Gisele Bündchen Ein Model mit Mission

Kids statt Catwalk. Umweltprojekte statt Fotoshootings. Die brasilianische Super-Beauty Gisele Bündchen hat ein neues Leben begonnen. So bodenständig wie sie selbst.
"Model mit Herz" wird Gisele Bündchen in ihrer Heimat Brasilien liebevoll genannt.
"Model mit Herz" wird Gisele Bündchen in ihrer Heimat Brasilien liebevoll genannt.

Gisele im Glück! Das brasilianische Super-Model schwebt auf Wolke sieben. Im Februar dieses Jahres hat sie ihre grosse Liebe, den US-Footballstar Tom Brady, geheiratet, und im Dezember wird die 29-Jährige zum ersten Mal Mami. Zum Üben kümmert sie sich rührend um Bradys zweijährigen Sohn John aus erster Ehe mit der Schauspielerin Bridget Moynahan (die Natasha aus «Sex and the City»).

Die grosse Liebe zum Stiefsohn hat dann auch das erste ­Skandälchen in Giseles Leben verursacht. Einem US-Magazin diktiert Bündchen, die zum achten Mal in Folge bestverdienendes Model der Welt mit einem Jahreseinkommen von 16,5 Millionen Euro wird, den fatalen Satz: «Nur weil jemand anders ihn auf die Welt gebracht hat, bedeutet es nicht, dass John nicht mein Kind ist.» Für diese Aussage gibts kräftig Haue. «Respektlos», «Ein Schlag ins Gesicht für die leibliche Mutter Bridget Moynahan», so die Kommentare.

Sie versucht zu ver­gessen und stürzt sich in die Arbeit. Aber nicht auf dem Laufsteg. Den hat sie in letzter Zeit immer mehr vernachlässigt. Noch im Jahr 2000 läuft sie bei 96 Fashion-Shows, dieses Jahr erst zweimal. 2007 macht Gisele 27 Werbekampagnen, in diesem Jahr schafft sie bloss neun. Warum?

Gisele Bündchen will von ihrem Glück etwas zurückgeben – der Umwelt, den Menschen. Model mit Herz wird sie in ihrer Heimat genannt. Kaum eine andere aus der Mode­branche setzt sich so unermüdlich für wohltätige Zwecke ein. Sie unterstützt HIV-infizierte Menschen in Afrika, sie kümmert sich um krebskranke Kinder. Im letzten Jahr betreut sie Portugiesisch sprechende Kinder aus sozial schwachen Familien in Boston, wo sie mit ihrem Tom heute lebt.

57 Kilogramm gute Seele, verteilt auf 180 Zentimeter. Teilen zu können, ist ihr in die Wiege gelegt worden. Sie wird am 20. Juli 1980 im Ort Horizontina als Gisele Caroline Nonnenmacher Bündchen geboren. Ihre Eltern haben deutsche Vor­fahren. Sie wächst zusammen mit ihren fünf Schwestern auf, alle schlafen sie in einem Zimmer. Im 6-Mädel-Haus ist Geld knapp. Gisele: «Ich kann gut teilen. Meine Eltern hatten nicht das Geld, jeder von uns was Neues zu kaufen. Eine Tafel Schokolade wurde dann eben durch sechs geteilt.» Und: «Es bekam auch nicht jede eine Barbie-Puppe. Die andere erhielt dafür einen Ken. Dann haben wir wiederum geteilt.»

Kein Wunder, dass Gisele Bündchen als sehr boden­ständig gilt. Noch heute unterstützt sie ihre Familie mit 15 Prozent ihrer Einnahmen. Ihre eineiige Zwillings­schwester Patricia hat sie als ihre Managerin engagiert. Naturschutzprojekte sind Gisele ein besonderes Anliegen. Einen Teil der Einnahmen ihrer Schuhmarke Ipanema spendet sie dafür. «Aus Schuhen werden Bäume» heissen das Motto und die Idee ihrer neuen Modelle «Seeds» (Samen). Mit dem Geld sollen neue Bäume im brasilianischen Regenwald gepflanzt werden.

In ihrer Heimat wurde sie zur mächtigsten Frau des Landes gewählt
Und dann kann sich Gisele, La Belle, so richtig ereifern. «Vom Wald, der einst 15 Prozent von Brasilien bedeckte, sind bloss noch 7 Prozent übrig.» Die Folgen des Kahlschlags: Dürreperioden, Ernten werden vernichtet, Tiere verdursten. Einen ersten Erfolg können die «Samen»-Schuhe – Flipflops und Sandalen, verziert mit Pflanzen­motiven – bereits vorweisen.

Die ersten 25 000 Baum­setzlinge sind dank Gisele ge­pflanzt worden. Doch es sollen noch mehr werden. Und so ist sich die Schöne auch nicht zu schade, für ihre Schuhe mit einer spektakulären Kampagne zu werben: Sie posiert nackt vor einem Tropenwald, ein paar feine Blättchen verhüllen ihren makellosen Body.

Gisele, die – so will es die Anekdote – als 14-Jährige in einer Shopping-Mall in São Paulo von Elite-Agentur-Boss John Casablancas entdeckt wird, gilt als clevere Geschäftsfrau und hat verstanden, dass frau auch ohne ein politisches oder öffentliches Amt eine wichtige Rolle spielen kann.

Eine Zeitung in ihrer Heimat wählt sie zur «mächtigsten Frau des Landes». Und das US-Magazin «Time» listet sie gar unter den hundert einflussreichsten Menschen auf. Als Top-Verdienerin hat sie es zwar nicht nötig, aber – siehe oben – ihr New Yorker Apartment möchte sie nicht leer stehen lassen und vermietet es. Residieren kann dort, wer über das nötige Kleingeld verfügt. 29 000 Dollar kostet die Miete für einen Monat. Der Gegenwert: zwei Schlaf- und zwei Badezimmer, einen Whirlpool und eine bepflanzte Dachterrasse mit atemberaubendem Blick auf Manhattan.

Doch Gisele Bündchen will mit diesem Einfluss, dieser Macht sehr behutsam und mit Verantwortung umgehen. «Ich kann von mir behaupten, nie in meinem Leben etwas gemacht zu haben, das nicht völlig integer gewesen wäre», erzählt sie – und ein wenig Stolz schwingt in ihrer Stimme mit.

Und ihre weiteren Ziele? «Ich möchte ein Kind adop­tieren», erzählt sie dem US-Magazin «Vanity Fair». In São Paulo, so Bündchen weiter, sieht man auf den Strassen schon fünfjährige Kinder, die Leim schnüffeln und süchtig davon werden. «Wenn ich nur einem eine Chance auf ein ­besseres Leben bieten kann, hat sich mein Dasein schon gelohnt.» Gisele setzt hohe Massstäbe – vor allem an sich selbst. «Ich möchte am Ende meines Lebens sagen können, ich
habe das Beste getan, was ich konnte.»

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