ESC 2013 Emil ist das Aushängeschild der Heilsarmee-Band

Sie rocken im Namen des Herrn. Die Band der Heilsarmee will an den Eurovision Song Contest. An vorderster Front: der 94-jährige Emil Ramsauer.

Der Thuner Emil Ramsauer gehört nicht zu den Menschen, die schnell die Fassung verlieren. Seit 73 Jahren dient er der Heilsarmee ehrenamtlich als Soldat, und bis vor sechs Jahren war er freiwilliger Fahrer des Roten Kreuzes. Aber bei dieser Anfrage habe er dann doch gedacht: «Also jetzt spinnen sie komplett.»

Sie, das waren die Oberen der Heilsarmee. Sie hatten eine Vision: Sie wollten eine eigene Band an die Ausscheidung für den Eurovision Song Contest schicken. Mit freundlicher Unterstützung des Herrn – und derselben Zürcher Musikproduzenten, die schon Hits für Baschi, Bligg und Pegasus geschrieben haben. Gemeinsam entwickelten die Zürcher und die Salutisten den Song «You and Me». Dann suchten sie in den eigenen Reihen nach passenden Bandmitgliedern. Und da kam Emil Ramsauer ins Spiel.

Als aktivdiensterprobter Trompeter der Schweizer Armee und ehemaliger Chorleiter der Heilsarmee sei er die ideale Besetzung, sagten sie ihm. Und weil Ramsauer nur ungern Nein sagt, sagte er halt zu. Und so kam es, dass er plötzlich zum Aushängeschild der Band wurde. Wenn auch nicht an der Trompete, sondern am Kontrabass und an der E-Gitarre. «Wer A sagt, muss eben auch B sagen», fasst Ramsauer sein musikalisches Schicksal knapp zusammen.

«Ein grausamer Chrampf» sei dann auf ihn zugekommen: Den Song im Studio einspielen und ein Video dazu drehen. Ein hartes Stück Arbeit für den 94-Jährigen, der bis zur Pensionierung als Buchbinder arbeitete und seit seiner Jugend in der Heilsarmee dient. «Bis um elf Uhr nachts haben wir in Zürich gedreht», sagt er. Er, der sonst immer um halb zehn im Bett liegt und mit einem Rockstar eigentlich nur eins gemeinsam hat: eine jüngere Frau. In seinem Fall Ehefrau Regula, 72, die das Treiben des Gatten wohlwollend beobachtet: «Ich bin wirklich stolz, wie mein Emil das macht. Ich hoffe nur, dass er das alles gut übersteht. Er ist ja wirklich nicht mehr der Jüngste.»

Und so probt der brave Soldat zusammen mit seinen Bandkollegen emsig den Ernstfall – falls das Schweizer Fernsehpublikum die Band tatsächlich an den Final des Wettbewerbs nach Malmö schicken würde.

So recht daran glauben mag Emil Ramsauer allerdings nicht. Kategorisch ausschliessen will er es aber auch nicht. Schliesslich sind die Wege seines obersten Bandleaders unergründlich.

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