Dominique Aegerter kämpfte sich zurück Der kleine Domi ganz gross

Heute startet Dominque Aegerter beim GP in Aragon und erst vor wenigen Tagen verlägerte bei seinem Team Kiefer Racing für die Saison 2018.  Der 26-jährige Emmentaler lässt damit zwei Jahre hinter sich, die von Unfällen, sportlichen Problemen und familiären Schicksalsschlägen geprägt waren. 
Dominique Aegerter
© Remo Nägeli

Kindertraum: Dominique Aegerter in Rohrbach mit einem seiner ersten Töffs aus dem Jahr 1996 und seinem ersten Pokal.

Fünf Stunden fahren Dominique Aegerter, 26, und sein Papa Ferdinand nach Italien, um den Auspuff für den kleinen Töff zu besorgen. Dominique ist fünf, fährt bereits Motocrossrennen – und seine Welt dreht sich um die knatternden Zweiräder. «Future shock» steht auf dem Lenkerschutz, der bei Stürzen den Körper vor Verletzung bewahren soll. Und seine Zukunft im Motorsport hält tatsächlich einige Schocks bereit – vor allem in den vergangenen zwei Jahren.

«Ja, es gab ein paar schwierige Momente», sagt der 26-Jährige nachdenklich, während er am Familien-Esstisch in Rohrbach im Emmental sitzt. Er fummelt an der Tischdecke herum, und man spürt, dass es nicht sein Lieblingsthema ist. Dominique ist ein bisschen erkältet, die ausgelassene Feier bis vier, fünf Uhr morgens nach dem Sieg im Regen von Misano, Italien, hat ihre Spuren hinterlassen. Zum ersten Mal seit 2014 steht er ganz oben in einem Rennen der Moto2-Klasse, und sein letztes Podium ist zwei Jahre her. Dazu kommt, dass er das Podest mit Tom Lüthi, 31, teilen kann. Ganz klar: Dieser Triumph ist eine Befreiung.

Dominique Aegerter
© Remo Nägeli

Historisch: Schweizer Doppelsieg: Dominique Aegerter (l.) und Tom Lüthi belegen in Misano die ersten Plätze.

Da ist sein schlimmer Sturz im September 2015, bei dem er sich vier Wirbelfortsätze und den Mittelhandknochen bricht. «Das war happig!» Gleichzeitig die Herzoperation seines Vaters «Fere», dem fünf Bypässe gesetzt werden. 2015 und 2016 sind auch sportlich durchzogene Saisons. «Ich habe immer an mich geglaubt», sagt er, doch es fehlt jeweils etwas für ganz vorne. Im Juni 2016 erleidet der Vater eine Hirnblutung, deren Folgen ihn noch heute beeinträchtigen. Er verbringt sieben Wochen in Spital und Reha. Aegerter junior verletzt sich an der Schulter, dann folgt Ende Saison ein regelrechtes Wirrwarr um die Wechsel der Töffmarke und des Teams. Schliesslich die kurzzeitige Trennung vom eng vertrauten Manager und eine Sperre für die letzten vier Saisonrennen.

Das ist ein bisschen viel für einen, der immer noch etwas Unbeschwertes, Bubenhaftes an sich hat, der aber vorsichtiger geworden ist. «Vermutlich habe ich auch bei den falschen Dingen Zeit und Energie verloren.» Wenn es ihm zu nahe geht, steigt er auf den Töff. «Dort bin ich fokussiert, und niemand kann dich ansprechen.» Wichtig ist für den Single in dieser Zeit die Familie, mit der er über alles reden kann und der er hundertprozentig vertraut. Gut getan hat ihm auch die Sportler-RS in Magglingen im vergangenen Winter. Ein strukturierter Tagesablauf, Erholungszeit ohne Ablenkung und neue Kollegen wie etwa die Schwinger Remo Käser und Joel Wicki ermöglichen ihm eine optimale Saisonvorbereitung.

Dominique Aegerter
© Remo Nägeli

Starkes Team: Vater Ferdinand, Dominique, Bruder Kevin und Mutter Beatrice.

Bereits jetzt und fünf Rennen vor Schluss dreht sich bei Aegerter alles um die kommende Saison. In diesen Tagen entscheidet er, für wen er 2018 fahren wird, für sein jetziges oder für sein letztes Team. Für ihn ist ausschlaggebend, wo Material und Menschliches das beste Gesamtpaket ergeben. «Harmonie ist mir sehr wichtig», sagt er. Aber eben auch top Material, mit dem er sich für den ersehnten Wechsel in die Königsklasse MotoGP empfehlen könnte.

Apropos MotoGP: Bei Vater Fere hängt der Schnauz wieder so lange wie 2014, bevor er ihn nach Dominiques erstem Moto2-Sieg wie versprochen abrasiert hatte. Bis wann noch? «Oh, der bleibt», sagt der 64-Jährige. «Bis zum ersten Moto-GP-Sieg», wirft da Domi ein. Die Wette gilt!

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