IWC Filmmaker Award 2017 Drei Filmprojekte kämpfen am ZFF um den Förderpreis

Am IWC-Gala-Event im Rahmen des 13. Zurich Film Festival verleiht der Verein zur Filmförderung in der Schweiz zum dritten Mal den FILMMAKER AWARD. Drei Projekte haben die Chance auf den mit 100'000 Franken dotierten Preis. Wer die finanzielle Unterstützung erhält, entscheidet eine Fachjury. Und das sind die Nominierten.

Am IWC-Gala-Event im Rahmen des 13. Zurich Film Festival verleiht der Verein zur Filmförderung in der Schweiz zum dritten Mal den «Filmmaker Award». Drei Projekte haben die Chance auf den mit 100'000 Franken dotierten Preis. Wer die finanzielle Unterstützung erhält, entscheidet eine Fachjury. Und das sind die Nominierten.

Nominiert ist: «Le vent tourne»

Lohnt sich ein Engagement – politisch, ökologisch, in Beziehungen? Oder ist alles schon zu spät? Diese Fragen stellt Bettina Oberli («Die Herbstzeitlosen», «Tannöd») in ihrem aktuellen Filmprojekt. «Wir leben in einer fragilen Welt, in der alles gefährdet scheint. Für mich gibt es Hoffnung, aber auch viele Zweifel», sagt die Regisseurin.

Produzentin Pauline Gygax wusste sofort, dass sie eine künstlerische Vision mit Oberli teilt. «Bettina ging zudem aus ihrer Komfortzone heraus, da sie das Schreiben und die ganze Arbeit streng auf Französisch erledigt. Das ist meiner Meinung nach sehr aufregend und bewundernswert.» Oberli, die in Meiringen BE aufgewachsen ist, will den Film unbedingt auf Französisch drehen, da er im Jura spielt. «Und ich wollte nach ‹Déposer les enfants› mit Pauline und Max einenSchritt weitergehen.»

2012 haben Oberli, die Produzenten Pauline Gygax und Max Karli von Rita Productions – ihr Animationsspielfilm «Ma vie de Courgette» war dieses Jahr für einen Oscar nominiert – den Kurzfilm gedreht. «Kurz danach begannen wir über ‹Le vent tourne› zu sprechen», so Gygax. Der Film ist das Porträt einer modernen Frau, ein Film über Emanzipation und eine klassische Tragödie, die sich mit den heutigen gesellschaftlichen und umweltpolitischen Fragen beschäftigt.

Die schweizerischfranzösische Co-Produktion kostet 4,4 Millionen Franken. «Das Geld des Filmmaker Award würde uns helfen, die benötigte Zeit in der Postproduktion zu finanzieren», so Gygax. «Aber vor allem würde der Preis dem Film viel Anerkennung verleihen sowie Erwartung und öffentliches Bewusstsein aufbauen. Das ist entscheidend für die Zukunft des Films.» Das Liebesdrama mit den französischen Hauptdarstellern Mélanie Thierry und Pierre Deladonchamps sowie SI-Autor Pedro Lenz wird gerade gedreht. «Die Schauspieler leisten wunderbare Arbeit», so das Zwischenfazit von Gygax.

IWC Filmmaker Award 2017 «Le vent tourne»
© Niels Ackermann / Lundi13

Erfolgreich: Regisseurin Bettina Oberli, 44, und Produzentin Pauline Gygax, 41, (r.) von Rita Productions.

Nominiert ist: «Paradise War»

Anfang Oktober fällt die erste Klappe von «Paradise War» – und zwar in Borneo. Der Film erzählt die abenteuerliche Geschichte des Schweizers Bruno Manser, der sechs Jahre beim Waldnomadenvolk Penan auf der Insel im Malaiischen Archipel in Südostasien lebte. Im Kampf gegen die Zerstörung des Regenwaldes schuf sich der Ethnologe und Umweltaktivist viele Feinde. Im Jahr 2000 verschwand er spurlos. Seit 2005 gilt der Basler offiziell als verschollen.

Nach «Ziellos» und «Amateur Teens» ist «Paradise War» bereits die dritte Zusammenarbeit von Regisseur Niklaus Hilber und Produzent Valentin Greutert von A Film Company GmbH. «Es war für mich klar, dass ich diesen Film nur mit einem Regisseur umsetzen würde, mit dem ich schon zusammengearbeitet habe und zu dem ein Vertrauensverhältnis besteht», sagt Greutert. Vor zehn Jahren hat seine Firma die Rechte von Mansers Familie erworben und mit der Entwicklung begonnen. «Aussergewöhnliche Stoffe verlangen auch aussergewöhnliche Zeiträume.» Umweltzerstörung, Rechte indigener Völker, Klimawandel, Globalisierung, aber auch Fragen zur Menschheit und zur Zivilisation – diese aktuellen Themen stecken neben der Geschichte um Mansers Persönlichkeit ebenfalls im Film.

Niklaus Hilber Valentin Greutert IWC Filmmaker Award
© Geri Born

Dritter Streich: Regisseur Niklaus Hilber, 47, mit Produzent Valentin Greutert, 43, (l.) von A Film Company GmbH.

Der Dreh in Borneo ist aufwendig. «Die Logistik, um in die entlegenen Urwaldregionen zu kommen, ist hochkomplex. Zudem arbeiten wir mit den echten Penan-Angehörigen, so ist das Projekt auch eine kulturelle Herausforderung», sagt Greutert. Fünf Millionen Franken sind budgetiert. Das Preisgeld würde ihnen die letzte Lücke in der Finanzierung schliessen, «was bei einem so grossen Projekt enorm hilfreich ist», sagt Greutert. Unterstützung erhalten er und Hilber unter anderem vom Schweizer Fernsehen, dem Bundesamt für Kultur und der Basler Filmförderung. «Denn Mansers Geschichte bewegt noch heute viele Schweizer.»

Nominiert ist: «Der Unschuldige»

Seit mehreren Jahren entwickelt Simon Jaquemet die Geschichte zu «Der Unschuldige», seit Anfang 2014 intensiv. Was einst als Kriminalgeschichte angelegt war, hat sich mittlerweile zu einem Film entwickelt, «der sich im Themenfeld fundamentalistisch-christlicher Religion, moderner Wissenschaft und eines ungelösten Traumas aus der Vergangenheit bewegt», so der Basler Regisseur («Chrieg», fünf Nominationen für den Schweizer Filmpreis). «Als das Thema des Glaubens dazukam, hat sich die Geschichte in vieler Hinsicht geöffnet und erweitert.»

Hauptprotagonistin Ruth (Judith Hofmann) liebt Jesus. Die zweifache Mutter arbeitet als Tierärztin in der neurologischen Spitzenforschung. Als ihr ehemaliger Geliebter nach zwanzig Jahren Haft wieder auftaucht, beginnt sich ihre fragile Realität zu zersetzen. «Was uns speziell fasziniert, ist, dass radikal gläubige Menschen inmitten der Gesellschaft in einer komplett anderen Realität leben. Dies scheint uns aktuell ein sehr relevantes Thema, da die Realitätswahrnehmung zunehmend ambivalent wird.»

Das Team von «Der Unschuldige» arbeitet das erste Mal in dieser Konstellation zusammen. Dabei kennen sich Tolga Dilsiz, Aurelius Eisenreich, Simon Jaquemet und die acht anderen Teilhaber von 8horses schon seit Jahren und haben die Firma 2013 gegründet. Rund 2,8 Millionen beträgt das Budget. Das Projekt erhält Fördermittel vom Schweizer Bundesamt für Kultur, der Zürcher Filmstiftung und von Fernsehstationen wie Schweizer Fernsehen, Teleclub, Arte und ZDF. Das mögliche Preisgeld von 100'000 Franken würden sie in die Visual Effects investieren, denn bald ist der Schnitt abgeschlossen, und die Feinarbeit an Ton und Bild beginnt. «Im Film spielt ein Affe eine wichtige Rolle, und der muss digital bearbeitet werden», so Jaquemet. Voraussichtlicher Kinostart ist im Frühling 2018.

Simon Jaquemet mit Produzenten Tolga Dilsiz und Aurelius Eisenreich IWC Filmmaker Award 2017
© Geri Born

Am Start: Regisseur Simon Jaquemet, 39, (M.) mit den Produzenten Tolga Dilsiz, 40, und Aurelius Eisenreich, 41 (l.).

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