeugen, der Schweiz den zweiten Platz in der Weltordnung zu überlassen. Die Holländer hatten die Idee zur Parodie, Dutzende Länder folgten. Devilles Video gilt als eines der besten. Es wurde auf Youtube bisher elf Millionen Mal angeklickt.

Dominic Deville, wie oft schauen Sie nach den Klicks?
Das letzte Mal ist bereits vier oder fünf Tage her. Aber am Anfang wars heftig: einmal Einkaufen, schon warens 200 000 Views mehr. Meine Freunde haben mich per SMS informiert. Ich selbst besitze ja kein Smartphone.
Wieso nicht?
Ich hatte nie ein Telefon, mit dem man online gehen kann, und weiss deswegen wohl auch nicht, was ich verpasse. Mir fehlt nichts. Oft habe ich mein altes Handy nicht einmal dabei.
Wie verwalten Sie denn Ihre Social-Media-Accounts?
Ich habe keine. Respektive, es gibt eine Facebook-Seite und ein Twitter-Konto, die bewirtschaftet meine Freundin. Ich kenne nicht einmal die Zugangsdaten.
Wie ist es, als Offliner ein Internetstar zu werden?
Es dauerte zwei Tage, bis ich realisierte, was da gerade passiert. Ich freue mich natürlich sehr, aber im Dreieck springe ich deswegen nicht. Diese Klickzahlen sind für mich wie eine fremde Währung, die ich nicht verstehe. Analoger Applaus sagt mir viel mehr zu.

Das war schon immer so. Wenn Deville auf die eigene Kindheit zurückschaut - er wuchs in Bayern als Sohn eines Schweizer Architekten und einer deutschen Physiotherapeutin auf -, kommt er zum Schluss, dass ihm das Rampenlicht vorbestimmt war. «Mit meinem Bruder spielte ich an Familienfeiern immer Stücke des Komikers Otto nach.» Auch Loriot und Polt hat er im Repertoire. Nach dem Umzug in die Schweiz schliessen sich die Brüder der Punk-Szene an, ihre erste Band nennen sie «Grössenwahn». Bezeichnend, wenn man weiss, dass Pascal Deville gerade jetzt ebenfalls den internationalen Durchbruch feiert: als Werber. Dominic wird Kindergärtner, was er nach ein paar Berufsjahren in seinem ersten Bühnenprogramm «Kinderschreck» kabarettistisch verarbeitete. Mittlerweile hat er eigenen Nachwuchs: Rocko, 6, und Töchterchen Nico, 4.

Was halten Rocko und Nico von Ihrem virtuellen Erfolg?
Die zwei haben noch nicht einmal das Video gesehen. Sie wissen ja, wie Kinder sind. Was wir Erwachsene interessant finden, ist ihnen völlig egal. Aber das rote Auto, das gerade vorbeifährt...
Als Satiriker müssen Sie Trump lieben. Wie sehen Sie es als Vater?
Ich bin schockiert und frage mich, was das für Zeiten sind, in denen Populisten so einfach in solche Positionen kommen.
Machen Sie sich deswegen Sorgen um die Zukunft Ihrer Kinder?
So weit würde ich nicht gehen. Ich bezweifle, dass es schlimmere Zeiten sind als damals, als meine Mutter im zerbombten Berlin zur Welt gekommen ist.
Ist ein Satiriker ein lustiger Papa?
Satiriker, dieses Wort mag ich gar nicht! Ich bezeichne mich als Unterhalter. Ich erzähle Geschichten und mache das auch gern beim Gute-Nacht-Ritual. Aber zu Hause sind die Kids die Entertainer.
Worüber haben Sie zuletzt gelacht?
Mein Sohn fing an, mit einem wegwerfenden «Kei Ahnig» zu antworten, auf alles! Erst wurde ich wütend, dann begriff ich, dass er mich imitiert. Das war amüsant.
Wo stösst Ihr Humor an Grenzen?
Ich trete nicht gegen unten und schiesse nicht auf Minderheiten. Mein Humor entspricht nicht dem der Masse. Mit Mario Barth kann ich zum Beispiel inhaltlich überhaupt nichts anfangen, auch wenn ich bewundere, wie er sein Publikum für sich einnimmt.

Lachen muss Dominic Deville hingegen, wenn er «Tim & Struppi» liest. Der Fakir aus dem Comic ziert sogar als Tattoo seinen linken Unterarm. Daneben ein gekrakelter Vampir. «Den hat Rocko für mich gezeichnet.» Rechts hat er sich neben Flamme und Katzen-Emblem ein Gebiss stechen lassen - seine Art der Liebeserklärung an seine Freundin, «die Gebisse sammelt». Devilles Liebe zum Morbiden zeigt sich auch in der Dienstleistung «Evil Birthday Clown». Für teuflische 666 Franken kann man ein Geburtstagskind mit einem bösen Clown beglücken, der ihm auflauert und es mit einer Torte beschmeisst. 2012 berichteten Medien von den USA bis Japan darüber. «Eigentlich war das mein erster viraler Hit», sagt Deville. «Heute noch erhalte ich täglich Anfragen deswegen.»

Und was hat Ihnen der «Switzerland Second»-Clip gebracht?
Da das Schweizer Fernsehen seine Videos nicht in Werbung einbettet, verdienen wir nichts daran. Aber wir haben Angebote erhalten, für europäische Late-Night-Formate zu schreiben.
Kränkt es Sie, dass der twitterwütige Trump noch nicht auf Ihre Parodie reagiert hat?
Wir sehen, woher die Klicks kommen. Und obwohl die «New York Times» darüber geschrieben hat, scheint das Video in den USA noch nicht die Runde gemacht zu haben. Wobei, da tut sich was!

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